Die Honigfalle: „Lockerung“ des Lockdowns

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Gefängnis (Symbolbild: shutterstock.com/Von MikeDotta)

Allerweil gefallen sich alle möglichen Politiker darin, der Frustration des Volkes wegen der krassen Beschneidung seiner Freiheitsrechte Rechnung zu tragen, und so zu tun, als hätten sie ein Angebot zu machen. Das Angebot: Lockerung des „Lockdowns“ bis hin zur völligen Bewegungs- und Reisefreiheit für solche Bürger, die gewisse Bedingungen akzeptieren: Tracking-App und Impfung. Die Honigfalle.

von Max Erdinger

Heute gilt mehr denn je: Wer glaubt, daß Volksvertreter die Interessen des Volks vertreten, der glaubt auch, daß Zitronenfalter Zitronen falten. Die politsch-mediale Klasse steckt in einem fürchterlichen Dilemma, aus dem sie verzweifelt einen Ausweg sucht, den es zwar gäbe, aber leider nur auf ihre eigenen Kosten. Der Ausweg bestünde in der bedingungslosen Kapitulation vor der Einsicht, daß ihr ideologisches Wolkenkuckucksheim zusammengebrochen ist, und daß sie deswegen kein Zuhause mehr in den Parlamenten und den Redaktionen zu haben hätte. Das polit-mediale Versagen ist total. Der Ausweg für das Volk bestünde im Drücken des „Reset“-Knopfes. Alles auf Null stellen – völliger Neubeginn. Sie finden, das sei ein viel zu rigoroses Urteil? Es ist doch so: Wenn sowieso schon alles den Bach hinunter zu gehen droht, die Wirtschaft, die grundgesetzlich garantierten Rechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Wohlstand, Aktiendepots, Bankguthaben usw. – warum dann nicht sich endlich selbst eine Verfassung geben, das Parlament auflösen, die Parteien auflösen und die Republik ganz einfach verwalten, bis sich auch die Verwaltung an der „neuen Bundesrepublik und ihren neuen Regeln“ orientieren kann? Von einem toten Pferd soll man bekanntlich absteigen – und die Bundesrepublik ist ein totes Pferd.

Momentaufnahme

Im Zuge der Coronakrise offenbart sich vieles aus der jüngeren Vergangenheit als kompletter Nonsens. Fahrverbote für Dieselautos sind nur ein Beispiel. Trotz eines extrem gesunkenen Verkehrsaufkommens während des „Lockdowns“ ist am Stuttgarter Neckartor und andernorts keine Verbesserung der Luftqualität meßbar. Was vorher ganz dringend gewesen ist, das Gendern und die Rettung des Weltklimas zum Beispiel, spielt auf einmal keine Rolle mehr. Als ob die Wichtigkeit der jeweiligen Themen davon abhinge, von welchen anderen Themen sie überlagert werden. Selbst wenn die Coronakrise hauptsächlich eine wäre, die ihrer Gefährlichkeit nach nur in der Vorstellung der meisten Menschen existiert, nicht aber real, würde sie noch immer dazu taugen, die Irrelevanz der vorherigen Dekadenzpolitik schonungslos offenzulegen. Die Politik der vergangenen Jahrzehnte fußte zu einem großen Teil auf kollektiver Bewußtseinsbildung, auf Indoktrination, betrieben nach dem Motto: Wenn wir kein Problem haben, dann schaffen wir uns eben eines, das wir dann „lösen“ können. Deswegen kann diese Coronakrise auch nicht isoliert betrachtet werden, sondern sie muß im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen, der kulturellen, der finanziellen, der politischen, der demokratischen und der rechtsstaatlichen Krise untersucht werden, zu der sie lediglich hinzugekommen ist – und die man anhand der Frage „cui bono?“ (Wem nützt es?) durchaus auch als die Lösung ansehen könnte, die der polit-mediale Komplex zur Lösung der anderen Krisen als diejenige identifiziert hat, die seinen eigenen Interessen am ehesten entspricht. Das Virus wird in nicht allzu ferner Zukunft an allem schuld gewesen sein. Diese These gälte es näher zu untersuchen.

Zweifelsfrei steht fest, daß sich die Energiewende als ein gigantischer Flop herausstellt. Zweifelsfrei steht fest, daß die EU sich (nicht nur) in der Coronakrise als völlig überflüssig erwiesen hat. Zweifelsfrei steht fest, daß Neugeborene noch immer entweder als Jungen oder als Mädchen zur Welt kommen. Und zweifelsfrei steht fest, daß für die polit-mediale Klasse jede Korrektur in der jeweiligen Sache an sich desaströs wäre, weil sie mit dem Eingeständnis des vorherigen Eigenversagens einherginge. Sollte sich nun noch herausstellen, daß die Beschneidung der grundgesetzlich garantierten Freiheitsrechte das Resultat völligen Regierungsversagens gewesen ist – und nicht der tatsächlichen Gefährlichkeit einer Pandemie geschuldet war – , dann stünde wohl endgültig der Aufstand des Souveräns gegen seine inkompetenten Vertreter im Raum. Das heißt: Selbst wenn die Coronakrise ihrer Gefährlichkeit nach mehr eine Medien- und Politpandemie gewesen wäre, als eine real existierende Gefahr für Leib und Leben des größten Teils der betroffenen Völker, dann müsste seitens des polit-medialen Komplexes alles unternommen werden, damit sich diese Erkenntnis nicht flächendeckend Bahn bricht. Es würde verdammt eng werden für die Herrschaften aus Politik und Medien-Mainstream.

Was bleibt also noch, wenn der Rückzug versperrt ist? Die Flucht nach vorne, begleitet von der Sehnsucht, sich nie wieder in eine solch prekäre Situation bringen zu lassen. Der Souverän, dem man eigentlich Rede und Antwort zu stehen hätte, das Volk, dem man eigentlich verpflichtet wäre, ist zu einer Gefahr für das eigene Wohlleben an den Futtertrögen der Macht geworden. Man muß es sich unterwerfen, ohne daß es bemerkt, wie es gerade unterworfen wird. Öffentliche Überlegungen dazu, wie man wohl den „Lockdown“ wieder lockern könnte, um dem Volk „die Freiheit wieder zurückzugeben“, und diese öffentlich angestellten Überlegungen dabei an Bedingungen zu knüpfen, die für sich genommen eine neue Art der Freiheitsbeschränkung wären, darf man getrost in der Rubrik Bauernschläue abheften.

Wem gehört mein Leben?

Es ist meines. Ohne Wenn und Aber. Ob mit oder ohne Virus. Der unglaublichen Kompetenzanmaßung der Politik, die quasi polizeistaatliche Methoden auffährt, um das je eigene Leben der Bürger „zu schützen“, wohnt die völlig realitätsferne Unterstellung inne, daß der Bürger unmöglich daran interessiert sein könnte – und daher auch unfähig sein muß, sein Leben selbst zu schützen. Tatsache ist aber, daß auch ohne die Kompetenzanmaßung der Regierung niemand sterben will. Der „Lockdown“ ist nichts weiter als der vorläufige Gipfel eines grundsätzlichen Mißverständnisses, das hinsichtlich des Verhältnisses von Staat und Bürgern in den vergangenen Jahrzehnten gehätschelt worden ist, um nicht zu sagen, es sei „kultiviert“ worden. Eine absolute Dreckskultur wäre das. Der „Lockdown“ ist nichts weiter, als die Steigerung des Bußgeldbescheides für unangeschnalltes Autofahren ins Apokalyptische. Der „Lockdown“ ist ein ins Gigantische vergrößertes Kneipen-Rauchverbot. Der „Lockdown“ ist das Gesicht, das schon lange hinter der Maske von Fürsorglichkeit steckte in einem Land (und anderen Ländern), in denen sich Politik und Medien immmer mehr zu selbsternannten Volkspädagogen aufgespielt haben, zu Bevormundern, die behaupteten, es stünde in ihrer Macht, die „die Menschen“ vor allen Gefahren und Risiken des Lebens als solchem zu beschützen. Worüber der Souverän schleichend zu ihrem Mündel mutierte. Und was war wirklich ihr Herrschaftsinstrument? – Die Angst! Je größer die Angst vor allem möglichen, desto scheinplausibler die totalitären Anmaßungen der selbsternannten Beschützer der Ängstlichen. Heute fressen die Deutschen ihren Zuchtmeistern vor lauter Angst aus der Hand! Und darüber werden sie selbst zu einem weiteren Instrument gegen die kleine Minderheit derjenigen, die es noch immer wagen, der Panikmache zu widerstehen.

Die Alten

Dabei zeigt ja die Coronakrise gerade, daß es oft die Alten sind, die sich gar nicht vom Staat „beschützen“ lassen wollen, sondern darauf bestehen, selbst zu entscheiden, ob sie ihre Kinder und Enkel sehen wollen oder nicht. „Wir werden entscheiden, wann es für uns richtig ist, unsere Kinder zu umarmen! Wir haben gerade festgestellt, dass wir unsere jüngste Tochter seit über einem Monat nicht umarmt haben. Es ist Zeit, das in Ordnung zu bringen! Unser Sohn Michael hat unseren Notruf gehört und gesagt: „Wir werden die Restriktionen selbst lockern. Wir werden für uns selbst Verantwortung tragen. Wir werden kommen und euch besuchen, und wenn wir das Gefühl haben, dass die richtige Zeit gekommen ist, dann werden wir uns umarmen. Wir werden nicht auf die offizielle Genehmigung warten, das zu tun! Wir werden keine Allergie gegen Umarmungen entwickeln!“. Das waren die angenehmsten Worte, die wir seit langem gehört haben. Wussten Sie, dass nicht nur Babys und Kleinkinder Berührungen brauchen, sondern auch alte Menschen?„, ist bei „pina“ zu lesen. Prof. Haim Omer und Dr. Rina Omer haben es so aufgeschrieben. Beide sind klinische Psychologen. Rührend war auch die Meldung von der 101-Jährigen in Braunschweig, die mit ihrem Rollator durch einen Notausgang aus dem Heim „ausgebüxt“ ist, um endlich wieder einmal ihre 72-jährige Tochter zu sehen. 101 Jahre alt und von Staats wegen eingesperrt? – Was für ein Verbrechen gegen Selbstbestimmung und Menschenwürde. Einen 101-Jährigen kann man schon dadurch zutiefst mißachten, daß man ihm sagt, er solle einfach den „Lockdown“ abwarten. Jemand, der 101 Jahre alt ist, hat keine Zeit mehr, um zu warten. Wie lange lebt der Mensch?

Die Regierung

Das englische Wort für Regierung ist „government“. Darin stecken das lateinische Verb „gubernare“ und das Substantiv „mens“. Zusammengesetzt ergeben sie sinngemäß die Bedeutung von „Den Geist kontrollieren“. Und genau das ist es, was diese Regierung mitsamt ihren Hofberichterstattern in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend getan hat: Sie hat Bewußtseinsbildung betrieben. Im April 2020 wissen alle, was das „richtige Bewußtsein“ zu sein hat. Wenig schmeichelhaft: Im April 1941 war´s auch nicht anders. Und schon kollabiert die nächste Illusion. Gerade die staatfetischistischen Gutmenschen von evangelisch über rot nach grün, genau diejenigen, die sich jeweils als den personifizierten Antifaschismus zu begreifen angewöhnt haben, weil er ach-so-kleidsam ist, sind zugleich oft derartig vom eigenen Gutsein besoffene Intellektpfeifen, daß sie es auch noch geschafft haben, sich einzureden, ausgerechnet sie hätten „aus der Geschichte gelernt“. Ein Wahnsinn mit diesen „Bedfordgöringstrohmeckardteskenschen“!

Die Frau Merkel zählt auch zu dieser von sich selbst besoffenen Spezies der absolut selbstgerechten Hypermoralisten. Alle miteinander versuchen sie recht zivilreligiös, ihre Vorstellungen vom Himmelreich auf Erden anzupreisen wie Sauerbier. Und wer´s nicht kaufen will, der ist ein ganz-ganz Böser. Ein Unmensch direkt, nicht mehr weit entfernt vom alten „Untermenschen“. Der freiheitlich-demokratische Rechtsstaat ist diesen Individuen nicht mehr, als ein zu optimierendes Instrument zur flächendeckenden Durchsetzung ihrer wahnsinnigen Überzeugungen von den „die Menschen“ auf des lieben Gottes schöner Welt, der ganzen. Es gibt keine Eimer, die groß genug wären, um zu verhindern, daß man seine Verachtung für sie nicht auf den Teppich kotzt. Achsengespiegelte Faschisten sind das, Minusfaschisten, die sich lieber für Antifaschisten halten wollen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Und was das zivilgläubige Volk betrifft, so hat es Henryk M. Broder perfekt auf den Punkt gebracht: „Wenn ihr euch irgendwann wieder einmal fragt, wie es so weit kommen konnte, dann ist die Antwort die: Weil sie damals so waren, wie ihr heute seid!„. Und da paßt ein Maaßen-Zitat gleich hinterher: „Wir Bürger sollten uns täglich daran erinnern, daß die Politiker nur unsere Angestellten und nicht unsere Erzieher sind.“ Fiktives Hitler-Zitat (wenn´s nicht fiktiv von Merkel oder Habeck wär´): „Broder und Maaßen – abführen!

Noch ein lieber Gott: Der Onkel Doktor

Der nächste und letzte Punkt ist: Seit die aufgeklärten Superschlaubis in ihrer ganzen Weisheit so clever geworden sind, das ewige Leben nach dem Tod als albernen Kokolores zu identifizieren, schlottern ihnen die Knie vor dem großen Nichts, in dem sie verschwinden werden, wenn ihnen der gefährliche Covid den Garaus gemacht hat. Da ist nur allzu logisch, daß der Arzt, der Virologe und der Wissenschaftler generell allmählich ihren Menschenstatus verlieren und zu Gottheiten werden, an deren Lippen der Aufgeklärte hängt wie vormals der Jünger beim Abendmahl an denen des Herrn. Sind es doch heute der Arzt und der Wissenschaftler, die dem irdisch-verzagten Hosenscheißer das ewige Leben versprechen, wenn er nur dieses tut und jenes läßt. Die Befreiung vom Kokolores führte den heutigen Superschlaubi direkt ins Gefängnis der großen Todesangst.

War das Leben früher wie eine offene Passage durch die Zeit auf Erden, so sieht diese vormals offene Passage heute eher nach einer zugemauerten Sackgasse aus. Mit einem Wegweiser an der Zufahrt: Ihr Weg in die Sackgasse. Folgen Sie dem Pfeil. Kaum stecken alle in der Sackgasse fest, wird sie an der Einfahrt abgeriegelt, Leute erscheinen auf den Dächern der abgesperrten Häuserschlucht. Mit dem Megaphon in Händen brüllen sie nun auf die Angestauten die unmöglichsten Geschichten von der Angst herunter. Eine Horrorstory jagt die nächste. Und alle sind sie global, schlecht greifbar, aber lang diskutabel: Das Ozonloch, das Weltklima, der Feinstaub – und endlich das Virus.

Alles, alles wird er sich bieten lassen, der Souverän, so es nur ein noch ein Quäntchen Hoffnung für ihn gibt, daß er nicht STÄRBÄN muß. Und absolut zum Davonlaufen ist, daß er sich trotzdem noch vorkommt wie der Klügste seit Menschengedenken. Seine Meinung, seine Perspektiven, seine Standpunkte, seine Nasenspitze – der Nabel seiner Welt. Absolute Kulturdegeneration sieht genau so aus. Fahrradhelmchen auf zum Gebet!

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