Corona als Segen: Weniger Sexualdelikte dank Shutdown?

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Vergewaltigung (Symbolbild: shutterstock.com/Von Tinnakorn jorruang)

Berlin – Corona wirkt Wunder: Auch Frauen können nun sich nun sicherer in der Öffentlichkeit bewegen. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) erwartet „keine Zunahme von Gewalttaten in Öffentlichkeit“ – und damit eine Trendwende bei der zuletzt stark angestiegenen Sexualkriminalität. Sollen hier Argumente für die positiven Effekte des Ausnahmezustands geliefert werden?

Daniel Kretzschmar, Vorsitzender des BDK-Landesverbands Berlin, erklärte gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung„, eine objektive Zunahme von überfallartigen Sexualstraftaten im öffentlichen Raum würde er „nicht prognostizieren“, auch weil „durch die Ausgangsbeschränkungen die Kontrollmaßnahmen der Polizei an genau diesen Stellen stark zugenommen“ hätten und somit das Entdeckungsrisiko für Gewalttäter „insgesamt gerade sehr hoch ist“. Er könne jedoch die Sorgen von Frauen verstehen, die „leere Straßen nicht gewohnt“ seien. Wichtig sei jetzt, dass Frauen „nicht ihr selbstbewusstes Auftreten verlieren“, so Kretzschmar laut „dts Nachrichtenagentur“.

Soll dies etwa heißen, dass es erst der Kontaktbeschränkungen und der mit ihnen einhergehenden strikten Polizeikontrollen bedurfte, um einen wirksamen Schutz weiblicher Passanten vor sexuellen Übergriffen zumindest halbwegs zu gewährleisten? Anscheinend traut der BDK-Landesvorsitzende dem Frieden auch bei erhöhter Polizeipräsenz nicht so recht; er empfiehlt den Frauen dennoch „Handlungsstrategien für einen Ernstfall, sei er noch so unwahrscheinlich“, sagte Kretzschmar.

Banale Handlungsanleitungen

Dazu könne gehören, in brenzligen Situationen frühzeitig das Handy zur Hand zu haben, Familie oder Freunde anzurufen oder 110 zu wählen. „Denkbar ist auch, sich zu nahe gelegenen Wohnhäusern zu begeben und im Zweifel einfach irgendwo zu klingeln und um Hilfe zu bitten, wenn sonst niemand in Sicht ist“. Welch weise Ratschläge, auf die wohl keine je in Bedrängnis geratene Frau je von selbst gekommen wäre…

Allerdings wies der Kriminalist auch darauf hin, dass die allermeisten Sexualstraftaten Beziehungstaten seien und nicht auf der Straße oder im Park geschehen. Auf eine Zunahme dieser häuslichen Delikte habe der BDK bereits „frühzeitig hingewiesen, weil dazu Daten aus anderen Ländern vorliegen, deren Pandemiebekämpfung zu einem früheren Zeitpunkt zu Beschränkungen des Ausgangs geführt hat“. Derartige Daten zur Zunahme öffentlicher Sexualdelikte seien ihm „bislang nicht bekannt geworden“. Das könnte sich bald wieder ändern – mit oder ohne Lockdown-Verlängerung: Entweder steigt der Frust durch die Verlängerung der Kontaktsperren – oder es erfolgt die allmähliche Rückkehr zu den Verhältnissen vor der Krise… (DM)

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