Söder und die Dauerkrise: Jetzt wackelt schon die Wiesn

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Foto: Von Takashi Images/Shutterstock

Markus Söder scheint seine Rolle als drakonischster Krisenmanager der Republik zu Kopf zu steigen – und er plant offenbar in längerfristigen Zeitskalen: Gestern setzte er bereits hinter das diesjährige Oktoberfest ein dickes Fragezeichen und orakelte, dieses könne „nur unter völlig anderen Voraussetzungen“ als gewohnt stattfinden. Weiß die Politik über Corona etwa mehr, als sie den Bürgern preisgibt – oder soll der Ausnahmezustand zur Norm werden?

Während ganz Deutschland insgeheim auf die Zeit nach Ostern hofft und sehnlichst kleinste Lockerungen aus dem Shutdown erwartet, scheinen Deutschlands Spitzenpolitiker in völlig anderen Zeitskalen zu denken – und langfristig am Ausnahmezustand festhalten zu wollen. Vor allem Saarland-Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und Bayerns Markus Söder (CSU) tun sich seit Wochen als oberste Bremsklötze und Erwartungsdämpfer hervor, wenn es um die Frage nach Erleichterung und Rücknahme einzelner Maßnahmen geht. Beide nennen keinerlei angestrebte konkrete Zwischenetappen, bei deren Erreichen Änderungen vorgenommen werden, sondern betonen stets mantraartig, man stehe „ganz am Anfang“ der Epidemie.

Da verwundert es kaum, dass Söder gestern sogar dem bayerischen Festivitäts-Mekka schlechthin, dem Oktoberfest, einen präventiven Riegel vorschob. Während ein Großteil der Deutschen zuversichtlich hofft, dass im Sommer oder spätestens Herbst der Corona-Spuk vorüber sein wird – entweder, weil sich bis dahin mit etwas Glück doch schon ein Medikament oder gar Impfstoff findet, oder aber weil kontrolliert große Teile der Bevölkerung bis dahin infiziert haben – zerschmettert Söder alle Hoffnungen auf Rückkehr der Normalität bis dahin.

Fünf Monate sind eine Ewigkeit – doch nicht für Söder

Obwohl die Wiesn erst in über fünf Monaten starten, steht der Ober-Bayer der Durchführung des diesjährigen Oktoberfestes in München skeptisch gegenüber: „Da Reisen und Grenzöffnungen ja sehr unwahrscheinlich sein werden, ist das eine andere Situation. Die Wiesn ist das internationalste Fest, in dem die halbe Welt zu Besuch kommt“, so Söder laut „dts Nachrichtenagentur“. Deswegen könne sie – wenn überhaupt, dann nur unter „völlig anderen Voraussetzungen“ stattfinden, so der bayerische Ministerpräsident weiter. Er wolle im Juni eine Entscheidung treffen.

Auch wenn es in absehbarer Zeit womöglich zu einigen Lockerungen kommen dürfte: Die Frage ist, ob die duld- und folgsame Bevölkerung willens ist, weiterhin gültige empfindliche Beschränkungen über Monate noch widerstandslos zu ertragen – wenn sie nämlich zu der Überzeugung kommt, dass die Politik keinen nachvollziehbaren Plan hat und keine zielführende Strategie verfolgt. Die Abwürgung jeder Lebensfreude wird auch Söder in Bayern früher oder später Sympathien kosten. (DM)

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