Stress bei Christen und Muslimen in Zeiten von Corona

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Foto: Von Freedom Studio/Shutterstock

Freiburg – Auch die gläubigen Menschen leiden unter der Ausnahmesituation: Der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi zum Beispiel warnt jetzt vor dem Fasten während der Corona-Pandemie und fordert eine Verschiebung des Ramadan. „Es sollte während der Corona-Pandemie keinen Ramadan geben. Das Fasten kann später nachgeholt werden“, sagte Ourghi, der den Fachbereich Islamische Theologie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg leitet, der „Welt“ (Mittwochsausgabe).

Der Ramadan könne „jetzt sehr gefährlich werden“. Die Corona-Pandemie könne einen Einfluss auf die Gesundheit der Fastenden haben und sie schwächen. Der Islamwissenschaftler begründete den Vorschlag theologisch mit einem religiösen Grundsatz, der in allen muslimischen Rechtsschulen gelte: „Der Schutz vor dem gesundheitlichen Schaden ist eine kollektive Pflicht, bevor der Schaden passiert“, sagte er.

Führende Funktionäre der islamischen Dachverbände widersprechen Ourghis Überlegungen zum Fasten im Ramadan. „Warum die Coronakrise eine Verschiebung des Fastens von gesunden Menschen begründen soll, ist unverständlich“, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, der Zeitung. Das Fasten gelte nur für gesunde Menschen.

„Die Unversehrtheit des Körpers ist auch hier eine religiöse Verpflichtung und steht über dem Gebot des Fastens“, so der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime weiter. „Sofern die Menschen gesund sind, spricht nichts dagegen, dass sie im Ramadan fasten“, sagte Burhan Kesici, Vorsitzender des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland, der „Welt“. Das Fasten sei für gesunde Menschen nicht schädlich.

„Es gibt keine theologische Rechtfertigung für eine Verschiebung des Fastens“, so der Islamratsvorsitzende weiter. Die Islamverbände gehen davon aus, dass die Kontaktbeschränkungen über den Beginn des Ramadan am 23. April hinaus verlängert werden. „Die Muslime werden auch während des Ramadan die Kontaktbeschränkungen einhalten und sich an die Regeln der Corona-Verordnungen halten“, sagte Kesici. Der Verband plant, Koranlesungen und Predigten zum Ramadan auf Youtube zu veröffentlichen, und will alle Veranstaltungen zu Beginn des Fastenmonats online durchführen.

Auch der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, hat die Gemeinden davor gewarnt, trotz der staatlich verordneten Corona-Restriktionen zu öffentlichen Gottesdiensten mit Austeilung der Kommunion einzuladen. „Wir haben das von einem Staatskirchenrechtler prüfen lassen und haben das juristische Ergebnis bekommen, dass die kommunalpolitisch Verantwortlichen solche Entscheidungen treffen können, dass das rechtsstaatlich ist und dass wir uns als Kirche dagegen nicht wehren können“, sagte Woelki der „Bild-Zeitung“ (Mittwochsausgabe) zu den Klagen einzelner Gemeinden gegen das Gottesdienstverbot. Der Kardinal äußerte die Sorge, dass bei Verstößen gegen die Auflagen „die kommunalen Verantwortlichen die jetzt noch offenen Kirchen schließen“.

Er machte deutlich, wie sehr es ihn persönlich schmerzt, dass es erstmals in der christlichen Geschichte Deutschlands keine Gottesdienste zu Ostern gibt: „Das ist etwas, das wir uns nie haben vorstellen können“, so der Kölner Erzbischof. Man habe eine „hohe Verantwortung für das Leben der Menschen und eine hohe gesellschaftliche Verantwortung. Wir wollen dazu beitragen, dass Menschen nicht erkranken“, sagte Woelki der „Bild-Zeitung“.

Taufen und kirchliche Trauungen seien im Erzbistum Köln ebenso ausgesetzt wie Firmungen. Beerdigungen finden statt, aber nur im Kreis ganz weniger Angehöriger. Die entsprechenden Gottesdienste sollen nach Überwindung der Corona-Epidemie nachgeholt werden.

Beichten können unter Wahrung der Abstandsregeln abgenommen werden. Im Einzelfall könne dabei auch die Kommunion gereicht werden.

Beten wir alle zu Gott, dass dieser Wahnsinn so schnell wie möglich ein Ende findet. (Quelle: dts)