150 Migranten aus „Seenot“ gerettet: Pickup-Service läuft trotz Corona-Krise

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Alan Kurdi im Mittelmeer (Foto:Imago/ZUMA)

Na sowas: Kaum sticht das deutsche Schlepperschiff „Alan Kurdi“ in See –  mitten in Corona-Zeiten, wo globale Reisewarnungen gelten und fast alle Welt mit häuslicher Quarantäne oder Ausgangsbeschränkungen konfrontiert ist -, da trifft es auch prompt auf zwei Holzboote mit 150 Migranten, die gleich „gerettet“ werden. Einen schlagenderen Beweis für den organisierten Shuttlebetrieb auf dem Mittelmeer könnte es kaum geben.

Denn zu einer Zeit, da alle Fluchtbewegungen ruhen und auch die meisten Fluchthelfer zur Untätigkeit verdammt sind, riskiert wohl kein Migrant sein Leben auf dem offenen Meer – es sei denn, er weiß, wann wo ein Schiff aufkreuzt. Wie der Zufall so spielt, war die „Alan Kurdi“ der deutschen Organisation „Sea-Eye“ denn auch tatsächlich das einzige Schiff, das gestern im Mittelmeer unterwegs war. Angeblich hatte die Hilfsorganisation „Alarm Phone“ die Crew über das Boot in Seenot informiert.

Sea-Eye teilte mit, dass zuvor eine „erste Rettungsaktion“ von einem weiteren Boot mit libyscher Flagge gestört worden sei, das zur Warnung Schüsse in die Luft abgegeben hatte. Einzelne Menschen seien deshalb von Bord des Holzbootes gesprungen. Fotos der Organisation zeigen mehrere Personen im Wasser. Kurz darauf, so Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler gegenüber der „FAZ„, habe sich die Situation jedoch „entspannt“ Alle 150 „Flüchtlinge“ wurden von der „Alan Kurdi“ in internationalen Gewässern aufgenommen.

Was sonst: Deutschland als „sicherer Hafen“

Jetzt soll natürlich Deutschland wieder herhalten –  und die Geretteten aufnehmen. „Wir brauchen dringend einen sicheren Hafen“, sagte Isler – doch den gibt es wegen der Corona-Ausnahmesituation nicht. „Unser Flaggenstaat wird uns hier unterstützen müssen“, so der Sprecher – also Deutschland, unter dessen Flagge die „Alan Kurdi“ fährt. Italien steckt alle ankommenden Migranten nach Anlandung in eine zweiwöchige Quarantäne und untersucht sie auf Covid-19-Symptome.

Laut „Sea-Eye“ soll keiner der aufgegabelten Migranten Corona-Symptome aufweisen, allerdings kann man an Bord mangels Testequipment auch nicht auf die Infektion testen; auch sei keine zusätzliche Schutzausrüstung vorhanden. Kranke Menschen müssten deshalb von Bord gebracht werden. Wie praktisch: So wird das Virus gleich zum Ticket für die Aufnahme in Europa. (DM)