Coronakrise: Sommerurlaub fällt wohl ins Wasser

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Foto: Umgekippter Strandkorb (über dts Nachrichtenagentur)

Berlin – Schlechte Nachrichten für alle, die dieses Jahr ihren wohlverdienten Sommerurlaub genießen wollen. Noch schlechtere Nachrichten für diejenigen, die mit dem Urlaub der anderen Geld verdienen müssen, um über die Runden zu kommen:

In der Coronakrise rechnet der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, nämlich mit massiven Einschränkungen beim Sommerurlaub. „Ich glaube nicht, dass die Deutschen in diesem Sommer schon wieder Urlaubsreisen machen können“, sagte Reinhardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochsausgaben). Selbst wenn Deutschland jetzt anfange, schrittweise wieder in den Alltag zurückzukehren, werde die Pandemie das Land noch bis zum Sommer beschäftigen.

„Darum glaube ich, dieser Sommer wird anders. Wir werden wohl nicht wie gewohnt ins Auto, in den Zug oder ins Flugzeug steigen und in die Ferien fahren“, so der Ärztepräsident weiter. Umgekehrt würden auch Urlaubsländer wie Italien oder Spanien die Lage noch nicht soweit gelöst haben, dass Tourismus wieder möglich sei.

„Ich hoffe aber sehr, dass wir das in Teilen in den Herbstferien machen können – und erst recht im kommenden Jahr“, sagte Reinhardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Keiner kann erklären, warum es nicht möglich ist, dass  zum Beispiel eine Familie Urlaub in einer Ferienwohnung machen oder in die Berge bzw. ans Meer fahren darf, wenn auch dort die Abstandsregelung eingehalten wird. Hier werden rücksichtslos massenweise Existenzen vernichtet.

Hier weitere Meldungen zu diesem Thema:

Zahl der aktiven Corona-Infektionen stagniert

Die Zahl der aktiven Corona-Infektionen in Deutschland tritt auf der Stelle. Nach Berechnungen der dts Nachrichtenagentur gab es am Dienstagabend in Deutschland 61.370 aktive Infektionen mit Nachweis, zwei Prozent weniger als am Vortag. Zwar stieg die Gesamtzahl der Coronavirus-Infektionen bis Dienstagabend um rund vier Prozent oder rund 4.000 Fälle auf 107.091, die Zahl der Genesenen legte aber gegenüber dem Vortag um 13 Prozent oder 5.088 Fälle auf 43.757 zu.

1.965 Menschen starben bis Dienstagabend mit einer nachgewiesenen Coronavirus-Infektion, davon 193 innerhalb der letzten 24 Stunden. Auch die Todesfälle drücken die Zahl der aktiven Infektionen nach unten. Die Daten basieren auf einer direkten Abfrage bei den 401 Städten und Landkreisen und weichen daher von denen des Robert-Koch-Instituts ab, welches die amtliche Datenübertragung der Kommunen abwartet.

Foodwatch-Chef fürchtet Ernährungsarmut durch Coronakrise

Die Verbraucherorganisation Foodwatch warnt vor einer Mangelernährung in einkommensschwachen Haushalten durch die Corona-Pandemie. „Die Coronakrise droht zu einem Programm für Ernährungsarmut zu werden“, sagte der Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochsausgaben). Schlimmstenfalls könnten sich „mehrere Millionen Menschen in Deutschland eine ausgewogene Ernährung nicht mehr leisten. Manche nicht mal mehr eine ausreichende“. Konkret forderte der Foodwatch-Geschäftsführer schnelle und unbürokratische Hilfen, damit alle Menschen zumindest die Möglichkeiten hätten, sich ausgewogen und ausreichend zu ernähren. Zudem sollte die Bundesregierung eine Koordinierungsstelle einrichten, „die feststellt, wo wirklich Not herrscht und es am Nötigsten fehlt – und dort gezielt hilft“.

Die Bundesregierung habe in der Coronakrise viele Hilfsmaßnahmen gestartet, „aber ausgerechnet an die Schwächsten unserer Gesellschaft nicht gedacht“, kritisierte der Verbraucherschützer. Der milliardenschwere Rettungsschirm lasse „Einkommensschwache im Regen stehen“. Besonders betroffen seien Einkommensschwache, Obdachlose oder Familien und Rentner, die schon vor der Krise darauf angewiesen waren, kostenloses Essen bei Mittagstischen oder bei den Tafeln zu bekommen, so Rücker weiter.

Viele dieser Einrichtungen seien jetzt geschlossen. Dass Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) diesen Menschen nun nicht helfen, sei inakzeptabel. „Sie nehmen Hunger und Mangelernährung in Kauf“, so der Foodwatch-Geschäftsführer.

Wenn Einkommensschwachen die Möglichkeiten fehlten, ihre Kinder ausgewogen zu ernähren, hätten diese weniger Entwicklungs- und Bildungschancen und seien mit höherer Wahrscheinlichkeit deshalb als Erwachsene selbst armutsgefährdet. „Eine solche Armutsspirale könnte durch die Coronakrise noch verschärft werden“, sagte Rücker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Ärztepräsident will neue Sicherheitsregeln für Altenheime

Um Altenheime nicht dauerhaft zu isolieren, fordert der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, neue Regeln zum Schutz der Bewohner vor einer Infektion mit dem Coronavirus. „Wir müssen da in Zukunft größeren Aufwand treiben“, sagte Reinhardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochsausgaben). „Alle Besucher sollten Schutzkleidung tragen. Sinnvoll wäre auch eine Schleuse, in der sich Gäste desinfizieren und Schutzkleidung anlegen müssen. Erst danach sollten sie die Räume der Bewohner betreten“, so der Ärztepräsident weiter. Die zusätzlichen Hygienemaßnahmen für Besucher seien jedoch vom Pflegepersonal nicht zu leisten.

„Das wäre etwas für Freiwilligendienste“, sagte Reinhardt. Die Kosten dafür solle die öffentliche Hand tragen. Mit Blick auf die Debatte um eine Maskenpflicht als Voraussetzung für eine Lockerung der Kontaktsperren warnte der Ärztepräsident vor den Folgen für das öffentliche Leben in Deutschland: „Das darf keine Dauersituation werden. Wir sollten nicht wie in Asien vom Dreijährigen bis zum 93-Jährigen mit Masken herumlaufen. Wir sollten uns ins Gesicht schauen können und nicht ängstlich aneinander vorbeilaufen“, so Reinhardt. Wenn nötig, sei allenfalls eine kurzfristige staatliche Empfehlung zum Maskentragen in Ordnung.

Um Ärzte und Pfleger gegen das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus abzusichern, forderte der Ärztepräsident, Covid-19 als Berufskrankheit anzuerkennen: „Wenn zum Beispiel eine Ärztin oder ein Pfleger nach einer Lungenentzündung eine schwere chronische Atemwegserkrankung behält, sollte das zu einer Unterstützung durch die Berufsgenossenschaften führen“, sagte Reinhardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Eine Gefahrenzulage für Ärzte dagegen sei nicht nötig. Der Präsident der Bundesärztekammer räumte ein, dass durch die Corona-bedingte Verschiebung von planbaren Eingriffen und Untersuchungen Probleme bei der Patientenversorgung auftreten könnten: In lebensgefährliche Lagen komme deswegen niemand, es gebe aber Grenzfälle. „Im Extremfall kann es zum Beispiel sein, dass bei einer Verschiebung einer Früherkennungsuntersuchung, etwa bei Brustkrebs, sich auch die Diagnosestellung um einige Wochen verschiebt“, so Reinhardt.

Österreichs Vizekanzler verteidigt Einführung von Maskenpflicht

Österreichs Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) hat die Einführung einer umfassenden Maskenpflicht in seinem Land verteidigt. „Immer mehr Befunde und Expertisen weisen darauf hin, dass der Mund-Nasenschutz zwar nicht Trägerin oder Träger, aber durchaus die Mitmenschen schützt“, sagte Kogler der „Welt“ (Mittwochsausgabe). Der Schutz solle auch nur eine zusätzliche Maßnahme sein.

„Alle anderen wichtigen Regeln – wie das Einhalten des Mindestabstands und der Hygieneregeln – bleiben selbstverständlich aufrecht“, so der österreichische Vizekanzler weiter. Man wolle dies „vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln, in den Supermärkten und in all jenen Geschäften, die jetzt wieder behutsam geöffnet werden sollen“. Anders als Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sprach sich Kogler im Grundsatz für die Einführung von sogenannten Corona-Bonds aus: „Die Vergemeinschaftung von Schulden im Rahmen von Euro- oder Corona-Bonds kann sinnvoll sein, damit gerade Länder wie Italien, die sehr stark betroffen sind, sich zu erträglichen Zinsen finanzieren können“, sagte er.

Wichtig sei aber, dass die gemeinsame Schuldenaufnahme nicht unbegrenzt sei und dass minimale gemeinsame Regeln eingehalten werden. „Eine Bedingung wäre beispielsweise, dass Italien endlich damit beginnt, sein Bankensystem zu reformieren. Aber schneller wirken die entsprechenden Programme der Europäischen Zentralbank (EZB) und Milliardenhilfen aus einem vergrößerten europäischen Rettungsschirm (ESM)“, sagte Kogler der „Welt“.

Tausende Mieter von Vonovia fürchten Geldprobleme

Angesichts der Coronakrise haben erste 3.000 Mieter den Wohnungskonzern Vonovia um Zugeständnisse gebeten. Vonovia habe allen Mietern bereits im März geschrieben, „dass sie sich keine Sorgen machen müssen, wenn sie Mieten vorübergehend nicht vollständig zahlen können“, sagte Vorstandschef Rolf Buch der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwochsausgabe). Bis Ende voriger Woche habe das Unternehmen 3.000 Reaktionen auf dieses Schreiben erhalten.

Man wolle in solchen Fällen gemeinsam eine Lösung finden. „Auf keinen Fall werden wir Mietern kündigen, die aufgrund von Corona in Schwierigkeiten gekommen sind“, so der Vonovia-Chef weiter. Er schloss zudem Mieterhöhungen in laufenden Verträgen aus, solange die Coronakrise akut sei.

„Auch, wenn wir nun Modernisierungen abschließen, erhöhen wir die Mieten vorerst bis September nicht“, sagte Buch. Dies werde den DAX-Konzern zwar Geld kosten. „Doch glücklicherweise geben wir unsere Jahresziele immer mit einem gewissen Korridor an“, so der Vonovia-Chef weiter.

Deshalb halte man „Stand jetzt“ an der Prognose fest. Vonovia habe große Modernisierungsvorhaben wie Aufstockungen oder Fassaden-Erneuerungen vorerst gestoppt. Mit dem Neubau von Wohnungen komme das Unternehmen infolge der Corona-Pandemie langsamer voran.

Vonovia besaß Ende 2019 über 400.000 Wohnungen, die meisten davon in Deutschland. „Grundsätzlich wird es auch nach der Coronakrise eine Nachfrage nach Wohnraum in den Städten geben“, sagte Buch der „Süddeutschen Zeitung“. „Und unser Vonovia-Bestand, das sind bezahlbare Mietwohnungen. Dieses Segment wird immer gebraucht“, so der Manager.

Laschet für Öffnung kleinerer Läden bei Rückkehr zur Normalität

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, bei einer schrittweisen Rückkehr in die Normalität zunächst kleine Läden zu öffnen. „In den Bäckereien wird zum Beispiel der Mindestabstand zwischen den Kunden nach meiner Wahrnehmung fast überall eingehalten“, sagte Laschet dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwochsausgabe). Deswegen könne eine Option sein, „zunächst die kleinen Läden, in denen sich nicht viele Menschen gleichzeitig aufhalten, wieder zu öffnen“, so der CDU-Politiker weiter.

Auch für die Wiederöffnung der Gastronomie könnte ein Kriterium sein, „wie gut der Schutz der Gäste und Mitarbeiter vor Ansteckung gewährleistet werden kann“. Was die Kitas und Schulen angehe, würde optimalerweise eine bundeseinheitliche Regelung benötigt. „Es gab in der NATO mal eine Strategie, die sich `flexible response` nannte: Auch wir benötigen flexible Lösungsansätze für unterschiedliche Lagebilder statt einer Rasenmähermethode“, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Kurz verteidigt geplante Lockerung von Corona-Maßnahmen

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat die geplanten Lockerungen der Maßnahmen im Kampf gegen die Coronakrise verteidigt. „Wir haben in Österreich sehr schnell reagiert, wir haben sehr restriktiv reagiert, wir haben Schulen, Restaurants und natürlich auch Geschäfte sofort geschlossen als die Corona-Zahlen bei uns massiv gestiegen sind. Wir haben jetzt eine deutliche Verbesserung in den Zahlen zustande gebracht. Und jetzt heißt es zum einen für uns, dass wir die Möglichkeit haben, schrittweise Maßnahmen zurückzunehmen, zum anderen wissen wir aber auch, dass uns das Coronavirus noch monatelang beschäftigen wird“, sagte Kurz der RTL/n-tv-Redaktion. Man werde somit „in so etwas kommen müssen wie eine neue Normalität. Also massive Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus, Abstand halten, Tragen von Masken, geschlossene Schulen und Restaurants, aber auf der anderen Seite zumindest die Öffnung der Geschäfte, damit ein Minimum an Wirtschaftsleben parallel stattfinden kann“, so der ÖVP-Politiker weiter.

Auf die Frage, ob es für ihn so etwas wie ein Erfolgsgeheimnis gebe, antwortete er: „Ich glaube, das wichtige war, schnell zu reagieren, sehr restriktiv zu reagieren und wir haben sehr harte Ausgangsbeschränkungen.“ Die Menschen dürften in Österreich „nur auf die Straße gehen um arbeiten zu gehen, einkaufen zu gehen, andere Menschen zu unterstützen oder eben Sport zu machen oder sich die Beine zu vertreten“. Das habe „sicherlich gewirkt“.

Wichtig sei nun, „dass wir die Disziplin aufrechterhalten – die Ausgangsbeschränkungen wurden auch bis Ende April verlängert – dann trauen wir uns aus derzeitiger Sicht zu, dass wir zumindest die Geschäfte wieder öffnen können. Aber wir werden das sehr behutsam machen, nur Schritt für Schritt, und immer mit der Möglichkeit, die Notbremse zu ziehen, wenn sich die Zahlen bei uns wieder verschlechtern könnten“, so der österreichische Bundeskanzler. Auf die Frage, wie wichtig das Tragen von Schutzmasken sei, antwortete er: „Naja, wir können auch nur von anderen Staaten lernen und wir hatten sehr viel Kontakt mit den asiatischen Ländern, die schon mehr Erfahrung mit dem Coronavirus haben und die haben uns all den Tipp gegeben, dass die Maske das ist, was ihrer Meinung nach in Europa fehlt.“

Daher habe man sich entschieden, „dass wir neben dem Abstand halten auch auf das Tragen von Masken setzen wollen. Schlicht und ergreifend, weil es etwas helfen kann, aber volkswirtschaftlich keinen Schaden anrichtet“, sagte Kurz. Es sei „fremd“ und „unangenehm“. Zudem sei es etwas Neues, „was uns keine Freude bereitet, aber es richtet keinen volkswirtschaftlichen Schaden an und es kann auch nutzen um die Ausbreitung ein Stück weit zu reduzieren“, so der ÖVP-Politiker weiter. Auf die Frage, wie wichtig es für die Menschen in Österreich sei, dass es bereits wieder ein bisschen Licht am Ende des Tunnels gebe, antwortete er: „Also ich bin da nach wie vor sehr zurückhaltend und vorsichtig. Sie haben recht, die Zahlen entwickeln sich in die richtige Richtung. Wir haben eine Perspektive mal versucht zu zeichnen, weil die Menschen das auch wollen und brauchen.“ Wer wochenlang zu Hause isoliert sei, kaum soziale Kontakte habe, vielleicht sogar alleine wohne, „der muss ja wissen, wann könnte es hoffentlich besser werden. Darum war es für uns wichtig, einmal einen Plan zu machen“, so der österreichische Bundeskanzler. Auf die Frage, ob er der Ansicht sei, dass es in Österreich künftig noch Volksfeste gebe oder vollbesetzte Fußballstadien, antwortete er: „Da bin ich sehr skeptisch. Ich möchte jetzt noch keine Prognosen für das Ende des Jahres abgeben, aber wir haben jedenfalls einmal alle Veranstaltungen bis mindestens inklusive Juni verboten.“ Zudem werde man Ende April eine Entscheidung treffen, was den Sommer betriffe. „Ende April kann ich ihnen also mehr sagen. Bis Ende Juni gibt es jedenfalls in Österreich keine Veranstaltungen. Die Schule ist bis Mitte Mai geschlossen. Bei den Geschäften, da trauen wir uns jetzt die ersten Schritte der Öffnung“, sagte Kurz der RTL/n-tv-Redaktion.(Quelle: dts)