Es stimmt etwas nicht in Deutschland

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Von Zahovaev K

In den letzten Tagen gab es gerade in den Leserforen rechter oder konservativer Internetseiten einiges an Aufregung über die Entscheidung der Bundesregierung, im April und Mai jeweils 40.000 ausländische Erntehelfer einfliegen zu lassen. Völlig undifferenzierte Vergleiche zu Scheinasylanten und Messerstechern wurden gezogen.

Von Wolfgang Hübner

Die nette deutsche Verkäuferin am Spargelstand ist hingegen erleichtert: Jetzt dürfen nach anfänglichen Widerständen doch bekannt fleißige Helfer aus Osteuropa einreisen. Und die Landwirte müssen deshalb auch nicht mehr um die Einbringung der Ernte zittern.

Denn die meist polnischen und rumänischen Erntehelfer sind in der Regel weder Sozialschmarotzer noch Kriminelle. Sie wollen hier auch nicht siedeln, sondern reisen nach getaner Arbeit wieder zurück in ihre Heimat. Würden sie nicht kommen, wären nicht nur die Ernten von Spargel oder Erdbeeren gefährdet. Es käme auch zu massiven Einbrüchen in der Ernte von Salaten, Kohl, Rhabarber, Salatgurken und vielen anderen Gemüsesorten.

Ähnlich sieht es auf den Frankfurter Baustellen aus, an denen ich täglich vorbeigehe. Während sich die Straßen ansonsten in Leere zeigen, wird dort noch sichtbar im öffentlichen Raum gearbeitet. Es sind ganz überwiegend ausländische, meist aus Osteuropa stammende Männer, die dort ihrem Tagwerk nachgehen.

Ohne fleißige Ausländer geht es nicht

Bauarbeiter und Erntehelfer verrichten dabei einen harten Knochenjob. Auf den Feldern müssen letztere oft Stunden lang in gebückter Haltung arbeiten. Es gibt im Internet Berichte von Deutschen, die es mal ein paar Stunden ausprobiert haben und den ganzen nächsten Tag mit Kreuzschmerzen auf der Couch zubrachten. Ohne ausgezeichnete Fitness geht da nichts. Und das für eine im bundesdeutschen Maßstab nicht sehr hoch bezahlte Arbeit mit einem Stundenlohn von neun bis elf Euro brutto. Von diesem werden in der Regel noch die Kosten für die Unterkunft auf dem Bauernhof, Verpflegung und eventuell Anfahrt abgezogen.

Manche, die sich über die Saisonarbeiter aufregen, übersehen, dass ohne sie die Versorgung mit heimischen Nahrungsmitteln zum Teil gefährdet wäre.

Vorschläge, hiesige Asylbewerber oder Deutsche für die Arbeit auf den Feldern einzusetzen, werden die Bauern dankend ablehnen. Mit unmotivierten und verwöhnten Zwangskräften kommt die Ernte nun einmal nicht in die Scheunen. Auch wenn es einen charmanten Reiz hätte, wenn Fridays For Future-Kids zur Rettung des Klimas nach dem Abitur ein Jahr in die hiesige Landwirtschaft abgeordnet würden, statt zum Auslandssemester in die USA oder als Backpacker nach Australien zu fliegen.

Aus Neuseeland werden keine Erntehelfer zurück gebracht

Derzeit lässt das Auswärtige Amt wegen der Virus-Krise (auf Staatskosten?) nicht weniger als rund 12.000 Deutsche, darunter viele junge Leute, aus dem fernen Neuseeland zurück nach Deutschland fliegen. Denn die Neuseeländer haben jetzt andere Sorgen als die Beherbergung deutscher Touristen. 12.000 Flugpassagiere für eine Strecke von 18.364 Kilometer, das sind etwa 50 Flüge von je 20 Stunden Dauer.

Und Neuseeland ist ja nicht das einzige ferne Land auf der Erde, wo Deutsche jetzt so schnell wie möglich weg wollen. Keiner dieser Reisenden wird allerdings nach der Rückkehr auf dem Bau arbeiten, Spargel stechen oder mit dem Bauer auf dem Traktor sitzen.

Das werden auch die Heerscharen abgelehnter Sozialasylanten ebenso wenig machen wie die meisten anerkannten Asylbewerber. Denn das, so hat jüngst die ehemalige Weinkönigin als Ministerin für Landwirtschaft in Merkels Regierung vorgerechnet, würde ihre materielle Lage verschlechtern, weil das Abzüge von staatlichen Unterstützungsleistungen zur Folge hätte. Ein irres Land, die bunte Republik.

Und trotz der gigantischen Neuverschuldung wegen der Virus-Krise müssen weder Politiker um ihre Diäten, noch Ministerialdirektoren und Behördenchefs um ihre Beamtengehälter und Pensionen bangen. Die Amtskirchen erhalten trotz ängstlich verrammelter Kirchen weiterhin ihre Kirchensteuer und die Asylanwälte laufend neue Klienten. Denn auch bei geschlossenen Grenzen wird jeder aufgenommen, der das Zauberwort Asyl auswendig gelernt hat. Dass das so bleibt, darauf werden besonders manche derer genau achten, die jetzt als klimasensible Grünwähler aus Neuseeland zurückgeflogen werden.

Was machen diese übrigens, wenn sie wieder zu Hause sind? Sie bestellen im Online-Handel. Mehr Pakete denn je werden derzeit nach meinen Beobachtungen in dem Haus, in dem ich wohne, wie auch den Nachbarhäusern abgeliefert. Von wem? Die jungen Männer, die das tun, sind in großer Mehrheit Ausländer.

Dieser Beitrag erschien zuerst hier

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