UN-Bericht über afrikanische Migranten: Wer immer noch von „Flüchtlingen“ redet, hat nichts begriffen

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Übers Mittelmeer geschleppte Afrikaner (Quelle: Bundeswehr/PAO EUNAVFOR MED)

Eine unter afrikanischen Migranten in 13 EU-Staaten durchgeführte UN-Studie von Oktober 2019, die Grundlage des Berichts „Scaling Fences“ („Zäune erklimmen“) des UN-Entwicklungsprogramms UNDP ist, räumt mit fast allen gängigen Klischees und Missverständnissen über Migration aus Afrika auf. Sie zeigt, wer in Wahrheit den Weg nach Europa sucht – und aus welchen Gründen. Fazit: Von „Flüchtlingen“ braucht hier niemand mehr zu reden.

Denn tatsächlich handelt es sich bei den meisten der repräsentativ befragten 1970 Migranten aus 39 afrikanischen Ländern um überdurchschnittlich gebildete, ledige Männer im Durchschnittsalter von 24 Jahren; sie entstammen städtischen Ballungsräumen und haben im Schnitt drei Jahre länger als ihre Altersgenossen (bei der Minderheit von Frauen waren es sogar fünf Jahre) die Schule gesucht. Mit ihren Schlüsselqualifikationen könnten sie zuhause die Zukunft des Arbeitsmarktes sichern – und sind an sich unverzichtbar für den Aufbau und die Weiterentwicklung ihrer Heimatländer.

Befragt wurden lediglich solche Migranten, die „nicht wegen Krieg oder politischer Verfolgung“ nach Europa kamen und keine Möglichkeit zur legalen Einwanderung hatten, wie „Focus“ präzisiert, das über die Studie im Januar berichtete. In ihren Herkunftsländern verdienten die meisten von ihnen „konkurrenzfähige“ Gehälter, 49 Prozent der Befragten zum Zeitpunkt ihrer Abreise durchschnittlich sogar 63 Prozent mehr als der Durchschnitt ihres Herkunftslandes – und die meisten gaben an, ihr Arbeitsplatz sei „sicher und regelmäßig“ gewesen.

Es kommen vor allem die Hoffnungsträger

Dass die Betreffenden dennoch das hohe persönliche Risiko einer Flucht Richtung Norden eingehen, beweist zweierlei: Zum einen die enorme Unzufriedenheit über fehlende Aufstiegschancen in den maroden, meist korrupten und abgewirtschafteten Entwicklungsländern; zum anderen aber – mindestens ebenso gewichtig – der riesige Pull-Effekt, den Europa als „gelobtes Land“ auf die Menschen in Afrika nach wie vor ausübt.

Dass die meisten trotz ihrer Bildung und beruflichen Valenzen in Europa kaum auf den Arbeitsmärkten Fuß fassen, sofern sie ein Bleiberecht erhalten (was im Fall Deutschlands auf die meisten Afrikaner zutrifft, selbst wenn sie nicht vor Krieg und politischer Verfolgung geflohen sind und ihr Asylantrag abgelehnt wurde), liegt vor allem an den lukrativen Sozialsystemen in der EU. Sogar fürs Nichtstun, per Grundsicherung erhalten sie weit mehr, als sie zuhause verdienen würden – soviel immerhin, dass sie Geld in die Heimat schicken können.

Eben dieses Ziel, der eigenen Familie Geld nachhause zu schicken, wird in der Studie denn auch als ein Hauptgrund für die „Flucht“ genannt: 60 Prozent geben diesen Grund als wichtigstes Motiv an. Sonstige Beweggründe wie „Verwandtschaft/Freunde“, „Bildung“ (acht Prozent) oder „Persönliche Probleme/Freiheit“ fielen dagegen weit ab und wurden nur von sieben bis 18 Prozent der Befragten genannt. „Mangelnde Sicherheit“ in den Heimatländern war bezeichnederweise nur für ein ein Viertel der Zuwanderer ein Kriterium.

Geld nach Hause schicken hat oberste Priorität

Mit dieser Studie ist der Mythos der notleidenden afrikanischen „Flüchtlinge“ ein weiteres Mal fulminant entzaubert. Es handelt sich, so subjektiv nachvollziehbar die Motive im einzelnen sein mögen, um klassische Wirtschaftsmigration – der Europa einen sofortigen Riegel vorschieben müsste. Vergegenwärtigt man sich, dass von der organisierten Seenotrettung im Mittelmeer vor allem Vertreter der in der Studie befragten Zuwanderer profitieren (die aus zwar ökönomisch prekären, doch politisch halbwegs stabilen und befriedeten Entwicklungsstaaten stammen), so wird das Ausmaß des Schindluders deutlich, der mit dem politischen Kampfbegriff „Migration als Menschenrecht“ betrieben wird.

Was damit den betroffenen Ländern angetan wird, die diesen Aderlass durch Abwanderung mit einer Teufelsspirale aus Bildungsverschlechterung, sozialer Degeneration und immer größerer Abhängigkeit von Geberländern bezahlen, das haben die Fluchtlobbyisten leider nicht auf der Rechnung. So erweist sich Migration einmal mehr als Fluch – für Herkunftsländer und aufnehmende Staaten gleichermaßen. (DM)