Zweifelhafter Nutzen: Was bringt die Corona-App?

0
Soll an Ostern kommen: Die deutsche Covid-19-App (Foto:Imago/photothek)

Die geplante Corona-App, die Kontakte zu Infizierten rückwirkend und anonymisiert anzeigt, ist eine typisch deutsche Maßnahmen-Schimäre, ein Placebo, das den Anschein größtmöglicher Entschlossenheit erwecken soll, aber praktisch kaum Nutzen bringen dürfte. Die vielen Kompromisse, die hier an Datenschutz und Vertraulichkeit gemacht werden, machen das ganze Projekt entbehrlich.

Am deutlichsten wird dies bei der vorgesehenen Hauptfunktionalität, derzufolge nur „infektionsrelevante Kontakte“ von unter zwei Metern Abstand, die überdies mindestens 15 Minuten andauerten, registriert und gemeldet werden. Wer, so ist hier die Frage, kommt heutzutage, bei den gegenwärtigen Vereinzelungs- und Kontaktsperreregelungen, irgendjemandem noch näher als zwei Meter? Selbst wenn dies etwa beim Arztbesuch oder im Supermarkt der Fall wäre, dann handelt es sich um Sekundenbegegnungen – und nicht um 15-minütige Tête-à-têtes. Die App warnt daher also nur bei regelrechten „Intimkontakten“ – wie passt dies in ein Klima erhöhter Wachsamkeit, wo bereits über eine Maskentragepflichten diskutiert wird, die selbst aus einigen Metern Entfernung beim Sprechen und Atmen verbreitete Tröpfchen zurückhalten sollen?

Das soll also der große Wurf des „riesigen Teams“ aus 130 Wissenschaftlern und Technologie-Experten hinter der App sein, von der sich „inzwischen auch die Politik hat überzeugen lassen“ und die von verschiedenen Institutionen – vor allem dem Robert-Koch-Institut und dem Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut in Berlin – in Zusammenarbeit mit acht europäischen Ländern entwickelt wurde, wie „rbb24“ schwärmt?

Ebenso abstrus: Die App ist voraussichtlich erst nach Ostern verfügbar – denn noch gibt es keine fertige Tracking-App, sondern nur ein offenes technisches Konzept (PEPP-PT, steht für Pan European Privacy Protecting Proximity Tracing), das noch in der Testreife und nicht marktfähig ist.

Fauler Kompromiss zwischen Datenschutz und Eindämmungsversuchen

Dem jetzt verfolgten Lösungsansatz waren andere Ideen vorausgegangen, etwa die Auswertung von Funkzellendaten, ein Plan, den Gesundheitsminister Jens Spahn ursprünglich verfolgte. Doch diese erwiesen sich als „zu ungenau“ für den Kampf gegen Corona. Es gehe schließlich darum, „herauszufinden, ob Menschen über längere Zeit wenige Meter Abstand zueinander hatten, nicht ob sie in der gleichen Straße leben“, schreibt „netzpolitik org„.

In der Theorie soll die App so funktionieren: Nutzer laden sie sich freiwillig herunter. Sie generiert dann alle paar Minuten eine neue temporäre ID und sendet diese – womit sich keine Rückschlüsse auf die Person oder das Gerät ziehen lassen. Relevante Kontakte – sofern solche überhaupt zustandekommen, siehe oben – werden lokal auf dem Smartphone abgespeichert. Ob eine Person überhaupt Corona-positiv ist, hängt allerdings ebenfalls von deren Mitwirkung ab – sie muss erst freiwillig ihre lokal gespeicherten Daten an einen Server hochladen.

„Erst dann und nur falls die Person zustimmt“, so „netzpolitik“, erfährt der zentrale Server, mit welchen anderen temporären IDs das Handy in Kontakt war. Es hat also den Anschein, als wären hier ein wenig zuviele theoretische Idealvoraussetzungen notwendig, damit es überhaupt kritische Matches gibt – und die App damit etwas bringt… (DM)

Keine Zensur: Folgt uns auf Telegram