Schubladendenke und Kurzschlüsse: Wie der Spiegel „antimuslimische“ Gewalt erfindet

0
Der Spiegel; Foto: © jouwatch Collage

Im Jahr Zwei nach der Relotius-Affäre, in deren Folge der „Spiegel“ Besserung gelobt hatte, findet das Blatt allmählich zur alten Form zurück: Spiegel-Online schrieb, die beiden Opfer des Halle-Attentäters Stephan Balliet seien wegen „islamfeindlicher Motive“ ermordet worden – vermutlich, weil dieser nach seinem gescheiterten Synagogen-Angriff unter anderem in einer Döner-Bude scharf geschossen hatte.

Eine glatte Lüge: Tatsächlich hatte der Killer bei seinem verhinderten Massenmord frustriert die zufällig vorbeikommende Passantin Jana L. aus nächster Nähe hinterrücks erschossen; dies zeigt eindeutig die Auswertung des vom Täter selbst gefilmten Livestream-Videomaterials. Anschließend war er in einen benachbarten Dönerladen eingedrungen und hatte dort – wiederum völlig wahllos – den Kunden Kevin S. erschossen.

Beide Opfer, L. wie auch S., waren einheimische Deutsche – und weder Muslime noch hatten sie einen Migrationshintergrund. Lediglich aufgrund der Assoziation Dönerladen – Türke – Islam gelangen die Schubladendenker von „Spiegel Online“ also zu dem Kurzschluss, die Morde müssten Fälle „antimuslimischer Gewalt“ sein.

Nicht von ungefähr erschien die Darstellung in einem „Spiegel Online„-Artikel über eine Linken-Anfrage an die Bundesregierung, die den Anstieg solcher Delikte zum Gegenstand hatte. Als Aufhänger schrieb der „Spiegel“: „Die Zahl der Übergriffe auf Muslime konnte 2019 das dritte Jahr in Folge nicht gesenkt werden. Inzwischen geht die Polizei stärker gegen Rechtsextreme vor.“

Kreative Fakten-Nachbesserung

Wie Alexander Wendt in „Publico“ aufdeckt, unterließ es der Spiegel bezeichnenderweise in diesem Text, die „wenig spektakulären Zahlen aus der Antwort der Bundesregierung“ einzuordnen. Den antijüdischen Straftaten, unter denen es alleine 2019 62 hassgetriebene Gewaltdelikte gab, standen lediglich 33 solcher Gewaltdelikte gegen Muslime gegenüber.

Weil in Deutschland nun jedoch nach Schätzungen mindestens fünf Millionen Muslime leben, aber nur etwa 100 000 Juden, gab es laut Wendt 2019 „deutlich mehr gewalttätige Übergriffe auf Juden als auf Muslime in Deutschland.“ Kein Wunder, dass islamophile Medien da durch Tatsachenklitterung – wie im Fall Halle – die antimuslimische Gewaltbilanz aufzuhübschen versuchen. (DM)

Keine Zensur: Folgt uns auf Telegram