„Ich habe nicht Angst vor Covid19 – ich habe Angst vor den Menschen“

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Foto: Screenshot/Youtube

Das Corona-Virus stellt unser Gemeinwesen auf eine harte Probe. Die Antwort – so hört man aus berufenen Mündern à la Merkel und Steinmeier – sei Solidarität. Und diese sei im Übermaß in der hiesigen Gesellschaft – auch oder gerade in Zeiten von Corona – vorhanden. Die Erfahrungswelt des einfachen Bürgers sieht jedoch beängstigend anders aus.

„Ich stehe regelrecht unter Schock und der Schreck sitzt mir noch in den Gliedern“. So die Worte einer 63-jährigen Leserin, die in Zeiten von Corona die realen Auswirkungen auf diese angeblich vor Solidarität strotzende Gesellschaft zu spüren bekam. Das Szenario schildert die gelernte Krankenschwester wie folgt:

„Kartoffeln standen unter anderem auf dem Einkaufszettel meiner 90-jährigen Mutter. Aus diesem Grund nahm ich in einer Filiale der in Augsburg ansässigen Kette „Marktkauf“ einen Beutel Kartoffeln in die Hand. Aus einiger Entfernung spricht mich ein junger Mann in unüberhorbarer Lautstärke an und fragt, warum ich die Kartoffel anfassen würde. Auf das vorläufige Ignorieren meinerseits reagiert der selbsternannte Aufpasser, indem er auf mich zustürmt und sich wenige Zentimeter vor mir aufbaut. Ich solle es gefälligst bleiben lassen, die Kartoffelbeutel anzufassen. Nach meiner Aufforderung, den Mindestabstand vom 1,5 Metern zu wahren, fühlt sich ein weiterer Marktkaufkunde animiert, sich ins Geschehen einzubringen. Diese Mal handelt es sich um einen Herren in den 60ern, der die Aggressionen des Jüngeren noch bei Weitem übertrifft. Lautstark kommentiert dieser, „so etwas wie mich müsste man aus dem Laden schmeißen“. Meiner Aufforderung, seinen Ton zu mäßigen, kam er nicht nach. Verprügelt gehöre ich in seinen Augen, so die lautstark formulierte Forderungen, die von den umstehenden Kunden mit beschämtem Wegschauen quittiert wurden.

Ich verlasse in Starre den Ort des Geschehens, übermannt von einem Gefühl der totalen Entblößung und Machtlosigkeit. Noch im Markt spricht mich eine mir bekannte Kassenverkäuferin an, der ich mein gerade Erlebtes berichte. „Die Aggressivität wird von Tag zu Tag schlimmer“, so der wenig beruhigende Kommentar einer Person an der Corona-Front.

Auf wackligen Beinen mache ich mich auf den Nachhauseweg und frage mich, ob so meine zukünftigen Einkäufe aussehen werden. Einkäufe in Angst und Schrecken? Ist das die versprochene Solidarität in Zeiten von Covid-19? Ich habe keine Angst vor diesem Virus – ich habe Angst vor den Menschen.“

Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Berichten Sie uns davon! (SB)