Wenn die Angst regiert: Europäer und US-Bürger für staatliche Eingriffe in Coronakrise

0
Foto: Polizist überwacht Warteschlange vor Supermarkt (über dts Nachrichtenagentur)

Berlin – Mit verängstigten Bürgern lässt es sich bekanntlich am leichtesten regieren. Das zeigt sich jetzt auch ganz besonders in Zeiten der Coronakrise:

Die große Mehrheit der Menschen in Europa und den USA hält die Beschneidung der persönlichen Freiheiten zur Bekämpfung der Coronakrise für richtig. 85 Prozent der Befragten halten die aktuellen staatlichen Eingriffe für angemessen oder wünschen sich sogar schärfere Beschränkungen, wie aus einer Yougov-Umfrage im Auftrag der „Welt“ in acht europäischen Ländern und den USA hervorgeht. Auch in Deutschland sind demnach 85 Prozent dafür, in Italien und in Frankreich sogar 90 Prozent, in Spanien 92 Prozent.

In Großbritannien sind es 87 Prozent, in den USA und Polen je 75 Prozent, in der Schweiz sind es 66 Prozent. 51 Prozent der Menschen in den neun Ländern gaben an, sie fürchteten den Tod von Angehörigen, 49 Prozent fürchten eine eigene Erkrankung. Hier haben Länder, die stark betroffen sind wie Italien, Spanien oder Frankreich ähnliche Werte wie Deutschland, das bisher von schweren Folgen verschont blieb.

Die Angst vor Einkommensverlust, Arbeitslosigkeit oder Insolvenz nennen in Deutschland und Frankreich ein Viertel der Befragten. In Italien und Spanien, wo die Erinnerung an die schwere Rezession im Zuge der Euro-Krise noch frisch ist, sorgen sich mehr als 40 Prozent vor diesen Folgen. Angst vor einer Verlängerung der Reise- oder Ausgangsbeschränkungen nennen nur wenige Menschen.

Am höchsten liegt dieser Wert noch in Deutschland, mit 21 Prozent der Befragten. Die Umfrage unter insgesamt 11.000 Befragten in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien, Polen, Belgien, Schweiz und den USA fand zwischen dem 24. und dem 30. März statt.

Aber auch die von linken und grünen Kräften ideologisch bedingte angetriebene Globalisierung hat einen Kratzer abgekriegt:

In der Coronakrise blicken die meisten Menschen in Europa und den USA jetzt nämlich ziemlich skeptisch auf die Globalisierung. Um ähnliche Krisen in der Zukunft zu vermeiden, sprechen sich 43 Prozent der Befragten für eine Reduzierung des Grads der Globalisierung bei Handel und Reisen aus, wie aus einer Yougov-Umfrage im Auftrag der „Welt“ in acht europäischen Ländern und den USA hervorgeht. Nur 34 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Beibehaltung oder eine Vergrößerung des Grads der Globalisierung aus.

In Deutschland sprechen sich 43 Prozent der Menschen für weniger Globalisierung aus, 39 Prozent sind für die Beibehaltung auf aktuellem Niveau oder eine noch stärkere weltweite Verzahnung. Mit Abstand am größten ist die Skepsis in Frankreich. Hier sprechen sich 65 Prozent der Menschen dafür aus, den Grad der weltweiten Vernetzung zu verringern.

Mit 20 Prozent ist der Anteil der Befürworter so klein wie in keinem anderen befragten Land. Zugleich spricht sich die klare Mehrheit der Befragten für mehr europäische Zusammenarbeit in der Krise aus. In Spanien liegt dieser Anteil bei 84 Prozent, in Italien bei 74 Prozent, in Polen sind es 75 Prozent.

In Deutschland hingegen liegt der Anteil der Menschen, die für mehr europäische Kooperation plädieren, nur bei 60 Prozent. In Frankreich sind es nur 61 Prozent. Die Umfrage unter insgesamt 11.000 Befragten in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien, Polen, Belgien, Schweiz und den USA fand zwischen dem 24. und dem 30. März statt. (Quelle: dts)