USA & China: Verbale Eskalation kontraproduktiv?

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USA & China: Verbale Eskalation kontraproduktiv?; Foto: © jouwatch Collage
USA & China: Verbale Eskalation kontraproduktiv?; Foto: © jouwatch Collage

Daß US-Präsident Trump bis in die letzte Nervenzelle anders gestrickt ist, als ein chinesischer KP-Funktionär, ist eine Binsenweisheit. Seine Verachtung gegenüber dem kommunistischen Regime in Peking kann er nur mühsam im Zaum halten und sprach deshalb bisweilen vom „chinesischen Virus“, wenn es um Covid 19 ging. Das führte nicht gerade zur Verbesserung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen, weshalb es innerhalb der USA Stimmen gibt, die Donald Trump zur Mäßigung mahnen. Die USA haben nämlich eine Milliarde Atemschutzmasken in China bestellt.

von Max Erdinger

Reuters berichtet hier über die Sorgen, die im Gefolge der Coronakrise wegen der chinesisch-amerikanischen Beziehungen bestehen. Selbst in Trumps näherer Umgebung fürchtet man negative Reaktionen aus Peking auf manche Äußerung des US-Präsidenten. Donald Trump hatte wiederholt das chinesische Krisenmanagement scharf kritisiert und dabei von Verschleierung und Halbwahrheiten gesprochen. US-Außenminister Mike Pompeo stieß in dasselbe Horn, als er von einer absichtlichen Desinformationskampagne der chinesischen Führung sprach.

Eine Verhärtung der Fronten in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen sei aber das letzte, was die USA gebrauchen können zu einer Zeit, in der es auf Kooperation zur Bewältigung der Krise und ihrer Folgen ankommt, meinen „Experten“ (Zitat Reuters). Auch bestehe Gefahr für das mühsam zustande gebrachte Handelsabkommen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Der Handelsberater des Weißen Hauses, Peter Navarro, bastelt derweilen an einem Dekret unter dem Arbeitstitel „Buy America“(kauft amerikanisch), mit dem Ziel, die amerikanische Abhängigkeit von Lieferungen phamazeutischen und medizinischen Gütern aus China zu verringern. Das ist in der momentanen Lage etwas ungünstig, da die USA gerade eine Milliarde Atemschutzmasken in China bestellt haben. Langfristig betrachtet, ist diese Strategie aber das einzig Wahre. Wenn die Coronakrise etwas überdeutlich aufgezeigt hat, dann ist es die politische Fesselung souveräner Nationalstaaten durch das „Outsourcing“ der Produktion überlebensnotwendiger Güter. Man kann jemandem, von dem man dringend etwas braucht, nicht gleichzeitig sagen, daß man nicht einverstanden ist mit ihm, ohne dadurch zu riskieren, daß man das, was man von ihm braucht, eben nicht bekommt. Das ist eigentlich etwas, das schon Schulkinder wissen.

Die Reaktion aus China ist dementsprechend. Aus Peking kam nun der dezente Hinweis an die US-Administration, daß die verbale Kraftmeierei und die Arbeit am „Buy America“-Dekret taktisch unklug und unrealistisch sei. In einem Artikel der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua hieß es, die Welt solle China lieber dankbar sein, anstatt das Reich der Mitte zu kritisieren. Außerdem hieß es, daß die Vereinigten Staaten in der Hölle einer neuerlichen Coronaepidemie versinken würden, sollte sich die KP in Peking dazu entschließen, den Export von Pharmazeutika zu untersagen. Auch, wenn das nicht schön ist, aber momentan haben die Chinesen mit dieser feinen Anmerkung ganz zweifellos recht. Daß Donald Trump dennoch keine Flötentöne wählte, ist genau das, was ihn persönlich so überaus sympathisch macht. Wer hätte nicht die größte Sympathie für jeden Delinquenten, der im Angesicht seines Todes dem Erschießungskommando zuruft, es könne ihn einmal kreuzweise. Von einem Insider aus Washingtoner Regierungskreisen, der anonym bleiben wollte, berichtet Reuters, er habe versichert, US-Finanzminister Steven Muchin goutiere die rhetorischen Salven von US-Präsident Trump und Außenminister Pompeo nicht. Jedenfalls könnten die Spannungen zwischen der chinesischen KP und der US-Administration eine Videokonferenz der G20 überschattet haben, die am Donnerstag stattgefunden hat.

Wie schwer es Donald Trump hat, seine Zunge im Zaum zu halten, zeigte sich im Lauf der vergangenen Woche, als er zwischen aggressiven und beschwichtigenden Tönen China gegenüber hin- und herschwankte. Man darf sich aber sicher sein, daß Trump sein Ziel, mehr wirtschaftliche Autarkie für die Vereinigten Staaten herzustellen, nicht aus den Augen verlieren wird. Und das ist sehr vernünftig, um sich seiner außenpolitischen politischen Fesseln zu entledigen. Eigentlich ist es sogar vorbildlich und unbedingt nachahmenswert.

Gerade China

Es ist gerade dieses chinesische Verhalten, das zeigt, wie wenig man auf Wirtschaftsabkommen mit totalitären Ideologen geben darf. Das chinesische Regime ist totalitär bis ins Mark. Ein Wirtschaftsabkommen ist kein Freundschaftsabkommen. Das sind zwei verschiedene Paar Stiefel. Und Totalitaristen, die sich im Besitz der alleinseligmachenden Weisheit wähnen, Kommunisten also, werden immer versuchen, sich Andersdenkenden gegenüber durchzusetzen. Wenn man die Möglichkeit hat, sich nicht in irgendwelche Abhängigkeiten von ihnen zu begeben, dann sollte man es auch unbedingt bleiben lassen, anstatt sich mit wirtschaftlichen Kostenüberlegungen in seiner politischen Willensfreiheit knebeln zu lassen. Letztlich hängt man sich nämlich an seinen eigenen Überlegungen zur Kosteneffizienz auf. Wer frei bleiben will, begibt sich nicht in Abhängigkeiten, um sich dann einem fremden Diktat zu beugen.

Es ist doch der Hammer, daß sich die chinesische KP erlauben kann, darüber zu befinden, was ein amerikanischer Präsident besser sagen sollte oder nicht, indem sie sich zu Drohungen versteigt dergestalt, daß ein Handelsabkommen bei Schlechtwetter auch ein bißchen langsamer umgesetzt werden kann als bei Schönwetter, daß sie es auch aussetzen könnte oder Exporte untersagen könnte und bla-bla-bla. Genau dieses Verhalten ist es, das die langfristige Strategie für die westliche Welt vorgibt. Reduzierung der Abhängigkeit von China, und parallel zur wachsenden Autarkie schrittweiser Abbau der Handelsbeziehungen zu China bis herunter auf Null.

So ein kommunistisches Regime ist auch nichts anderes als ein riesiges Virus. Muß man isolieren, damit sich nicht alle anstecken. Was für eine Frechheit: Da hätte man ein Handelsabkommen, aber ob es auch so erfüllt wird wie vereinbart, hängt davon ab, ob man recht freundlich zueinander ist? Es mag ja sein, daß man sich das in der gegenwärtigen Lage bieten lassen muß, auch als amerikanischer Präsident. Aber man muß daran arbeiten, diesen unwürdigen Zustand so schnell wie möglich zu beenden.

Außerdem könnte man sich einmal überlegen, was die Schwachstelle eines jeden zentralistischen Systems ist: Der Kopf. Wenn man den erwischt, hat man alles auf einmal. Dezentralisierte Systeme sind da wesentlich weniger anfällig. Allein deswegen schon wäre eine Weltregierung der Untergang jeder Kultur. Was soll das? Alle gleichen „die Menschen“ können sich zwar jederzeit gleich wenig kaufen, dafür aber dürfen sie nicht mehr selbständig denken und werden auf Schritt und Tritt überwacht, zwangsgeimpft, mit RFID-Chips versehen und bei Bedarf eingeschläfert, weil es die Weltregierung gut findet? China ist in der Hinsicht schon heute der blanke Horror. Und allein deswegen ist es dringend geboten, den chinesischen Einfluß in der Welt total herunterzufahren. Dieses alberne: „Ah, schau mal, wie schnell die Chinesen Krankenhäuser bauen können, was die wissenschaftlich alles auf die Beine stellen, wie effizient deren staatliches Management arbeitet und pi-pa-po …“ – das ist doch alles pille-palle hinsichtlich der europäischen Überzeugungen, was der Mensch sei. Ein chinesisches Gesellschaftsmodell kommt für Europäer nicht in Frage. Daß das überhaupt diskutiert wird, zeigt schon, um welche menschenfeindlichen Kulturbanausen es sich bei der „Allle-Menschen-sind-gleich-Fraktion“ handelt, die sich solchen Gedankenspielen hingibt.