Phönix aus der Corona-Asche: Fünfte Amtszeit für Merkel?

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Leider ist es kein verspäteter Aprilscherz: In Berliner Groko-Kreisen wird allen Ernstes laut über eine fünfte Amtszeit von Angela Merkel nachgedacht. „Bild“ spekuliert: Sollte der CDU-Machtkampf um Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur unentschieden ausgehen und die Corona-Krise noch lange dauern, könnte Merkel als „alternativlos“ erscheinen – und weiterregieren.

Bislang sah alles danach aus, dass Markus Söder als „starker Mann“ aus der Corona-Pandemie hervorgehen könnte; auch Gesundheitsminister Jens Spahn und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet versuchen sich zu profilieren – doch am Ende könnte es gut sein, dass ausgerechnet Merkels Narkosepolitik als besonnenes Krisenmanagement gefeiert wird. Von Friedrich Merz redet mittlerweile kein Mensch mehr.

Plötzlich entdecken die Kritiker von gestern Merkels scheinbare Stärken: „Sie macht einen guten Job. Nüchtern, erfahren und mit allen Akteuren im In- und Ausland vertraut“, schreibt „Bild“, und zitiert einen ihr gegenüber bislang immer sehr skeptisch eingestellten CSU-Politiker mit den Worten: „Ich bin heilfroh, dass wir sie haben“.

Merkel über 2020 hinaus wäre eine Katastrophe

Das Aussitzen und Verbreiten eines durch nichts objektiv begründeten Zweckoptimismus, ihre wohldosiert-seltene Medienpräsenz und eine Entrücktheit vom politischen Tagesgeschehen sind typisch für Merkels Regierungsstil. In Krisenzeiten wird so etwas geschätzt; die Deutschen streben zum Vertrauten, zum Unaufgeregten, zum Beschwichtigenden – und da gibt ihnen die Kanzlerin anscheinend Rückhalt.

Für die weitere politische Entwicklung über Corona hinaus wäre dies freilich eine Katastrophe. Die sonstigen Zukunftsthemen sind derzeit ausnahmezustandsbedingt ja nur suspendiert, aber nicht aus der Welt; früher oder später werden sie das Land wieder einholen. Für ihre Bewältigung wird Merkel, dann womöglich noch mit den Weihen einer begnadeten Krisenmanagerin und Retterin versehen, absehbar noch ungeeigneter sein als heute. (DM)