Deutscher Virenknast: Ministerpräsident Haseloff (CDU) lobt Ostdeutsche für Gehorsam

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Reiner Haseloff, MP Sachsen-Anhalt - Foto: Imago

Sind Ostdeutsche die besseren Untertanen? Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU) behauptete, staatliche Autorität werde auf dem Gebiet der ehemaligen DDR stärker akzeptiert als in der alten Bundesrepublik. Das zeige sich an einer besseren Disziplin bei der Einhaltung der geltenden Kontaktbeschränkungen. Ein vergiftetes Lob.

von Max Erdinger

Es gibt Meldungen, bei denen man sich fragt, weshalb es sie überhaupt gibt. Ist es wirklich interessant, zu wissen, in welchen Teilen der Bundesrepublik die geltenden Ausgangsbeschränkungen am ehesten respektiert werden? Kann man das überhaupt wissen? Weniger gemeldete Verstöße in den neuen Bundesländern? Das muß nicht unbedingt heißen, daß es weniger gibt. Was in diesem Zusammenhang Fakt zu sein scheint, hängt schließlich davon ab, was dazu festgestellt worden ist. Weniger rigide Kontrollen z.B. würden statistisch zu weniger Verstößen führen und deshalb hätte eine solche Statistik mit dem tatsächlichen Verhalten der Ausgangsbeschränkten nichts zu tun. Was soll also eine solche Meldung? Geht es wieder einmal um Spaltung?

Die dts-Nachrichtenagentur meldet:

Berlin – Der Politische Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, hat die jüngsten Äußerungen des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), zum Umgang der Ostdeutschen mit der Coronakrise kritisiert. „Die Corona-Bekämpfung ist keine Frage von Ost und West“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Freitagsausgaben). „Es war der ostdeutsche Freiheitsdrang, der die Mauer zum Einsturz gebracht hat, nicht der Autoritäten-Gehorsam.“
Kellner mahnte den CDU-Politiker: „Anstatt alte Mauern in den Köpfen wieder hochzuziehen, gilt es nun, geschlossen und über Ländergrenzen hinweg das Virus zu bekämpfen – in Deutschland, genauso wie in Europa.“ Kellner wurde selbst im thüringischen Gera geboren. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), sagte dem RND: „Auch die freiheitliche Demokratie lebt davon, dass ihre Autoritäten anerkannt werden. Das ist wichtig. Aber es ist etwas völlig anderes als das, was in einem totalitären Regime wie der ehemaligen DDR verlangt wurde. Das war Gehorsam. Heute ist es Vernunft. Die ist schwerer zu erarbeiten, aber nötig.“ Wanderwitz warnte davor, die Parallele zur DDR unreflektiert an Jüngere weiter zu geben.

Haseloff hatte der Tageszeitung „Die Welt“ mit Blick auf die Krise gesagt, es gebe im Osten weniger Verstöße gegen die Kontaktbeschränkungen als im Westen. Staatliche Autorität werde auf dem Gebiet der ehemaligen DDR offenbar stärker akzeptiert als in der alten Bundesrepublik, wo die Individualrechte aus gutem Grund immer hochgehalten und auch stark gelebt worden seien. „Aber im Moment dienen die Freiheitsbeschränkungen ja der Rettung von Menschenleben. Diese kollektive Botschaft ist im Osten angekommen, weil sie vernunftgemäß nachvollziehbar ist.“ Überhaupt seien ältere Ostdeutsche „sturmerprobt, was Ausnahmesituationen betrifft“, fügte Haseloff hinzu. Zudem sei die Fähigkeit zur Improvisation im Osten stärker ausgeprägt als im Westen. „Und die Erfahrung, dass man harte Phasen überstehen kann. Wir haben hier viele Hochs und Tiefs erlebt. Und viele Krisen bewältigt.“

Das wirklich Interessante an dieser Meldung sind die Rückschlüsse, die sich auf den Geisteszustand aller vorkommenden Politiker ziehen lassen. Der Politische Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, verdrängt die Tatsache, daß der „ostdeutsche Freiheitsdrang, der die Mauer zum Einsturz gebracht hat„, einer ist, der sich vor über 30 Jahren bewiesen hat. Die bis zu 35-Jährigen im Gebiet der ehemaligen DDR heute haben von diesem Freiheitsdrang nichts mitbekommen. Die sind allesamt im wiedervereinigten Deutschland großgeworden. Und eine Menge derjenigen, die vor dreißig Jahren dabei gewesen sind, leben heute nicht mehr. Mit anderen Worten: Michael Kellner befindet sich bewußtseinsmäßig im Stillstand der Zeit, wie seine „Begründung“ nahelegt. Aber er ist Bundespolitischer Geschäftsführer der Grünen. Daß er selbst in Gera auf die Welt kam, muß nichts heißen. Beim Mauerfall ist Kellner zwölf Jahre alt gewesen. Insofern ist dieser Hinweis in der Meldung selbst obsolet. Er transportiert keine relevante Information.

Dann der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU): Der ist erst im Februar als Nachfolger für den von Merkel zum Rücktritt gezwungenen Christian Hirte eingesetzt worden, nachdem Hirte dem frisch gewählten Thüringer Ministerpräsidenten für einen Tag, Thomas Kemmerich (FDP), zu dessen Wahl gratuliert hatte. Wanderwitz versuchte gleich am ersten Tag seiner „Ostbeauftragung durch die Kanzlerin“ mit denunziatorischer Inbrunst, das in ihn gesetzte Vertrauen der Kanzlerin zu rechtfertigen, indem er sich als schärfster Wadenbeißer der Republik gegen die AfD gerierte. Der feine Herr Wanderwitz in einem Anflug von hochdemokratischer Beseeltheit: „AfD und Gauland sind giftiger Abschaum„.

Mit Sprüchen wie diesen scheint er sich für das Amt des Ostbeauftragten qualifiziert zu haben. Die AfD ist bekanntlich im Osten am stärksten. Wanderwitz scheint von einem tiefen missionarischen Glauben durchdrungen zu sein, eine Art Merkelscher Kreuzritter. Und genau diese Type versteigt sich nun zu einer Unterscheidung zwischen Freiheitsdrang und Vernunft. Wenn er einen Gegensatz zwischen der DDR und der BRD heute sieht, dabei die DDR als totalitär bezeichnet, dann muß er wohl willentlich übersehen haben, was der „Lockdown“ tatsächlich ist: Die totalitäre Anmaßung einer Regierung, die ihre eigene „Vernunft“ absolut setzt – und sie den Bürgern im Gegenzug abspricht. Für nicht wenige Deutsche dürfte Marco Wanderwitz den „Idealtyp“ desjenigen Deutschen verkörpern, der nach oben buckelt und nach unten tritt. Was ein Marco Wanderwitz zu meinen und zu finden beliebt, scheint sehr davon abzuhängen, ob er jeweils glaubt, daß es ihm nützt. So gesehen wäre er dann bei der Mehrheit in Deutschland. Das ist nämlich ein kollektiver Haltungsschaden. Intellektkrüppel, so weit das Auge reicht. Die „Coronakrise“ macht das überdeutlich.

Schließlich dann der MP von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff: Trotz aller inzwischen bekannt gewordenen Zweifel an der Gefährlichkeit von Covid 19, durch die Bank geäußert nicht etwa von irgendwelchen Spinnern, sondern von international renommierten Virologen, Epidemiologen und Medizinern, schnackt er unkritisch über die Rettung von Menschenleben und bezeichnet es als vernünftig, sich dabei einzig auf die Einlassungen des Prof. Drosten von der Charité und diejenigen des Herrn Lothar H. Wieler vom Robert-Koch-Institut zu verlassen. Damit steht fest, daß es Haseloffs Kopf nicht ist, der bei einem „Blackout im Lockdown“ noch ein bißchen Restlicht spenden würde. Außerdem scheint er mit seiner Idealisierung des Ostdeutschen als einem krisenerprobten Improvisationskünstler im selben zeitlichen Stillstand zu leben wie der Grüne Kellner.

Daß sich die drei Herren eine solch überflüssige Debatte in diesen Zeiten überhaupt noch leisten, ist schon bezeichnend für das selbstreferentielle Gefängnis, in dem sie sich haben einsperren lassen. Stichwort Schädelknast. Sie halten es tatsächlich für wichtig, daß die Welt weiß, was sie sich wieder alles ausgedacht haben, um ihre eigene Wichtigkeit herauszustreichen. Als ob es in diesen Zeiten irgendwen zu interessieren hätte, wer bei der Befolgung komplett wahnsinniger Anordnungen der Vernünftigere sei.

An dieser Stelle könnten jetzt die ersten Buchstaben der ersten Seite eines Buches stehen, das tausend Seiten hat. So könnten sie sich lesen lassen: „Es war einmal – und lange ist´s her – die Anthropozentrierung des Glaubens in einer Zeit, die man als die Reformationszeit bezeichnet …“. Und dann könnte es weiter gehen über die Frz. Revolution, die Aufklärung, die Oktoberrevolution, die Verwandlung von Gottesdiensten in Menschendienste, den Gleichheitsglauben, das Aufkommen kommunistischer Hirngespinste, das demokratische Mißverständnis, die philosophia perennis, die Grundlagen des europäischen Geisteslebens, das heutige Meinen & Finden, das ubiquitäre Gefällt mir/Gefällt mir nicht – und-und-und – … am Schluß käme man dann wieder bei der gegenständlichen Meldung in ihrer ganzen Schwachsinnigkeit heraus. Der Grundstein für den kollektiven intellektuellen Infarkt, den wir heute erleben, wurde vor über 500 Jahren gelegt. Dieser Tage ist der Geist endgültig gar kollabiert. In Quarantäne sitzt die dumme Materie. Das deutsche Leben im Zeichen der Raute. Mir ist den ganzen Tag nur noch schlecht. Gottseidank habe ich Humor.

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