Lob für Linientreue: Bundesregierung feiert „professionelle Journalisten“

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(Symbolfoto:Shutterstock/Hadrian)

Für soviel Gefügigkeit gibt’s endlich warme Worte und Schulterklopfer von den Mächtigen: Die Bundesregierung lobt die Mainstream-Medien für ihre „Seriosität“ über den grünen Klee: Die Gesellschaft wisse „professionellen Journalismus“ gerade in der Corona-Pandemie zu schätzen. Selten so gelacht!

CDU-Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die diese verbalen Meriten im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ verlieh, sprach von einem „neuen Problembewusstsein“ der Bevölkerung. Die Menschen begriffen nun endlich, dass „eine frei flottierende Nachricht in den sozialen Medien eben etwas anderes ist als eine professionell recherchierte und formulierte Information“. Gründliche Recherche und Einordnung seien gerade „so gefragt wie seit vielen Jahren nicht mehr“.

Gründliche Recherche? Dass gerade die etablierten Medien im Zweifel nur Agenturmeldungen oder Presseverlautbarungen der offiziellen Stellen übernehmen, ist der im Gegenteil der Hauptgrund für die fast konforme, identische Berichterstattung zu den Corona-Maßnahmen. Andere Sichtweisen, Erklärungsmodelle oder Lösungsansätze werden von ihnen entweder nicht aufgegriffen – oder ins Reich der Verschwörungstheorien oder Verharmloser verwiesen. Abweichende Meinungen fristen wie so oft ein Stiefmütterchendasein; die Nähe der Leitmedien zur Politik war nie größer als in diesen Tagen.

Nutzer pauschal für dumm verkauft  

Natürlich wabern im Netz viele Falschmeldungen, viel Wirres und Verschrobenes. Und ja, dort fehlt die Vorsortierung und Selektion durch Redaktionen, die eine journalistische Einordnung oder Gewichtung vornehmen. Es ist jedoch die Frage, wie wichtig diese sind. Tatsächlich haben nämlich Social-Media-Nutzer – zwar nicht alle, aber doch die meisten – durchaus soviel Medienkompetenz, dass sie die Spreu vom Weizen zu trennen vermögen; dass sie Märchen, Troll-Posts, Fakenews und paranoiden Trash von glaubhaften Quellen unterscheiden können.

Grütters reproduziert hier ein gängiges Vorurteil der Politik: Dass die meisten Nutzer zu unmündig, unkritisch oder unterbelichtet wären, um die eigenen Schlüsse zu ziehen und die zahllosen Netzinhalte alle ausnahmslos als Tatsache nehmen. Dieser Dünkel erstreckt sich dann natürlich auch auf die freien Medien der Gegenöffentlichkeit, denen die etablierten als leuchtendes Vorbild gegenübergestellt werden.

Natürlich nutzt Grütters ihre Mainstream-Laudatio gleich noch zur Reklame für den gebührenfinanzierte Rundfunk und Bezahlinhalte: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Viele Menschen verstünden jetzt, so Grütters, wie wertvoll es sei, „Nachrichtenkanäle zu haben, auf deren Seriosität sie sich verlassen können“, weshalb sie an alle Nutzer appelliere, sich „des Wertes dieser Medien bewusst zu sein und dafür „auch zu bezahlen“. (DM)