Auch Virologen langsam skeptisch: Reaktionen auf Corona gefährlicher als das Virus selbst?

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Symbolbild:Imago/Viennareport

Laut dem US-Virologen Dennis Carroll ist der Umgang mit dem Coronavirus mittlerweile gefährlicher als das Virus selbst. „Die Welt reagiert chaotisch“, sagte der Virologe am Mittwoch dem Deutschlandfunk. Die Außenseitermeinung deckt sich mit immer mehr Stimmen durchaus seriöser Mediziner auch hierzulande, die vom politisch-medialen Mainstream gleichwohl kaum wahrgenommen werden.

Für Wissenschaftler, so Carroll, sei der Ausbruch des Coronavirus nicht überraschend gekommen und als „Teil eines natürlichen Musters“ erwartbar gewesen. Seit 20 Jahren werde an den Viren geforscht, über Vorbereitungsmaßnahmen sei viel gesprochen worden. Sträflich sei die Prävention vernachlässigt worden; was nun geschehe, sei eine überschießende und chaotische Reaktion.

Die Frage, ob im Fall der Corona-Pandemie die Therapie womöglich tödlicher ist als die Krankheit, aber auch die nach der Verhältnismäßigkeit der weltweiten Anti-Corona-Maßnahmen, beschäftigt die Menschen mit zunehmender Fortdauer der Einschränkungen. Auch in Deutschland.

Kritiker des von fast allen europäischen Staaten verfolgten strikten Containment-Kurses werden hier inzwischen als Verharmloser, Zyniker oder Ignoranten verketzert. Renommierte Mediziner, die mit Blick auf die bedenklichen Konsequenzen der derzeitigen Kontaktsperren andere Strategien zumindest in Betracht ziehen – etwa Ansgar Lohse, Infektiologe an der Universitätsklinik Eppendorf – finden kaum Gehör.

Mainstream-Strategie, Mainstream-Wahrheiten

Und wenn der Bonner Virologe Hendrik Streeck gestern bei „Markus Lanz“ das Robert-Koch-Institut kritisiert, bei den diskutierten Maßnahmen (etwa der Maskenpflicht) eine stärkere Orientierung an evidenzbasierten, also wissenschaftlich fundierten Empfehlungen fordert, oder sich gar aufgeschlossen gegenüber dem von Schweden eingeschlagenen Sonderweg zeigt, gerät er (laut „Focus„) sogleich in die „Defensive“. Wer am Ende mit seiner Strategie richtig lag, kann nur die Zukunft zeigen.

Fakt ist, in Deutschland praktisch unvorbereitet war, als Corona ankam – obwohl eine Risikoanalyse der Bundesregierung von 2012 vorlag, die auf einer exakt dem Corona-Virus entsprechenden Virusepidemie aus China basiert. Auch andere Länder unterschätzten die Ausbreitung des Virus bis zuletzt. Carroll hält es für die Zeit nach der Pandemie vor allem für wichtig, dass die Gesellschaft ihre Prioritäten bei künftigen Investitionen ändere.

„Zum einen indem wir etwa Stiftungen stärken. Und indem wir anfangen Risiken zu erkennen, bevor sie übergreifen“, sagte er laut „dts Nachrichtenagentur“. Länder sollten sich untereinander koordinieren und ein globales Netzwerk bilden. Womöglich kann man den nun praktizierten globalen Umgang mit der Krise dereinst als lehrreiches Negativbeispiel heranziehen – vor allem was die Frühwarnsysteme und die rechtzeitige Ergreifung von Eindämmungsmaßnahmen betrifft, bevor ein Erreger überhaupt ein Land erreicht. (DM)