Medien & Wissenschaft: Virologe Drosten droht den Medien

0
Zwei Virologen und ein Bankkaufmann - Foto: Imago

Christian Drosten ist zur Zeit ein Medienstar wider Willen. Er ist Chef-Virologe der Berliner Charité und für die Deutschen neben Lothar H. Wieler vom Robert-Koch-Institut der zur Zeit bekannteste „Erklärbär“ der Nation. Das behagt ihm nicht. In einem Interview bei NDR-Info legt Drosten auch sehr gut nachvollziehbar dar, warum ihm das nicht behagt. Volles Verständnis dafür. Seine Medienschelte taugt allerdings überhaupt nichts.

von Max Erdinger

Es gibt unzählige Variationen des folgenden Spruchs: „Wenn ein Hammer dein einziges Werkzeug ist, dann sieht alles aus wie ein Nagel“. Das ist das Problem mit den Hochspezialisierten: Sie haben so viel ihrer Lebenszeit darauf verwendet, auf ihrem jeweiligen Gebiet zu Koryphäen zu werden, daß in der Folge irgendein lästerliches Schandmaul das unschöne Wort vom Fachidioten erfunden hat. Aber zugegeben: Es hat tatsächlich einmal Zeiten gegeben, in denen man sich beruflich getrost ganz auf die Dinge konzentrieren konnte, an denen das eigene Herzblut hängt, weil man sich darauf verlassen konnte, daß sich Politik und Medien voll der lautersten Absichten jener Dinge annehmen, um die man sich wegen seiner eigenen Vertiefung in die spezielle Materie nicht kümmern konnte. Diese Zeiten sind evident vorbei. Der wachsame Bürger ist gefragter denn je. Der Nachteil des wachsamen Bürgers wiederum ist sein fehlendes Urteilsvermögen im Detail. Er versucht meistens nur, das Gesamtbild mit seinem sogenannten „gesunden Menschenverstand“ in Übereinstimmung zu bringen, so er überhaupt versucht, das Gesamtbild zu erfassen. Und da fällt ihm eben auf, daß das allerweil ganz besonders schwierig ist.

Der Chefvirologe der Charité hat dem NDR ein Interview gegeben, in dem sich das unvermeidliche Handicap des Hochspezialisierten offenbart: Für den Virologen ist eine Coronakrise eben fast ausschließlich ein virologisch-medizinisch-epidemiologisches Problem. Daß er das so sieht, ist verständlich, aber da greift eben wieder der Spruch vom Hammer als dem einzigen Werkzeug. „Kress.de“ gibt die interessantesten Passagen aus dem NDR-Podcast mit Prof. Drosten wieder.

Wir sind hier langsam an einem Punkt, wo dann demnächst auch die Wissenschaft in geordneter Weisen den Rückzug antreten muss, wenn das nicht aufhört. (…) Es ist eben nicht die Wissenschaft, die Entscheidungen trifft, sondern die Politik. Und das Ganze sind sehr schwierige Abwägungen. Und dass die Wissenschaft erstens überfordert wäre, Entscheidungen zu treffen. Denn die Wissenschaft generiert nur Daten und kann sagen, wie sicher diese Daten sind und kann auch sagen, wo die Sicherheit aufhört, mehr aber auch nicht. Wenn man vielleicht noch dazu fügt, die Wissenschaft kann auch versuchen zu erklären, und zwar einer breiten, aufgeschlossenen und interessierten Bevölkerungsschicht. Das ist ja das, was im Moment Wissenschaftler auch vielfach tun, und dafür dann leider auch überzeichnet werden.„, mäkelt Prof. Drosten. Damit trifft er den Nagel aber keineswegs auf den Kopf, was insofern beruhigend ist, als daß offenbar der Hammer nicht sein Werkzeug ist.

Es ist nun einmal so, daß es in der Wissenschaft oftmals Uneinigkeit darüber gibt, wie die Dinge nun liegen, wie welche Daten genau zu interpretieren sind usw.usf. Diese Uneinigkeit gibt es innerhalb der jeweiligen Wissenschaftszweige unter Gleichqualifizierten und es gibt sie disziplinübergreifend zwischen den Wissenschaftszweigen. Ergo: „Die Wissenschaft“ ist ein unbrauchbarer Begriff, um zu beschreiben, was „die Wissenschaft“ in ihrer Interaktion mit der unwissenschaftlichen Außenwelt tut. Es sind immer bestimmte Wissenschaftler, die von Politik und Medien für ihr Handeln und ihr Berichten als Zeugen vorgebracht werden. Dafür gibt es Gründe. Aus der Geschichte kennen wir etliche Beispiele dafür, daß sich „die Wissenschaft“ für eine bestimmte Ideologie vor den Karren der Politik hat spannen lassen und nachträglich „wissenschaftliche Pseudolegitimationen“ für ein politisches Handeln lieferte, dessen Agenda vorher schon feststand. Den Marxismus-Leninismus hält heute übrigens niemand mehr für eine Wissenschaft. Das ist natürlich bei der Virologie anders. Die wird nie ihren Status als Wissenschaft verlieren. Aber auch Mediziner haben sich schon vor den ideologischen Karren spannen lassen. Biologen, Theologen und Philosophen ebenfalls. Soziologen sowieso. „Die Wissenschaft“ ist also schon einmal nichts als Einbildung – und aus Drostens Worten meint man fast schon ein gewisses Beleidigtsein „der Wissenschaft“ herauszulesen. Das wäre eine Attitüde, welche sich „die Wissenschaft“ ganz schnell abschminken kann.

Kress.de: „Und der Virologe stellt bei NDR Info noch etwas klar: „Es gibt hier wirklich in Deutschland keine Rivalität und keine Konkurrenz zwischen Wissenschaftsdisziplinen.“ – Und das ist ja nun evident geträumt. Die Realität sieht ganz anders aus, und jeder, der will, kann das auch sehen. Im vergangenen halben Jahrhundert hat sich beispielsweise ein hierarchischer Platztausch von Soziologie und Biologie vollzogen. Der heutige Biologe kann froh sein, wenn er, frisch und frei von der Leber weg Biologisches zum Besten gebend, vom Soziologen/Sozialpsychologen nicht als „Biologist“ bezeichnet wird. Biologie hat der Soziologie gegenüber schwer an Boden verloren. Der deutsche Evolutionsbiologe und Physiologe Ulrich Kutschera kann ein Lied davon singen. Was stand der Mann vergangenes Jahr unter Druck, als er behauptet hatte, Homosexuelle hätten eine Neigung zur Pädophilie. Das konnte er so wissenschaftlich begründen wie er wollte, ohne daß ihm das etwas genützt hätte. Die Soziologen saßen über ihn zu Gericht – und in der Folge saßen dann echte Richter über ihn zu Gericht. Prof. Drosten jedoch: „Es gibt (…) keine Konkurrenz zwischen Wissenschaftsdisziplinen.“ – So, so, gibt es die also nicht. Interessant.

Prof. Drosten: „Denn eine Sache ist auch klar, dieses Wohlfühlniveau in der Gesellschaft wird nicht so bleiben in den nächsten Wochen. Auch wir in Deutschland und ich hoffe sehr, dass wir nicht überwältigt werden, aber auch wenn wir an diese Grenze gehen der Belastung im medizinischen System, das hat so viele Folgeeffekte. Das hat auch so viele Folgeeffekte in der Gesellschaft.“ – Sehr gut. Tatsächlich wird das Wohlfühlniveau nicht so bleiben in den nächsten Wochen. Und nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen wird es nicht so bleiben. Das ist gerade ein enormer Stresstest für die europäischen Nationen.

Und weil das so ist, fragt man sich doch, warum Prof. Drosten nicht einfach sagt: „Hören Sie, ich verwahre mich dagegen, daß die Politik meine Expertise instrumentalisiert und meinen Namen als Beleg für die Richtigkeit ihres Handelns hernimmt. Es gibt Kollegen, die etwas anderes behaupten als ich. Ich stecke insofern in einem Dilemma, als daß ich natürlich meine Expertise für die richtige halten muß, so, wie die anderen die ihre. Es gäbe da auch noch Professor Bakhdi, den die Politik hören sollte. Sie sollte überhaupt alle renommierten Virologen, Mediziner, Ärzte und Epidemiologen hören, nicht nur ganz bestimmte. Entscheiden müssen die Politiker. Das nimmt ihnen niemand ab. Dafür sind sie da. Die Politiker sollen aufhören, sich hinter dem Rücken der Wissenschaft zu verstecken.“

– Das wäre die ehrliche Ansage des Virologen Prof. Drosten gewesen. Tatsache ist aber nun einmal, daß er sich exponiert hat oder hat exponieren lassen, daß das seinem Renommee als führendem Virologen bis zu einem gewissen Grad genützt hat, und daß, wer seinen Kopf herausstreckt, natürlich von den Medien erfaßt wird wie alles, was seinen Kopf herausstreckt.

Man möchte gerade einem so hochspezialisierten Wissenschaftler wie Prof. Drosten nichts unterstellen, aber auch der hochspezialisierte Wissenschaftler ist kein Gott und daher vermutlich genauso im ewigen Clinch mit typischen menschlichen Schwächen wie jedermann sonst. Es muß daher erlaubt sein, darüber zu spekulieren, was der wahre Anlaß für dieses Interview mit dem NDR gewesen sein könnte. Wie Prof. Drosten schon sagte: Das gegenwärtige Wohlfühlniveau wird sich so nicht halten lassen über die kommenden Wochen. Politik und Medien könnten versucht sein, sich andere „Experten“ zu suchen, auf die sich berufen können, um beispielsweise die Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen zu rechtfertigen, die bestimmte Wissenschaftler – Prof. Drosten z.B. – unter fachlichen Gesichtspunkten für nicht angezeigt halten würden. Dann würde beispielsweise Professor Bakhdi den Part im Gesamtschauspiel übernehmen, den bisher Prof. Drosten und Lothar H. Wieler vom RKI innehatten, womit zwangsläufig ein Verlust des vorher errungenen Renommees verbunden wäre. Und dann wäre es natürlich gut, wenn man auf ein Interview verweisen könnte, daß man vorher schon gegeben hat, und in dem man die Vorgehensweise der Medien kritisierte, so nach dem Motto: „Ich bin es ja nicht gewesen, der die Entscheidungen fällt. Und das habe ich damals schon gesagt“.

Von daher könnte man diesen NDR-Podcast vielleicht interpretieren als einen Versuch Prof. Drostens, sich vor dem, was er selbst kommen sieht, schon mal prophylaktisch in Sicherheit zu bringen. So viel ist sicher: Wenn Politik und Medien weiter unter Druck geraten, werden sie Prof. Drosten nicht mehr als ihren Zeugen aufrufen, sondern sie werden ihn als den Verantwortlichen ihres vorherigen Eigenversagens vorzeigen. Weswegen meinereiner zu Folgendem rät: Jeder lautere Wissenschaftler sollte absolutes „Social Distancing“ betreiben, indem er sich schlichtweg weigert, mit Regierung und Systemmedien überhaupt noch ein Wort zu reden. Da gibt es für keinen mehr etwas zu gewinnen. Das ist ein in seine eigene Unfähigkeit und seine Lügen derartig verstrickter Komplex, daß man ihm besser aus sicherer Entfernung dabei zuschaut, wie er sich bei seinen Befreiungsversuchen selbst stranguliert. Gut möglich, daß die US-Regierung ein bißchen nachhilft, so sehr sie sich auch im Vordergrund gerade ihrer eigenen „Coronakrise“ widmen muß. Das Erwachen in der Nach-Coronazeit wird überhaupt sehr interessant werden. Die Kanzlerin selbst hat es ja vor der Krise – gar nicht so lange her – schon kryptisch angekündigt: Nichts wird mehr so sein, wie es gewesen ist. Tja – und dann kamen Weltwirtschafts- und Coronakrise zufällig zur selben Zeit. Als ob sie es geahnt hätte.

So viel steht fest: Die Verantwortlichen für Weltwirtschaftskrise, Bankenrettung, Minuszinsen, Gelddruckerei, Weltklimarettung, Planet & Menschheit, EU-Geschwätz, Global Compact For Migration, Energiewende, Aushebelung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, inszenierte humanitäre Krisen, Islamisierung, den arabischen Frühling, die Abhängigkeit von China, den Ukrainekrieg, die Globalisierung, Gender-Mainstreaming, Binnen-I und Gendersternchen, Frauenquoten und Ausgangssperren bzw.- beschränkungen, … – sie müssen sowohl in der EU als auch in den USA alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Die einzige Alternative für die Herrschaften wäre, sich ganz tief im südamerikanischen Regenwald einzugraben. Die werden sprichwörtlich kämpfen bis zur letzten Patrone. Es muß diese Coronakrise unbedingt so schlimm bleiben, wie sie ist. Wir befinden uns allesamt in einem Wettlauf mit der Zeit. Die Frage ist, wer ihn gewinnt. Machen wir uns auf etwas gefaßt, aber vergessen wir nicht: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Beobachten wir ganz genau, was in Schweden – und bald wichtiger noch –  mit Schweden passiert. Das ZDF schießt sich bereits auf die Skandinavier ein, weil die so gelassen bleiben. Und jede Wette, daß die schwedische Regierung gerade unter enormem Druck aus Brüssel steht. Kein „Lockdown“ in Schweden zur Zeit, niemand hat Panik. Wenn die Schweden konsequent bei ihrer Linie bleiben und die „Coronakrise“ in Stockholm im Resultat nicht anders verlaufen sein wird, als etwa in Hamburg, dann gibt es in etlichen, wirtschaftlich, rechtsstaatlich und freiheitlich  per „Lockdown“ schwerst zusatzgeschädigten Ländern erheblichen Rechtfertigungsbedarf. Das würde lustig werden. Wir leben in höchst spannenden Zeiten. Das ist wie globales Politpokern.