„Nasenmann“ Laschets Maskenpanne: Sinnbild für den deutschen Umgang mit der Krise

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Armin Laschet und der Mundschutz...; Foto: Screenshot Twitter
Armin Laschet und der Mundschutz...; Foto: Screenshot Twitter

Die nur unvollständig aufgesetzte Atemschutzmaske von Armin Laschet sorgte gestern im Netz für jede Menge Lacher; der CDU-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen hatte beim Besuch der Aachener Uniklink RWTH die Maske zwar auf, aber anfangs die Nase freigelassen. Laschets Fauxpas steht gewissermaßen metaphorisch für die gesamte Corona-Politik Deutschlands.

Das gesamte Krisenmanagement, die Containment-Politik Deutschlands oszilliert von Beginn an zwischen Extremen – und Widersprüchen: Verharmlosung und Katastrophenstimmung, Konsequenz und Wankelmut, Versprechen und deren Relativierung, Anspruch und Wirklichkeit. Wochenlang wurde die Bevölkerung in trügerischer Sicherheit gewiegt, wurde beschwichtigt, bis dann die brutale Realität der Pandemie erkannt wurde –  und binnen 14 Tagen peut-a-peut immer radikalere Maßnahmen eingeleitet wurden.

Täglich wird der Eindruck vermittelt, der große Ausbruch und Ansturm auf die Kliniken stehe unmittelbar bevor – doch es sind noch immer viele Intensivplätze unbelegt; zum Glück – doch wie ist der tatsächliche Status, welchen Prognosen kann man vertrauen?

Widersprüchliche Signale

Als die Kanzlerin zuerst den Shutdown, wenige Tage später die Vereinzelungsmaßnahmen verkündete, hieß es, nach 1-2 Wochen werde man auf deren Grundlage die Entwicklung des weiteren Infektionsgeschehens beurteilen können; für mindestens zwei Wochen sollten die Kontaktsperren zunächst gelten. Sang- und klanglos wurde ihre Geltungsdauer am Wochenende vom Kanzleramt bis mindestens zum 20. April verlängert. Und nun, seit einigen Tagen, ist die maximale Inkubationszeit derer verstrichen, die sich zum Zeitpunkt des Beginns der Maßnahmen infiziert haben konnten – doch die Politik bleibt der Bevölkerung eine Zwischenbewertung schuldig.

Die Infektionszahlen steigen weiterhin, doch wie schnell tatsächlich ist unklar: weil inzwischen viel mehr Tests als noch vor zwei Wochen durchgeführt werden, werden in absoluten Zahlen auch immer mehr Neuinfektionen festgestellt. Da keine repräsentativen Querschnittstests erfolgen, kann man noch immer nichts sagen, wieviele Bürger das Virus schätzungsweise tragen; mangels flächendeckend verfügbarer Antikörpertests ist auch über eine bereits erfolgte stille Immunisierung nichts bekannt.

Die Crux mit den Masken

Und gerade beim Thema Atemschutzmasken ist die Versorgungslage so prekär, dass inzwischen Geschäftemacher im Netz und auf dem Schwarzmarkt Wucherpreise für Produkte aufrufen, die vor wenigen Wochen noch als Cent-Artikel gehandelt wurden. Der drastische Preisanstieg von über 3.000 Prozent infolge der Verknappung wird zum Problem – zumal nach wie vor vor allem in Alters- und Pflegeheimen, Arztpraxen, aber auch Kliniken die Masken fehlen, allen Beteuerungen und Beschaffungsinitiativen von Gesundheitsminister Jens Spahn zum Trotz. Hilfe kommt im großen Stil derzeit nur aus China, wobei hier die Lieferungen über ganz Europa verteilt werden müssen.

Für all diese Defizite und Unzulänglichkeiten bei der Versorgung und im Krisenmanagement ist Laschets Masken-Patzer insoweit ein stimmiges Sinnbild: Die Absicht ist nobel, die ergriffenen Maßnahmen mögen sinnvoll sein – doch ihre Umsetzung lässt zu wünschen übrig.

Laschet selbst übrigens machte seinen Schnitzer wieder wett – und signalisierte, dass er über sich selbst lachen kann: Auf Twitter gab er gestern Abend Tipps zum korrekten Anlegen von Schutzmasken… (DM)

 

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