Bolsonaro-Zensur: Twitter verbietet sogar den Mächtigen den Mund

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Jair Bolsonaro, Brasiliens Präsident (Foto:Imago/AgenciaEFE)

Mit seiner Entscheidung, Tweets des brasilianischen Präsidenten Jair Messias Bolsonaro zu löschen, hat Twitter ganz nebenbei demonstriert, welche globale Macht Social-Media-Dienste inzwischen ausüben: Indem sie sogar gewählte Regierungen zensieren können, nehmen sie exorbitanten Einfluss auf die öffentliche Meinung – und das im planetaren Maßstab, ohne jede demokratische Kontrolle.

Auch wenn die jetzt von der Löschung betroffenen Tweets Bolsonaros in der Tat völlig unverantwortliche Propaganda beinhalten, die das Corona-Virus verharmlosen, und es somit beileibe nicht die falschen Inhalte trifft: Bedenklich ist hier etwas anderes.

Es geht um Macht – und deren Missbrauch

Nämlich dass Twitter diese Maßnahme überhaupt anwendet und seine Macht derart ausspielen kann. Der US-Konzern tritt mit dem Selbstverständnis einer NGO auf, die politisch alles andere als neutral wirkt und so eine unausgesprochene Agenda verfolgt.

Zwar ist Twitter mit seinen Lösch- und Sperrpraktiken generell toleranter als Facebook, wo die Zensurwilllkür (vor allem in Deutschland) alle Dimensionen sprengt; doch zunehmend wird auch im Reich Jack Dorseys immer häufiger zum politisch korrekten Rotstift gegriffen. In den USA waren bereits namhafte Trump-Unterstützer wie der Schauspieler James Woods mit Millionen Followern von Löschungen betroffen. Macht das Beispiel, das Twitter nun im Fall Bolsonaro abgibt, weiter Schule, dann ist demnächst womöglich auch Donald Trump von Zensur betroffen – und damit würde sich der Mikrobloggingdienst dann endgültig eine Macht anmaßen, die „systemgefährdend“ ist. (DM)

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