Aufruf zu Corona-Denunzierungen: Bürger sollen Kontaktverstöße „melden“

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Foto:dtsNachrichtenagentur

Der Zweck heiligt die Mittel: Im Namen der Infektionseindämmung werden beste deutsche Untugenden reaktiviert, die in Deutschland seit über 30 Jahren nicht mehr anzutreffen waren: Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat die Bürger aufgefordert, Corona-Regelverstöße bei den Behörden zu verpetzen.

„Ich finde es in Ordnung, wenn die Menschen wachsam sind. Es geht darum, die Ausbreitung der Seuche zu verlangsamen, und es geht darum, Menschenleben zu retten“, sagte Strobl in der „Bild“-Sendung „Die richtigen Fragen“, wie die „dts Nachrichtenagentur“ berichtet.

Wenn Bürger feststellten, dass jemand Straftaten begehe und sich jemand rechtswidrig verhalte, „insbesondere dann, wenn man der Auffassung ist, da passiert etwas, was die Allgemeinheit gefährden könnte“, dann könne „ein Anruf bei der Polizei nicht schaden“, so der Innenminister laut „Oldenburger Zeitung„.

Gefährdung des sozialen Friedens

Grundsätzlich ist die Einhaltung der Regeln zwar so wichtig, dass sie mit allen verfügbaren Mitteln überprüft werden muss. Ob allerdings Denunziation der richtige Weg ist, darf vehement bezweifelt werden – zumindest wenn diese derart undifferenziert Anwendung finden soll wie von Strobl vorgeschlagen.

Wenn sich in Parks größere Gruppen zusammentun, stellt dies sicherlich ein potentiell ganz anderes Infektionsrisiko dar, als wenn etwa eine Mutter ihr Kind auf einem gesperrten Spielplatz lässt, oder wenn drei statt zwei Personen spazierengehen. Verboten ist all dies gleichermaßen – doch die Kontrolle durch „Meldungen“ sogenannter „wachsamer Bürger“ sollte sich auf wirklich eklatante Fälle beschränken, weil Denunziation immer den sozialen Frieden gefährdet. (DM)

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