Über 500 Corona-Tote in Deutschland

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Foto: Zwei Männer mit Atemschutzmaske in Berliner S-Bahn (über dts Nachrichtenagentur)

Berlin – Die Zahl der Corona-Todesopfer hat am Wochenende die Marke von 500 übersprungen. Laut Abfrage bei den Städten und Landkreisen erlagen bis Sonntagabend mindestens 508 Menschen einer Infektion mit dem Coronavirus. Das waren 86 mehr als am Vortag.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Sonntagmorgen waren 88 Prozent der dem Institut bekannten 389 Verstorbenen 70 Jahre oder älter. Besonders tragisch war die Situation in einem Pflegeheim in Wolfsburg, wo in den letzten Tagen zwölf Menschen an Covid-19 starben, der durch das Coronavirus ausgelösten Krankheit.

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EU-Kommission: Bürger sollen Kontaktverbote „äußerst ernst nehmen“

Die EU-Kommission hat an die Bürger in ganz Europa appelliert, bei den Schutzmaßnahmen vor einer Corona-Infektion nicht nachzulassen. Die Zahl der weltweit bestätigten Infektionen sei aktuell auf über 650.000 gestiegen, das bedeute eine Verdopplung innerhalb einer Woche, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagausgaben). Der effizienteste Schutz sei, Kontakte mit anderen zu vermeiden und zu Hause zu bleiben.

„Ich möchte wirklich alle Bürger in ganz Europa dringend auffordern, solche Anweisungen äußerst ernst zu nehmen“, sagte Kyriakides. „Zuhause bleiben heißt Leben retten.“ Die Bürger in Europa hätten in der Krise „enormen Mut und Stärke gezeigt“, lobte die Kommissarin.

Man könne aber noch keine genauere Antwort geben, wann die Krise überstanden sei. Kyriakides sagte, bei der Corona-Pandemie habe man es mit einer sich schnell entwickelnden Lage zu tun. Es gebe noch immer nicht genügend wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie leicht sich das Virus unter Menschen verbreite.

Die Gesundheitskommissarin mahnte in der Coronakrise zugleich eine stärkere Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten auf EU-Ebene an. „Unsere Zusammenarbeit verbessert sich von Tag zu Tag, ebenso wie die Informationen, die wir erhalten“, sagte Kyriakides. „Aber die Mitgliedstaaten können es noch besser machen.“

Dies sei eine entscheidende Zeit für Zusammenarbeit und Solidarität. „Alle europäischen Länder sind betroffen und alle brauchen gegenseitige Unterstützung“, sagte die EU-Kommissarin. „Ohne Solidarität oder europaweite Lösungen können wir diesen Notfall für die öffentliche Gesundheit nicht wirksam bewältigen.“ Die Krise zeige deutlich, dass eine stärkere Zusammenarbeit der EU im Gesundheitsbereich erforderlich sei. „Die Mitgliedstaaten tun alles was sie können, aber sie erkennen jetzt, dass es in einer globalisierten Welt und insbesondere in Krisenzeiten eine Schwäche und keine Stärke ist, allein zu sein. Wenn diese Krise vorbei sein wird – und sie wird vorüber gehen – müssen wir daraus Lehren ziehen.“

Intensivmediziner fordern Verteilung von Corona-Patienten

In der Coronakrise fordern deutsche Intensivmediziner eine bundesweit zentrale Verteilung von Coronavirus-Patienten auf die Kliniken des Landes. Sollte in „zwei bis vier Wochen“ der Höhepunkt der Infektionszahlen erreicht sein, kämen die Kliniken in einigen Regionen über ihre Belastungsgrenze, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagausgaben). „Die Bundesregierung muss so schnell wie möglich eine zentrale Stelle einrichten, die in einem solchen Fall die Patienten bundesweit auf weniger ausgelastete Kliniken verteilt.“

Dabei sollten das Robert-Koch-Institut, das Gesundheitsministerium, das Innenministerium und die Bundeswehr beteiligt werden. Damit eine solche länderübergreifende Verteilung funktioniere, müssten zudem Kliniken mit Intensivstationen staatlich verpflichtet werden, ihre Kapazitäten im bundesweiten Intensivregister der DIVI zu melden. „Von den rund 1.160 Kliniken haben bislang erst etwa 700 Häuser freie und belegte Intensivbetten gemeldet.“

Nach den Engpässen bei Schutzmasken und Beatmungsgeräten warnte Janssens zudem vor einem Mangel an Schutzkitteln für Ärzte und Pflegekräfte. „Eine durchschnittliche Universitätsklinik braucht pro Tag etwa 6.000 Einmalkittel. Wenn es hier nicht schnell Nachschub gibt, ist die Versorgung an vielen Stationen bald nicht mehr möglich.“

Harte Kritik äußerte Janssens am Verhalten der Politik: „Die Coronakrise hat uns nicht überrascht.“ Sie sei bereits im Januar absolut vorhersehbar gewesen. „Die Regierungen in Bund und Ländern hätten die klaren Signale früher wahrnehmen müssen, um dann entsprechende Maßnahmen einzuleiten.“

EU-Gesundheitskommissarin: Schutzmasken schützen nicht sicher

Die EU-Kommission geht davon aus, dass das Tragen einer Schutzmaske in der Öffentlichkeit nicht sicher vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagausgaben), Schutzausrüstung sollte zuerst und vor allem an diejenigen gehen, die sie am dringendsten benötigen – die Beschäftigten im Gesundheitswesen, die von kranken Personen umgeben seien und Tag und Nacht arbeiteten, um Leben zu retten. Die Verwendung von Gesichtsmasken verringere auch das Risiko, dass bereits infizierte Personen das Virus auf andere übertragen.

„Es gibt jedoch keine Sicherheit, dass das Tragen einer Maske auf der Straße irgendjemanden davor schützt, infiziert zu werden.“ Die Gesundheitskommissarin erklärte zugleich, das von der EU eingeleitete gemeinsame Beschaffungsverfahren der Mitgliedstaaten für medizinische Schutzausrüstung habe sich als erfolgreich erweisen. „Vergangene Woche erhielten wir Angebote von Unternehmen für wichtige Gegenstände wie Masken, Handschuhe, Schutzbrillen, Gesichtsschutz, Operationsmasken und Overalls. Bei einigen Artikeln übertrafen die Angebote sogar die Anfragen der Mitgliedstaaten.“ Die Kommission arbeite jetzt rund um die Uhr, damit sichergestellt werde, dass die Ausrüstung so schnell wie möglich geliefert werden könne.

Ökonomen warnen vor Einsatz des ESM in Coronakrise

Forscher des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) raten vom Einsatz des Euro-Rettungsschirms ESM in der derzeitigen Coronakrise ab. In einer Analyse, über welche die „Welt“ (Montagsausgabe) berichtet, haben die Ökonomen untersucht, wie die Mitgliedstaaten der EU einander in der Coronakrise finanziell gegenseitig stützten könnten. Das Ergebnis: Den Einsatz vorsorglicher Kreditlinien des Euro-Rettungsschirms ESM (ECCL) halten die Ökonomen unter den gegenwärtigen Bedingungen für gefährlich.

Sie warnen davor, dass solche Kredite unter den gegenwärtigen Bedingungen die Situation der betroffenen Staaten sogar noch verschlimmern könnten. Abgerufene vorsorgliche Kreditlinien des ESM, sogenannte ECCL, müssten nach den geltenden Regeln innerhalb von zwei Jahren zurückgezahlt werden. „Der Einsatz vorsorglicher Kreditlinien des ESM ist unter den gegebenen Bedingungen sehr problematisch, weil diese Kreditlinien nur kurze Laufzeiten haben und bald zurückgezahlt werden müssen“, sagte Jürgen Matthes, Leiter des Bereichs Internationale Wirtschaft beim IW. Das gefährde die langfristige Tragfähigkeit der Staatsfinanzen betroffener Staaten.

Er und sein Co-Autor Markus Demary empfehlen der Politik stattdessen langfristigere Hilfen. „Den betroffenen Staaten sollte mit sehr langfristigen Krediten und Transfers geholfen werden“, sagte Matthes. „Das gibt den betroffenen Staaten größeren finanziellen Spielraum, auch weil die Inflation über viele Jahre den Wert der Schulden auffrisst und die Staatsverschuldung langfristig tragfähiger macht.“

Die beiden Ökonomen halten deswegen Corona-Anleihen für das geeignetste Instrument, um eine neue Euro-Krise zu verhindern. Die Bundesregierung und andere nordeuropäische Staaten lehnen gemeinsame europäische Anleihen bisher ab und favorisieren den Einsatz des ESM.

Corona-Pandemie: Klinikum Wolfsburg nimmt keine Patienten mehr auf

Das Klinikum Wolfsburg nimmt ab sofort keine Patienten mehr auf. „Da Mitarbeiter des Klinikums Wolfsburg positiv auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet wurden, werden die Sicherheitsmaßnahmen weiter erhöht. Ab sofort sind keine Besuche mehr erlaubt (auch nicht die bisherigen Ausnahmen), es werden keine neuen Patienten aufgenommen“, teilte die Stadt Wolfsburg am Sonntag mit.

Neue Patienten verteile man auf umliegende Krankenhäuser. „Das gesamte Klinikumspersonal arbeitet ab sofort im Vollschutz. Die Patienten werden so verteilt, dass nur noch ein Patient pro Zimmer liegt“, heißt es in der Mitteilung.

Man veranlasse weitere Tests auf Infektionen. Die Stadt Wolfsburg hatte am Sonntagnachmittag 145 Corona-Infizierte und insgesamt 15 verstorbene Corona-Patienten gemeldet.

Corona-Zahlen steigen langsamer – Wochenendeffekt bringt Unsicherheit

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus ist am Sonntag deutlich langsamer angestiegen – welchen Einfluss dabei ein „Wochenendeffekt“ hatte, ist aber völlig unklar. Laut direkter Abfrage bei den Landesministerien, Städten und Landkreisen waren bis Sonntagabend 61.317 Personen in Deutschland positiv auf das Coronavirus getestet, ein Anstieg um rund 7 Prozent gegenüber Samstagabend. Dies würde einer Verdoppelungszeit von rund zehn Tagen entsprechen – die die Bundeskanzlerin als erstes Etappenziel genannt hatte.

Manche Gesundheitsämter veröffentlichten am Sonntag aber keine Zahlen, auch viele Testlabors arbeiten am Wochenende mit einer womöglich anderen Dynamik. Die Zahl der Genesenen in Deutschland stieg dagegen bis Sonntagabend einer Hochrechnung zufolge auf rund 15.600 an, die Zahl der Todesopfer auf 487, was 65 mehr als am Vortag sind. Demnach gab es am Sonntagabend in Deutschland rund 45.200 aktive Infektionen mit Nachweis, das waren nur rund vier Prozent mehr als am Vortag.

Die höchste Dichte unter den Bundesländern gab es laut der vorliegenden Zahlen in Hamburg, wo bis Sonntag 113 Infektionen je 100.000 Einwohner nachgewiesen wurden. Dahinter lagen Baden Württemberg (113), Bayern (107) und Nordrhein-Westfalen (78). Die niedrigste Inzidenz war weiterhin in Mecklenburg-Vorpommern zu verzeichnen, wo bislang nur 22 Infektionen je 100.000 Einwohner nachgewiesen wurden.

Auch in Sachsen-Anhalt (29), Brandenburg (33) und Schleswig-Holstein (35) waren die Infektionszahlen unter Bundesdurchschnitt. Die Zahlen weichen von denen des Robert-Koch-Instituts ab, da dieses nicht selbst bei den örtlichen Behörden abfragt, sondern auf die elektronische Meldung wartet, was oft einige Tage in Anspruch nimmt.

Saarland meldet viele Verstöße gegen Ausgangssperre

Im Saarland gab es am Wochenende viele Verstöße gegen die seit einer Woche gültige Ausgangssperre. Am Staden, einem an der Saar liegenden Erholungsgebiet in Saarbrücken, brauchte die Polizei zwei Stunden für eine Räumung. Es habe „unzählige Verstöße gegen die Allgemeinverfügung“ gegeben, teilten die Beamten am Sonntagabend mit.

Seit Freitagmittag seien landesweit über 300 Mitteilungen über Verstöße eingegangen. Gerade am Staden habe die Polizei „alle Hände voll zu tun“ gehabt. Einige Saarländer hätten „den Ernst der Lage noch nicht erfasst und Unverständnis gegenüber den Maßnahmen der Einsatzkräfte“ geäußert, hieß es.

Die Landesregierung hatte am Mittwoch die Allgemeinverfügung zur Ausgangsbeschränkung harmonisiert und damit an die Beschlussempfehlung des Bundes angepasst, um für Klarheit zu sorgen. Sport und Bewegung an der frischen Luft sind demnach alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder mit den Personen, die im selben Haushalt leben, möglich. Das Verlassen der eigenen Wohnräume ist ansonsten nur noch bei triftigen Gründen erlaubt.

Besuche bei Freunden oder Bekannten seien auch weiterhin nicht gestattet. Übernachtungen in Hotels sind nur aus beruflichen oder wichtigen persönlichen Gründen gestattet.