Wenigstens in Idlib ist sie „Kanzlerin der Herzen“: Syrische Fanboys widmen Merkel Graffiti

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Das Merkel-Mural in Idlib (Screenshot:Twitter)

Jeder Spitzenpolitiker hat seine ihm in blinder Hingabe und Liebe verbundene Anhängerschaft – meistens findet sie sich im eigenen Land. Nicht so bei Angela Merkel: Deren Fanbase befindet sich rund 3.400 Kilometer südöstlich – im syrischen Idlib. Dort feierten syrische Merkel-Afficionados die Nachricht vom negativen Corona-Test der Kanzlerin mit einem Wandgemälde.

Es ist die bislang größte bildliche Umsetzung der in der gesamten arabischen Hemisphäre geläufigen Floskel „Danke Merkel“ zur Huldigung der Selfie-Kanzlerin, die mit ihrem flüchtlingspolitischen Alleingang den Massenexodus 2015 in Gang setzte – und auf der deshalb auch jetzt wieder Hoffnungen von Millionen Flüchtlingen ruhen. Hoffnungen freilich, die Deutschland derzeit vor allem wegen Corona (beim besten Willen der Regierung) nicht erfüllen kann.

Deutsche Medien jubilierten über das von dem syrischen Künstler Asis al-Asmar erschaffene Mural. Der Künstler malt laut „n-tv“ über Themen, in denen es „um Gerechtigkeit und Menschlichkeit“ geht.

„Große Sympathien in Syrien“

Der Sender meldete verzückt: Dass Merkel trotz aktueller Quarantäne nicht an Covid-19 erkrankt ist, freut „nicht nur die Kanzlerin selbst, sondern auch die Menschen in Syrien – dort genießt Merkel große Sympathien“. Der Versuch, aus der Ferne moralischen Druck auf die Kanzlerin auszuüben, könnte Erfolg haben: Nur zähneknirschend stimmte Merkel bekanntlich den vorübergehenden Grenzschließungen wegen Corona zu.

Das Merkel-Bildnis entstand in den Trümmern eines von ausgebombten Gebäudes in Idlib – also genau, wo ausgerechnet Merkels enger Verbündeter und Freund Recep Tayyip Erdogan seit Oktober 2017 mit seiner Soldateska völkerrechtswidrig einmarschiert war. In der Rebellenprovinz ist Merkels Reputation besonders ausgeprägt. Das rote Herz des Graffitis wie auch der Text „Frau Merkel, ihr Wohlergehen freute uns in Idlib“ zogen die Aufmerksamkeit diverser weltweiter und sozialer Medien auf sich. (DM)