Totalversagen des Krisenmanagements: Immer mehr Arztpraxen müssen mitten in der Corona-Krise dichtmachen

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Coronavirus: Warnhinweis an Arztpraxis (Foto:Imago/Nikita)

Besonders drastisch ist die Situation in der Hauptstadt: Dort mussten schon über 100 kassenärztliche Praxen geschlossen werden, weil zu viele Mitarbeiter wegen rigoroser Quarantäne-Maßnahmen fehlen – vor allem aber, weil es an Schutzkleidung mangelt. Ein Armutszeugnis, angesichts der angeblich so gut aufgestellten Versorgungslogistik in der Corona-Pandemie.

Diese Zahl dürfte deutlich steigen, und auch außerhalb Berlins zeichnet sich das Problem bundesweit ab: Vorgestern warnte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin in einem Brief an den Regierenden SPD-Bürgermeister, Michael Müller, dass spätestens zu Ostern ein „Kollaps des Gesundheitssystems“ drohe. Die ungeschützte Behandlung von Patienten durch Praxenpersonal sei ein untragbarer Zustand, der zu zahlreichen Neuinfektionen führt – was sich an der hohen Zahl in Quarantäne geschickter medizinischer Angestellter und Mitarbeiter zeige. So kann die Grundversorgung über fachärztliche Praxen absehbar nicht mehr lange aufrechterhalten werden.

In Berlin sind, wie „Bild“ berichtet, erst 23.000 der vom Bundesbeschaffungsamt georderten Schutzmasken bei der KV eingetroffen – entsprechend dreieinhalb Masken für jede der 6.500 Praxen. Weil nach drei Patienten die Masken gewechselt werden müssen, sind die Kapazitäten nach wenigen Stunden am Ende.

Nur Bruchteile Schutzausrüstung bislang in Berlin verfügbar

Der realistische Bedarf für die kommenden sechs Monate läge – alleine für Berlin – bei folgenden (von „Bild“ zusammengestellten) Mengen: für die nächsten sechs Monate 600.000 Masken für Mund- und Nasenschutz; 1,5 Mio. Atemschutzmasken der besseren Schutz-Stufe (FFP2); 20.000 Masken der höchsten Stufe (FFP3). Dazu kommen drei Millionen Schutzkittel und 50 000 Schutzbrillen.

Inzwischen wird in Berlin bereits über die Beschlagnahme von Warenbeständen aus dem Handel nachgedacht, etwa in Drogeriemärkten. Die von CDU-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn immer wieder beteuerte Versorgungssicherheit und bedarfsgerechte Lieferung von Ausrüstung versagt offenbar bereits vor dem eigentlichen Ausbruch der Epidemie. (DM)

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