Kreditabsagen für kleine Unternehmen: Die Banken als Bremsklotz der Wirtschaftsrettung

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Bankenviertel Frankfurt (Foto:Imago/Sattler)

Das war zu erwarten: Die Banken verhalten sich in der Corona-Krise keinen Deut anders als sonst. Erste Erfahrungen seit Einleitung des Corona-Lockdowns zeigen: Die Big Player der Wirtschaft, Großindustrie und internationale Unternehmen erhalten mühelos Kredite – während das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – kleinere und mittlere Betriebe (KMU) – abgewiesen wird.

Die Risikobewertung folgt offenkundig denselben Kriterien wie zu Nicht-Pandemie-Zeiten: „Viele Betriebe berichten, ihre Banken hätten ihnen Kredite verweigert oder Wucher-Zinsen verlangt. Die Angst wächst, dass nur große Player die Krise überleben“, schreibt der Tagesspiegel und berichtet einer gerade bewilligten 15-Milliarden-Euro-Kreditlinie für den Konzern Airbus, um die Krise der kommenden Monate zu überwinden. Die Liquidität der Großen ist damit gesichert – doch die Masse der kleineren Firmen „…gelingt es nicht, in der Coronakrise liquide zu bleiben“, so die Zeitung.

Vollmundige Versprechen der Politik, in Not geratene Firmen könnten auf besondere Kredite zugreifen, auch dank staatlicher Bürgschaften und Ausfallsicherheiten, erweisen sich als heiße Luft. Gastronomen, Veranstalter, etliche Solo-Selbständige von Schauspielern über Künstler und Musiker bis hin zu Webdesignern und Programmierern, aber auch Handwerker, Freiberufler und Gründer – sie alle stehen ohne Einnahmen dar.

Kredite nur für unproblematische Big-Player

Bei größtenteils weiterlaufenden Kosten: Mitarbeiterlöhne, Mieten, Hypotheken, Versicherungs- und Leasingraten, Kreditannuitäten und andere Verpflichtungen fallen weiterhin an. Die Millionen betroffenen wissen schon jetzt – nach noch nicht einmal zwei Wochen Shutdown und gerade einmal 4 Tagen Kontaktsperre – nicht mehr weiter. Für sie alle wären normalerweise die Bankdarlehen gedacht.

Von ihren Hausbanken werden die meisten jämmerlich im Stich gelassen; nicht einmal Dispokredite sind für viele erreichbar. Im Gegenteil: Der „Tagesspiegel“ berichtet vom Beispiel eines Eventunternehmers aus München, dem die Deutsche Bank sogar den gerade erst vor der Krise eingeräumten finanzielle Spielraum kündigte. In den sozialen Medien berichten zahllose Unternehmer ähnliches: Trotz der akuten Notlage fordert das Institut bis Ende April Kredite zurück. Anscheinend ist man bereits im Verlustbegrenzungsmodus. Ähnlich sieht es bei Hypo- und Commerzbank aus.

Wenn dann doch noch Kredite gewährt werden, geht dies – entsprechende Bonitätsnachweise vorausgesetzt – oft nur über Finanzvermittler, zu denen manche Hausbanken ihren Kunden raten – dort dann zu (angesichts der derzeitigen Lage und vor dem Hintergrund der bisherigen Nullzinspolitik haarsträubenden) Wucherzinsen von 16 Prozent und mehr. Der „Tagesspiegel“ berichtet von Bankberatern, die „aus internen Weisungen zitiert hätten“, wonach derzeit wegen der Coronakrise grundsätzlich keine Kredite an Unternehmen auszureichen seien, die „von Insolvenz betroffen“ sein könnten. Dies wären dann, wenn es noch einige Wochen so weiterläuft, praktisch alle. (DM)
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