Die 500-Milliarden-Mogelpackung: Corona-Rettungsgelder kommen gar nicht bei den Unternehmen an

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Symbolbild:Imago/ActionPictures
Der von der Bundesregierung vollmundig angepriesene, laut Wirtschaftsminister Altmeier „grenzenlose“ Rettungsschirm von 500 Milliarden Euro für existenzbedrohte Unternehmen entpuppt sich als glatte Lüge. Beispielhaft für viele mittelständischen Unternehmen berichtet das Branchenblatt „Schuhmarkt“ von Erfahrungen deutscher Schuhhändler, die über ihre Hausbanken Hilfs- und und Überbrückungskredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) abrufen wollten. Die KfW-Mittel, so die von dem Magazin zusammengefassten Erfahrungen, haben einen „doppelten Haken“: Die KfW federt zwar 70-90 Prozent der Kredithaftung ab, doch je nach Rating des betreffenden Unternehmens muss dieses 10 bis 30 Prozent selbst schultern. Hier ist nun entscheidend, dass die KfW eine positive Kapitaldienstfähigkeit des Antragstellers voraussetzt. Es ist im Prinzip dasselbe wie in „gesunden“ Zeiten, ob es um 10 oder 100 Prozent eines beantragten Kredits geht: Geld bekommt nur geliehen, wer den umfangreichen Nachweis führen kann, dass er es eigentlich gar nicht bräuchte. Genau diese Vergabepolitik aber ist in Zeiten einer Krise Gift, in der die CashFlows fehlen. Der von „Schuhmarkt“ interviewte Gründerchef des Online-Händlers „Schuhe24″, Dominik Benner, führt hierzu aus: „Wir haben über 120 Anträge von Unternehmen bis zum 23.3. erhalten, kein einziger geht so durch, die meisten werden abgelehnt. Nur ganz wenige Unternehmen mit Top-Bonität erhalten einen Kredit, aber auch geringer als beantragt.“Fulltime-Job: Beschaffen der benötigten Unterlagen

Auch andere Branchen berichten von ähnlichen Problemen – und dazu auch noch von schikanösen, teilweise schon bürokratisch gar nicht zu leistenden Vorgaben, die am Anfang des Antragsprozesses stehen und die meisten notleidenden Unternehmer bereits verzweifeln lassen. Heute zirkulierten im Netz Screenshots der notwendigen Unterlagen und Informationen, mit denen die betroffenen Unternehmer ihre Anspruchsberechtigung und Qualifikation für die Programme nachweisen müssen:

Screenshot:Twitter

Welcher Einzel- oder Kleinunternehmer kann diese Voraussetzungen erfüllen und entsprechend dokumentieren – und dann auch noch so zeitnah einreichen, dass er rechtzeitig an Staatsgelder kommt? Es läuft, das lässt sich feststellen, mit den Corona-Hilfskrediten deshalb befürchtungsgemäß schon genau so wie außerhalb der Krise: Big Player und Großunternehmen, die die umfangreichen Formalitäten mühelos durch ihre Finanz- und Rechtsabteilungen oder externe Dienstleister erfüllen können, kommen spielend leicht an das Geld – während die am schlimmsten betroffenen Einzelkämpfer und Kleinunternehmen gar nicht die Unterlagen parat oder die Manpower im Hintergrund haben, die Hürden zu nehmen. Das ist auch der Grund, warum nationale oder EU-Fördergelder meist nur den Unternehmen zugute kommen, die sie gar nicht nötig hätten – weil nur diese den geforderten harten wirtschaftlichen Kenndaten standhalten, und über die internen oder externen Profis verfügen, die sich in der Wissenschaft des Kleingedruckten, der Vordrucke und Formblätter auskennen.

Nur 100%-ige Staatshilfen wären hilfreich

Aus Sicht der Banken scheint die Zurückhaltung sogar nachvollziehbar: Da in der momentanen Krise überhaupt keine Umsatz- und Ertragsprognosen abgegeben werden können, gleicht jede Kreditvergabe einem Vabanque-Spiel und kann unter kreditpolitischen Aspekten kaum vertreten werden. Allerdings mindert der hohe KfW-Anteil ja das Ausfallrisiko erheblich; dafür wurden die Maßnahmenpakete ja konzipiert.

Wirkliche Rettung würde nur eine hundertprozentige Haftungsübernahme bringen; genau die gewährt die Bundesregierung bislang aber nicht. Nur eine vollumfassende, rasche Soforthilfe ohne Abstriche eignet sich als echte Rettungsaktion; alles andere ist, so auch Dominik Benner, „kompletter Unsinn und kommt im Mittelstand nicht an“. (DM)

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