Rette sich wer kann: EU will sich in die Corona-Krise einschalten

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Foto: Katarina Barley (über dts Nachrichtenagentur)

Zuerst und viel zu lange haben sich die EU-Bonzen vornehm bei der Bewältigung der Corona-Krise zurückgehalten, aber jetzt schlägt die Bürokratie mit aller Macht zurück – weil die Rufe nach einer europäischen Lösung für die Verteilung von Corona-Erkrankten mit schweren Symptomen immer lauter werden.

„Die EU-Kommission sollte bei der Verteilung von Kranken mit schweren Symptomen auf Intensivbetten eine stärker koordinierende Rolle spielen. Sie sollte die Länder ermutigen, freie Intensiv-Kapazitäten zu melden“, sagte Peter Liese (CDU), gesundheitspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europaparlament, der „Welt“ (Donnerstagsausgabe).

Die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Katarina Barley (SPD), sieht das ähnlich: Die EU-Kommission habe viel zu spät angefangen, die Maßnahmen in der Krise zu koordinieren, sagte sie. „Sie hat jetzt zwar damit begonnen, die Beschaffung und Verteilung von medizinischen Hilfsgütern zu organisieren“, so die Vizepräsidentin des EU-Parlaments weiter. Denkbar sei aber auch, dass die EU-Kommission die Auslastung von Krankenhäusern organisiere.

„Das machen die Mitgliedstaaten momentan unter sich aus“, sagte Barley der „Welt“. Die grenzüberschreitende Verteilung von Intensivpatienten ist bisher die Ausnahme. Deutsche Kliniken hatten in den vergangenen Tagen Intensivpatienten aus Frankreich aufgenommen, sie wurden auf mehrere Kliniken in Baden-Württemberg aufgeteilt.

Auch einige italienische Patienten wurden nach Deutschland ausgeflogen. In beiden Fällen handelt es sich um sehr wenige Menschen.

Es funktioniert also auch ohne die EU – wahrscheinlich noch viel besser, weil schneller.

Wenn aber nun die EU beschließt, schwer kranke Patienten aus Spanien nach Polen zu verfrachten, weil da gerade mal – für kurze Zeit – Betten frei sind, droht das nächster Chaos, was eben diese Patienten und diejenigen, die diese transportieren müssen – auszubaden haben.

Und ob das noch lange so gut geht, ist auch fraglich. Man denkt bereits jetzt schon daran, was passiert, wenn sich die Situation verschlimmert.

Die deutschen Ärzte stellen sich darauf ein, Entscheidungen über Leben und Tod treffen zu müssen, wenn wegen eines möglichen Ansturms von Corona-Patienten die Intensivkapazitäten nicht mehr ausreichen. Für diesen Fall haben am Mittwoch sieben medizinische Fachgesellschaften einen Katalog mit Handlungsempfehlungen verabschiedet, über den die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Donnerstagsausgabe) berichtet. In dem Papier mit dem Namen „Entscheidungen über die Zuteilung von Ressourcen in der Notfall- und Intensivmedizin im Kontext der Covid-19-Pandemie“ heißt es, es sei „wahrscheinlich, dass auch in Deutschland in kurzer Zeit und trotz bereits erfolgter Kapazitätserhöhungen nicht mehr ausreichend intensivmedizinische Ressourcen für alle Patienten zur Verfügung stehen, die ihrer bedürfen“.

Dadurch entstünden „Konflikte bei Entscheidungen über intensivmedizinische Behandlungen“, bei deren Lösung die neuen Handreichung helfen solle. Die Empfehlungen legen fest, dass die medizinische Indikation und der Patientenwille für die Weiterbehandlung entscheidend seien. Eine Intensivtherapie sei dann nicht indiziert, wenn der Sterbeprozess unaufhaltsam begonnen habe, wenn die Therapie aussichtlos sei, weil keine Besserung oder Stabilisierung zu erwarten sei, oder wenn das Überleben nur bei dauerhaftem Aufenthalt auf der Intensivstation gesichert werden könne.

„Wenn nicht mehr alle kritisch erkrankten Patienten auf die Intensivstation aufgenommen werden können, muss analog der Triage in der Katastrophenmedizin über die Verteilung der begrenzt verfügbaren Ressourcen entschieden werden“, heißt es in dem Papier weiter. Es sei „unausweichlich“ eine Auswahl zu treffen, welche Personen akut- oder intensivmedizinisch behandelt werden „und welche nicht (oder nicht mehr)“. Dies bedeute eine Einschränkung der sonst gebotenen patientenzentrierten Behandlungsentscheidungen und stelle „enorme emotionale und moralische Herausforderungen für das Behandlungsteam dar“, heißt es in dem Empfehlungskatalog der medizinischen Fachgesellschaften, über den die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet.

Klare Handlungsempfehlungen könnten aber die Teams entlasten und zugleich das Vertrauen der Bevölkerung in das Krisenmanagement der Krankenhäuser stärken.

Das klingt alles nicht gut. Eins ist aber auf jeden Fall jetzt schon klar: Diese EU ist so überflüssig wie ein Kropf – und dazu noch gefährlich. (Quelle: dts)