Corona-Virus: In Schweden irgendwie kein Thema

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Menschen im Frühling (Symbolbild: shutterstock.com/Von Anna in Sweden)

Während die deutsche Bundesregierung das soziale, wirtschaftliche und demokratische Leben in diesem Land im Namen von Corona lahmlegt und aushebelt, reibt man sich erstaunt die Augen, wie Schweden dem Virus begegnet.

Nicht, dass Schweden vom Corona-Virus verschont geblieben wäre. Auch dort gibt es Corona-Erkrankte- und Sterbefälle. Jedoch hat sich die dortige Regierung entschlossen – anders als in Deutschland oder Österreich – das Land nicht komplett lahm zu legen. Dort haben Grundschulen und Kindergärten ebenso geöffnet wie Restaurants und Geschäfte. Die Schweden können sich nach wie vor frei bewegen und über Ostern dem Skifahren frönen.

Die schwedische Regierung hatte frühzeitig für eine Sensibilisierung der Bevölkerung gesorgt und dazu aufgerufen, „Verantwortung zu übernehmen“ und sich an die offiziellen Empfehlungen zu halten. Angeregt wurde möglichst im Homeoffice zu arbeiten, bei Krankheit zu Hause zu bleiben, Abstand zu halten. Insbesondere jedoch wurde sich um die sogenannten Risikogruppen – also Menschen über 70 und solche mit Vorerkrankungen – gekümmert.

Die schwedische Gesundheitsbehörde rief die Bevölkerung aktuell dazu auf, auf Besuche bei der Verwandtschaft an Ostern zu verzichten. Sekundarschulen und Universitäten sind geschlossen und unterrichten online. Am Dienstag gab es leichte Einschränkungen. Restaurants, Cafés und Kneipen bleiben weiter geöffnet, jedoch gibt es in den Lokalen bis auf Weiteres nur noch die Bedienung für am Tisch sitzende Gäste.

Bei Kritik an dem vergleichsweise entspannten Umgang mit der Pandemie verweisen Po­litiker auf den Rat der Gesundheitsbehörde, berichtet hierzu das Ärzteblatt. Sie empfiehlt derzeit noch keine strengeren Maßnahmen. Am Montag ermunterte der renommierte schwedische Epidemiologe Johan Giesecke, der als Berater für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) arbeitet, die Menschen, sich nicht im Haus zu verschanzen. „Zu Hause zu sitzen ist auch schlecht für die Gesundheit“, sagte er im öffentlich-rechtlichen Fernsehsender SVT. „Schnappen Sie sich einen Freund und gehen Sie in einem Meter Abstand spazieren. Nehmen Sie eine Thermoskanne mit und setzen Sie sich auf eine Parkbank“, empfahl der Wissenschaftler. Ähnlich der Staatsepidemiologe Anders Wallensten, der in einer Pressekonferenz sagte, dass Schweden keinen Shutdown vollziehen sollte, wie das öffentlich-rechtliche „Sveriges Radio“ berichtete. Diejenigen, die es könnten, sollten aktiv bleiben, „im Interesse einer guten öffentlichen Gesundheit“.

Den gemeldeten Infektionen zufolge ist die Epidemie in Schweden nicht viel schlimmer als in den Nachbarländern. Bis Dienstag wurden 2510 Fälle registriert. 42 Menschen sind in Schweden mutmaßlich an den Folgen des Virus gestorben. Zum Vergleich: n Dänemark sind es mehr als 1700 (die Færøer-Inseln und Grönland ausgenommen), in Norwegen sind es mehr als 2500 und in Finnland 792 registrierte Infektionen. (SB)