Corona sei Dank: Freigänger müssen nicht in den Knast zurück

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JVA Frankfurt am Main I (Foto:Imago/epd)

Welch „frohe Botschaft“ für Knackis im offenen Vollzug: Um die Häftlinge in hessischen Gefängnissen vor dem Coronavirus zu schützen, müssen Freigänger im offenen Vollzug in immer mehr JVA’s vorerst nicht in die Haft zurück. Beispielsweise ist in hessischen Gefängnissen bislang keine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt worden – anscheinend will man, dass dies so bleibt.

Wie das hessische Justizministerium in Wiesbaden bereits am Montag dem Evangelischen Pressedienst „epd“ auf Anfrage mitteilte, betrifft dies rund 50 Straftäter. Angesichts zwar insgesamt rund 4500 Gefangenen fällt die Zahl statistisch nicht ins Gewicht, dennoch handelt es sich um eine unter normalen Umständen gänzlich inakzeptable Lockerung der Rechtspflege. Verhindert werden soll anscheinend, dass das Virus von zurückkehrenden Freigängern in die Gefängnisse eingeschleppt wird.

Damit nicht genug; von den Schutzmaßnahmen profitieren auch noch weitere Missetäter mit harmloserem Tathintergrund: So müssen auch Verurteilte, die eine Geldbuße nicht bezahlt haben und darum eine Ersatzfreiheitsstrafe antreten müssten, derzeit „nicht zum Haftantritt geladen“. Dabei handele es sich jedoch nur um „Fälle von Kleinkriminalität“, so der Pressesprecher des Ministeriums.

Auch andere Bundesländer haben ähnliche Regeln angewandt oder angekündigt; in NRW sind ebenfalls Freigänger von der Rückkehrpflicht zeitweilig befreit, und Haftantrittsladungen können auf Antrag der örtlichen Behörden ausgesetzt werden, wie die „Rheinische Post“ berichtet. (DM)