IW-Studie: Klopapier wird zunehmend online bestellt

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Foto: Fast ausverkauftes Klopapier im Supermarkt (über dts Nachrichtenagentur)

Scheißen, bis der Paketbote kommt: Für den Onlinehandel bietet die Corona-Krise die Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen und Waren anzubieten, die zuvor dem stationären Handel vorbehalten blieben. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), über welche die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagausgaben) berichten, zeige, wie sich das Interesse an den typischen Corona-Krisen-Gegenständen entwickelt hat. Das Ergebnis: Nudeln seien schon vor Corona online gesucht und bestellt worden – Klopapier hingegen sei erst seit der Corona-Krise digital ein großes Thema, heißt es in der IW-Studie.

Prognosen des Handelsverbands Deutschland (HDE) aus dem Januar seien für 2020 von einem Gesamtumsatz im Einzelhandel von rund 557 Milliarden Euro ausgegangen, berichten die Zeitungen weiter. Der Onlinehandel sollte rund 63 Milliarden Euro, also gut elf Prozent, dazu beitragen. Die Corona-Krise führe nun dazu, dass diese Prognosen vermutlich nach oben korrigiert werden müsse.

Im Offline-Handel, also in den Supermärkten vor Ort, hätten Verbrauchsgüter wie Drogerieartikel, Tiernahrung oder Lebensmittel mit 42,5 Prozent mit Abstand den größten Teil zum Gesamtumsatz 2018 beigetragen. Im Onlinehandel dagegen machten diese Produkte 2018 nach Angaben des IW lediglich einen Anteil von 8,4 Prozent aus. Doch jetzt werden auch Lebensmittel zunehmend online gekauft: Vorausgesetzt, die Onlinehändler verfügten über ausreichend personelle Ressourcen und logistische Strukturen, um die stark gestiegene Nachfrage zu bedienen, schreiben die IW-Forscher.

Tatsächlich seien die Begriffe „Konserven, Klopapier und Desinfektionsmittel“ vor Januar 2020 im Internetsuchdienst Google kaum gesucht worden, heißt es in der IW-Studie, über welche die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichten. Erst innerhalb des vergangenen Monats seien die Suchanfragen rapide angestiegen. „Klopapier“ hätte am 14. März seinen Höhepunkt verzeichnet, der Begriff „Nudeln“ hingegen sei relativ oft über den gesamten Zeitraum gesucht worden.

Jedoch hätte auch hier analog zu „Klopapier“ am 14. März die höchste Suchanfrage verzeichnet werden können. „Die wachsende Bedeutung des Onlinehandels im Bereich der Verbrauchsgüter dürfte die Krise überdauern“, heißt es in der IW-Studie.

Hier weitere Meldungen zu diesem Thema:

Krankenhausverband bereitet Personal auf „Lazarett-Szenarien“ vor

Wegen der befürchteten Überlastung mit Corona-Kranken stellen die Katholischen Kliniken ihr Personal darauf ein, nicht alle Patienten behandeln zu können. „Wir versuchen in unseren Häusern, Ärzte und Pflegekräfte auf solche extremen Herausforderungen vorzubereiten, in denen sie eine Auswahl treffen müssen“, sagte Ingo Morell, Vize-Vorsitzender des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschland (KKVD), der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Anlass seien Gespräche mit italienischen Kollegen.

„Wir setzen uns intensiv mit diesen eigentlich unvorstellbaren Lazarett-Szenarien auseinander und werden versuchen, eine seelsorgerische Betreuung des Personals sicherzustellen, damit Ärzte und Pflegekräfte in diesen Extremsituationen nicht alleine sind, sondern damit das gemeinsam getragen werden kann“, sagte Morell. „Nach welchen Kriterien können solche Entscheidungen getroffen werden? Eine einfache Antwort wird es nie geben, und wir dürfen niemanden mit dieser Verantwortung alleinlassen.“ Den überarbeiteten Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für einen finanziellen Krankenhaus-Schutzschirm kritisierte der Verband als völlig unzureichend.

„Wenn Spahn nicht sofort nachbessert, werden die ersten Häuser im April in Zahlungsschwierigkeiten kommen. Es braucht unbedingt kurzfristige Liquiditätshilfe in Form von Überbrückungskrediten, sonst wird es nicht gehen“, warnte Morell in der`NOZ. „Wenn Mitarbeiter weiter befürchten müssen, am Ende des Tages blieben sie im Regen stehen, hat das eine verheerende psychologische Wirkung. Das darf nicht passieren. Denn wir schaffen es nur, wenn sich alle weiterhin maximal engagieren, wie sie es jetzt noch tun.“ Die Verunsicherung in den Krankenhäusern sei auch nach dem am Montag vom Kabinett verabschiedeten Gesetzentwurf „gewaltig“, sagte Morell. Denn den Kliniken würden Einnahmen aus dem normalen Krankenhausbetrieb wegbrechen, wenn etwa die Fallpauschalen nicht mehr abgerechnet werden könnten, weil dafür nicht das erforderliche Personal eingesetzt werden könne.

Auch der Bettenleerstand werde durch Spahns nachgebessertem Rettungsschirm „nicht so ausgeglichen, wie es notwendig wäre, um ausreichende Sicherheit zu geben, gerade für große Häuser und Maximalversorger“. Mit Blick auf die Einschätzung von RKI-Chef Lothar Wieler, die Kurve der Neuinfektionen flache bereits ab, zeigte sich der KKVD-Vize skeptisch. „Wir stellen uns auf den gegenteiligen Prozess ein“, sagte Morell und warnte: „Eine verfrühte Entwarnung könnte den fatalen Effekt haben, dass jetzt nicht mehr die ganze Kraft in das Hochfahren der Kapazitäten gesteckt wird, was sich später bitter rächen würde. Die psychologische Wirkung sollte das RKI unbedingt im Blick haben.“ Bei weiter stark steigenden Zahlen „könnten wir in wenigen Wochen oder Monaten Kapazitätsprobleme bekommen“, sagte der Vize-Vorsitzende der NOZ. „Das Personal ist der größte Engpass und wird es bleiben“, so Morell. Wenn nicht genug Schutzkleidung nachgeliefert werde, „können wir den optimalen Schutz vor Ansteckung nicht mehr an allen unseren Standorten gewährleisten“, zeigte sich der KKVD-Vize alarmiert. „Länder und Bund müssen jetzt dringend zielgenau verteilen, was sie beschaffen konnten. Ansonsten haben wir hier ein großes Problem. Auch beim Material für die Patienten-Beatmung könnte es bald kritisch werden.“ Schön heute komme es zu Ansteckungen von Pflegekräften, etwa, wenn in Nachtschichten ein neuer Corona-Patient aufgenommen werden muss. „Wir können das Personal dann nicht sofort abziehen, ohne die Patientenbetreuung zu gefährden. Und es kommt vor, dass Mitarbeiter infiziert sind, ohne dass sie oder wir das wissen.“ Die Labore könnten derzeit nicht ausreichend Test-Kits liefern. Auch Rückkehrer aus Hochrisikogebieten werden eingesetzt, soweit Personalmangel herrscht und wenn sie keine Symptome zeigen. „Womöglich müssen auch wir in vier Wochen bewusst infizierte Pflegekräfte und Ärzte weiterarbeiten lassen, weil es anders schlicht nicht mehr geht, weil zu viele Patienten behandelt werden müssen“, sagte Morell.

Kinderschutzbund rechnet in Coronakrise mit mehr Gewalt

Weil viele Familien in der Coronakrise besonders unter Druck stehen, rechnet der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, mit einer Zunahme von Gewalt gegen Kinder. „Ein großes Problem ist häusliche Gewalt gegen Kinder, die jetzt zunehmen wird“, sagte Hilgers der „Rheinischen Post“ (Dienstagsausgabe). „Der Druck auf die Familien wächst, zugleich entfallen viele Sicherungsnetze.“

Weil Kitas und Schulen mit ausgebildetem Fachpersonal zu und auch die Nachbarschaftskontakte unterbrochen seien, gebe es so gut wie keine soziale Kontrolle mehr. „Betroffene Kinder, Jugendliche und Elternteile können sich aber weiterhin zu jeder Zeit an die Nummer gegen Kummer wenden“, sagte Hilgers. Die ist bundesweit unter 116111 erreichbar.

Über das Portal „Nummergegenkummer“ bleibt das Beratungsangebot auch online bestehen. Auch wenn viele Familien nun in einer Ausnahmesituation sind, warnte Hilgers vor Menschen, die sich im Netz als Kinderbetreuer anbieten. „Ich rate Eltern dringend davon ab, Kinder in die Obhut solcher Menschen zu geben, wenn sie die nicht kennen.“

Nicht umsonst hätten Kitas und Schulen Schutzkonzepte entwickelt, die Kinder vor physischer, psychischer und sexueller Gewalt schützen sollen. „Das Risiko ist zu groß“, sagte Hilgers.

Abriegelung der chinesischen Provinz Hubei wird aufgehoben

Die wegen der Coronavirus-Pandemie angeordnete Abriegelung der chinesischen Provinz Hubei wird weitgehend aufgehoben. Gesunde Bürger sollen die Provinz ab Dienstag um Mitternacht (Ortszeit) verlassen dürfen, teilten die Behörden mit. Die Provinzhauptstadt Wuhan ist bei der Lockerung allerdings noch nicht berücksichtigt – dort soll die Abriegelung am 8. April enden, berichten Staatsmedien.

Die zentralchinesische Millionenstadt gilt als Ausgangspunkt der Pandemie. Der erste Fall der Viruserkrankung Covid-19 war Anfang Dezember 2019 festgestellt worden. Die gesamte Stadt wurde schließlich Ende Januar unter Quarantäne gestellt.

Bericht: Erster Corona-Fall in Hamburger Gefängnis

In Hamburg meldet die Justizbehörde den ersten Fall eines mit dem Corona-Virus infizierten Gefangenen. Der Inhaftierte sei in der Haftanstalt isoliert und die Kontaktpersonen der vergangenen Tage bereits ermittelt worden, berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagausgaben). Es sei der bisher erste Corona-Fall in einer deutschen Justizvollzugsanstalt, berichten die Zeitungen unter Berufung auf eine Umfrage in den Bundesländern.

Einige Bundesländer hätten jedoch die Auskunft über mögliche Corona-Fällen in Gefängnissen verweigert. Um eine Infektion mit dem neuartigen Virus in den Haftanstalten zu verhindern, seien die Ersatzfreiheitsstrafen ausgesetzt worden, berichten die Zeitungen weiter. Außerdem hätten alle Bundesländer am Montag die länderübergreifenden Gefangenentransporte gestoppt.

Elf von 16 Ländern hätten die Besuche von Inhaftierten eingestellt, fünf hätten sie stark eingeschränkt und erlaubten sie nur hinter Trennwänden. Einige Länder hätten die Auflagen vorerst bis zum 19. April befristet, berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Im rheinland-pfälzischen Worms sei eine Jugendarrestanstalt aufgrund der Präventionsmaßnahmen in der Corona-Krise komplett geschlossen und der Arrest ausgesetzt worden.

Einen Corona-Fall habe es in der Jugendhaftanstalt nicht gegeben. Unterdessen hat die Gewerkschaft Strafvollzug vor Engpässen an Schutzausrüstung vor Corona-Infektionen in deutschen Gefängnissen gewarnt. „Desinfektionsmittel droht knapp zu werden, und dann stellt sich die Frage der zentralen Versorgung und Zuteilung“, sagte der Bundesvorsitzende vom Bund der Strafvollzugsbediensteten (BSBD), René Müller, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

In allen Anstalten seien Quarantäne-Stationen eingerichtet, dort solle das Personal mit Schutzanzügen, Mundschutz und Schutzbrillen bereits ausgerüstet und eingewiesen sein. „Die Ausrüstungen, wie sie auch medizinisches Personal im Umgang mit Infizierten benötigt, sind nicht überall vorhanden“, hob der BSBD-Bundesvorsitzende hervor. Ob die Bundesländer bei der Beschaffung von Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln überfordert seien, könne er nicht beurteilen. „Fakt ist, dass jedes Bundesland eigenverantwortlich handelt und bei einer Knappheit vermutlich überfordert ist, kurzfristig die notwendigen Besorgungen durchzuführen. Spätestens hier ist das Bundesjustizministerium gefordert die Versorgung zentral sicherzustellen“, sagte Müller den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Das „zu knappe Vollzugspersonal“ arbeite „am Limit“. Bei einer Infektion eines größeren Personenkreises von Bediensteten seien der Dienstbetrieb und die Sicherheit einer Anstalt gefährdet, „auch hier sollte es ein zentrales Notfallszenario geben. Die Bundesländer dürfen hier nicht allein gelassen werden“, so der BSBD-Bundesvorsitzende.

INSA: Union legt deutlich zu

Die Union hat in der neuesten INSA-Umfrage in der Wählergunst deutlich zugelegt. Laut der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts für die „Bild-Zeitung“ (Dienstagsausgabe) gewinnt die Union im Vergleich zur Vorwoche fünf Prozentpunkte hinzu und kommt nun auf 33,5 Prozent der Stimmen. Das ist laut INSA der beste Wert der Union seit der Bundestagswahl 2017 und der höchste Zuwachs, den die Union jemals in einer Woche erreicht hat.

Die Grünen verlieren dagegen drei Prozentpunkte und liegen nun bei 20 Prozent. Die SPD kann im Vergleich zur Vorwoche einen halben Prozentpunkt zulegen und kommt auf 15 Prozent der Stimmen. Die AfD verliert dagegen einen Prozentpunkt und liegt nun bei 12 Prozent.

Die FDP bleibt unverändert bei 6,5 Prozent. Die Linkspartei (7 Prozent) verliert im Vergleich zur Vorwoche zweieinhalb Prozentpunkte und kommt nun auf 7 Prozent der Stimmen. Für eine der sonstigen Parteien würden sich 6 Prozent der Befragten entscheiden.

Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD erreicht laut INSA erstmals seit Anfang Juli 2018 mit zusammen 48,5 Prozent wieder eine parlamentarische Mehrheit. Auch eine schwarz-grüne Koalition aus CDU/CSU und Bündnis90/Grünen mit zusammen 53,5 Prozent hätte eine klare Mehrheit. „Die überwiegende Zufriedenheit der Deutschen mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung in der Corona-Pandemie verschafft der Union das beste Umfrageergebnis seit der Bundestagswahl“, sagte INSA-Chef Hermann Binkert der „Bild-Zeitung“.

Die Zukunft der Union entscheide sich daran, „wie Deutschland die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen dieser Zeit besteht“, so Binkert weiter. Für die Erhebung befragte INSA im Auftrag der „Bild-Zeitung“ im Zeitraum vom 20. bis zum 23. März 2020 insgesamt 2.070 Personen.

Weil hofft auf Lockerung von Corona-Regeln nach Ostern

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat Hoffnung, dass die allerhärtesten Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise nach dem Osterfest etwas gelockert werden dürfen. Wenn man jetzt richtig auf die Bremse trete, könne die Epidemie verlangsamt werden, sagte Weil der „Bild-Zeitung“ (Dienstagsausgabe). Der normale Alltag könne dann in einigen Wochen Schritt für Schritt wieder hoch gefahren werden.

„Gelingt es uns, die Infektionszahlen runter zu bekommen, können wir vielleicht nach Ostern anfangen, wieder langsam und stufenweise die Systeme hochzufahren“, so der SPD-Politiker weiter. Man werde sich „herantasten“. Er selbst halte sich an die seit Montag geltenden Kontaktverbote.

„Im privaten Umfeld bin ich auf den Kontakt mit meiner Frau beschränkt, was sehr schön ist. Auch wenn ich am Arbeitsplatz bin, hat sich die Zahl meiner Sozialkontakte enorm reduziert und ich vermeide es auch wirklich, rauszugehen“, so der niedersächsische Ministerpräsident. Wer sich nicht an die Regeln halte, dem drohten „fühlbare Geldbußen“.

„Bei uns in Niedersachsen wird die Polizei noch viel zu tun kriegen. Das ist kein Spiel und wir meinen es sehr ernst“, sagte Weil der „Bild-Zeitung“.

Großbritannien verschärft Ausgangsbeschränkungen

Die britische Regierung hat im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des neuartigen Coronavirus die Ausgangsbeschränkungen verschärft. Die Bürger in Großbritannien sollten in den kommenden drei Wochen nur noch für „sehr eingeschränkte Zwecke“ das Haus verlassen, sagte der britische Premierminister Boris Johnson am Montagabend in einer Fernsehansprache. Darunter fielen Einkäufe des Grundbedarfs und zur medizinischen Versorgung.

Zudem sei der Weg von und zur Arbeit weiterhin erlaubt, wenn dies „absolut notwendig“ sei und nicht von zu Hause aus erledigt werden könne, so der britische Premierminister weiter. Sport im Freien solle nur noch alleine ausgeübt werden. Dagegen seien Zusammenkünfte mit mehr als zwei Personen untersagt.

Wer gegen die Ausgangsbeschränkungen verstoße, werde von der örtlichen Polizei mit Bußgeldern bestraft. Zudem habe die Polizei die Befugnis, Versammlungen von mehreren Personen aufzulösen, sagte Johnson. Zuvor waren Ende vergangener Woche bereits Schulen, Pubs und Restaurants in Großbritannien geschlossen worden.

Giffey rechnet mit Anstieg bei häuslicher Gewalt

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat eingeräumt, dass auch sie vor dem Hintergrund der derzeitigen Ausgangsbeschränkungen mit einer Zunahme an häuslicher Gewalt rechnet. „Wir haben ganz, ganz viele Frauen, die in den Sorgeberufen auch arbeiten, viele, die jetzt auch in einer schwierigen Situation sind“, sagte Giffey dem „RTL Nachtjournal“. Dies könne dazu beitragen, „dass es im häuslichen Umfeld, wenn man eben auch so viel Zeit zu Hause“ verbringe, die Kinder nicht in Kita und Schule gehen könnten, „ein erhöhtes Konfliktpotenzial gibt und dass es auch zu stärkerer häuslicher Auseinandersetzung kommt, auch zu stärkerer häuslicher Gewalt“, so die SPD-Politikerin weiter.

Dies sei auch das, womit man rechne. Umso wichtiger sei es, „dass jetzt auch die Schutzeinrichtungen weiter aufrechterhalten werden“, so die Familienministerin. Sie wies hierbei auf das Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen (Tel.: 08000-116016) hin.

Der vom Familienministerium unterstützte 24-Stunden-Dienst, der auch Beratung und Hilfe vor Ort vermittele, solle auch unter den derzeit schwierigen Bedingungen aufrechterhalten werden. Dazu sei ihr Ministerium auch im Gespräch mit den Bundesländern, „wie diese Strukturen aufrechterhalten und ausgebaut werden können, wo immer es geht“, sagte Giffey.

Fast 30.000 Coronavirus-Infektionen in Deutschland

Die Zahl der Coronavirus-Infektionen in Deutschland legt weiter zu, wenn auch die Steigerungsraten nachlassen. Laut Abfrage der dts Nachrichtenagentur bei den Landesministerien, Städten und Landkreisen waren bis Montagabend mindestens 29.742 Personen in Deutschland positiv auf das Coronavirus getestet. Das entspricht 36 Infizierten je 100.000 Einwohner, rund 15 Prozent über dem Vortageswert.

Vor dem Wochenende war die tägliche Steigerungsrate bei 25 bis 30 Prozent gewesen. Ob diese aber nun wirklich abflacht, wird sich erst Mitte der Woche zeigen, wenn alle Meldungen vom Wochenende nachgeholt sind. Auch kommen viele Städte und Landkreise schlicht mit dem Testen nicht hinterher.

Insgesamt 119 Menschen sind in Deutschland an der Infektion gestorben, 27 Prozent mehr als am Vortag. Knapp 3.000 der nachgewiesen Infizierten sind bereits wieder genesen, die Zahl der aktiven Infektionen mit Nachweis betrug demnach am Montagabend 26.675. Davon lagen mindestens 1,7 Prozent auf der Intensivstation. 459 belegte Intensivbetten wurden bis Montagabend gemeldet.

Die Zahlen weichen von denen des Robert-Koch-Instituts ab, da dieses nicht selbst bei den örtlichen Behörden abfragt, sondern auf die elektronische Meldung wartet, was oft einige Tage in Anspruch nimmt.

Paritätischer in Hessen sieht soziale Infrastruktur in Gefahr

Die Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Hessen, Yasmin Alinaghi, fürchtet den Zusammenbruch der sozialen Infrastruktur, wenn die Finanzierung in der Corona-Krise nicht umgestellt wird. „Stellen Sie sich vor: Die Corona-Krise ist vorbei und alle Kindergärten sind pleite“, sagte Alinaghi der „Frankfurter Rundschau“ (Dienstagsausgabe). Nach ihrer Einschätzung seien soziale Einrichtungen „sehr stark“ von einer finanziellen Schieflage oder einer Insolvenz bedroht.

„Wenn Leistungen nicht erbracht werden können, weil bestimmte Bereiche schließen müssen, dann fließen normalerweise auch keine Gelder. Das müssen wir dringend ändern“, so die Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Hessen weiter. Zudem äußerte sie den Wunsch, einen Sitz im Krisenstab der Landesregierung zu erhalten.

„Es gibt Themen, bei denen wir im Krisenmodus einfach nicht mitbedacht werden. Ich glaube nicht, dass das aus bösem Willen geschieht. Es ist aber nicht alles bis zum Ende gedacht“, sagte Alinaghi der „Frankfurter Rundschau“.

Als Vorsitzende der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen löst Alinaghi am Dienstag Nils Möller vom Deutschen Roten Kreuz ab. Der Vorsitz wechselt alle zwei Jahre.