Gefühls-Virus 19: Frau Merkel geht einkaufen

0

Frau Merkel erlebt die Coronakrise wie alle anderen Bürger. Auch sie geht einkaufen. Sie schiebt ihren Einkaufswagen selbst, sie legt die Artikel selbst in denselben und höchstselbst legt sie die Sachen auf das Kassenband, um dann mit ihrer eigenen Karte selbst zu bezahlen. So menschlich war schon lange keine Krise mehr. Und so eine vollsolidarische Führung des Landes auch nicht. Über die Hofberichterstatter.

von Max Erdinger

Es ist Coronakrise. Wir sind betroffen. Nicht nur von der Ausgangssperre und den Ladenschließungen, sondern generell so. Die große Betroffenheit, sozusagen. Betroffenheit ist Pflicht. Gefühlsfernsehen, bis sich vor dem Glotzophon ölige Pfützen auf dem Fußboden bilden. Interviews mit Politikern und „Experten“ im ZDF. Als Studiokulisse: Ein Meer von Teelichtern in dunkler Nacht. Die große Emotionalumnachtung. Jedes Teelicht eine verstorbene Seele. In den sozialen Netzwerken gibt es Memes und Warnungen en masse: „Wer die Coronakrise verharmlost oder das Ausmaß der Tragödie anzweifelt, wird von mir blockiert und entfreundet“. Nie war es billiger, sich auf die Seite der menschlichen Betroffenheit zu schlagen und die „Coronahäretiker auszuschwitzen“. Emotionale Reportagen aus Krankenhäusern in Deutschland, hochemotionale aus der Lombardei.

Mehrere hundert Tote an einem einzigen Tag in Italien„. Allein dieser Satz ohne jedes Begleitbild könnte ausreichen, damit man einen Kloß im Hals bekommt. Auf daß der allgemeinen Betroffenheit aber auch ja keiner entkomme, braucht es Bilder dazu. Was für welche? – Schreckliche. Am besten einen Autobahnabschnitt bei Mailand, auf dem Särge bis zum Horizont zu sehen sind. Die Krematorien laufen auf Hochtouren.

Klar: Jeder Betroffene mit einem etwas stabileren und wachsameren Gemüt, der es wagt, interessante Fragen zu stellen, ist in diesen Tagen dem islamischen Glaubensabtrünnigen gleichgestellt und jeder Betroffenheitsaufrechte darf seine persönliche Corona-Fatwa verhängen. Pandemiezersetzung hat in diesen Tagen bald denselben gräßlichen Stellenwert wie Wehrkraftzersetzung in Berlin anno 45. Zweifler, Kritiker, Defätisten waren schon immer schlimmer als jedes Virus. Möge der kerngesunde Betroffene mitsamt seinem Emotionalcorona davor bewahrt bleiben, in seiner kollektiv-gefühligen Betroffenheitssuhle vom Zweifel gestört zu werden, wo er sich doch gerade so schön menschlich und solidarisch fühlt. Nein, sollte er dem Virus entkommen, dann möge ihn bitte dieses Jahr noch der Blitz erschlagen.

Höchstwahrscheinlich geht es um eine Pandemie, nicht um die Gefühle von Gesunden. Ganz nüchterne und ruhig vorgetragene Informationen will ich sehen. Von allen Seiten beleuchtet will ich sie haben, die Corona-Pandemie. Und zwar in erster Linie von sich widersprechenden, argumentierenden Medizinern, Virologen, Katastrophenschützern – und nicht von Politikern. Es interessiert mich in der Pandemie nicht, auf welche Berater sich die Politik stützt, sondern mich interessiert, warum sie sich genau auf die unter Ausschluß aller anderen stützt. Logo: Weil sie irgendetwas tun muß, und zwar sofort. Aber während sie das muß, muß der Bürger trotzdem versuchen, herauszubekommen, ob sie auf die richtigen Leute hört.

Die Alliierten: Corona, Panik & Gefühl

Es herrscht Ausgangssperre. Im Fernsehen kommt eine Reportage über eine Familie, die in einer durchschnittlichen deutschen Wohnung aufeinanderhockt und sich gegenseitig nervt. Wir sehen ihre Körperhaltungen, ihre Mimik, bekommen ihre Sorgen mit und haben sofort wieder ein Gefühl. Schlimm muß es sein mit der Pandemie, daß die Regierung uns vor lauter Sorge um uns solche Strapazen auferlegt. Dann wird ein Psychologe eingeblendet, der erklärt, wie man sich möglichst nicht gegenseitig nervt, wenn man eng aufeinanderhockt. Ich bin mir nicht sicher, ob sich vor hundert Jahren in einer solchen Situation jemand bemüßigt gefühlt hätte, einer Familie von außen zu erklären, wie sie miteinander auskommen kann. Schön, daß wir heute so viel weiter sind. Wirklich? – Man lese das Tagebuch der Anne Frank, um einen Eindruck davon zu bekommen, was Familienzusammenhalt in größter Not einmal gewesen ist, und wie er auch ohne Psychohilfe von außen funktioniert hat. Wie sich die damals zwölfjährige Anne in ihrem Versteck in Holland gefühlt hat, vertraute sie aus Rücksicht auf alle anderen nur ihrem Tagebuch an. Segensreiche Zurückhaltung statt egomanischem Betroffenheits-Exhibitionismus in größter Not. Bewundernswert. Ich möchte gar nicht wissen, was in deutschen Familien heutzutage gebacken wäre, sollten sich ihre Lebensbedingungen immer mehr denjenigen von Anne Franks Familie im Amsterdamer Versteck annähern. Aber sei´s drum …

In diesem ganzen gefühligen Betroffenheitsmeer kann der Retter aus der Not unglaublich Bonuspunkte sammeln, wenn er sich zuversichtlich dem Volke zeigt. So geschehen dieser Tage in Berlin. Die Bundeskanzlerin ist einkaufen gegangen. In einem ganz normalen Supermarkt. Und damit es auch ja die ganze Republik weiß, wurde es quer durch sämtliche Medien berichtet. Beabsichtigte „Message“: Ach, unsere liebe Bundeskanzlerin, sie ist eben doch eine von uns. Erkenntnis: Das Volk läßt sich noch immer genau so leicht verarschen wie vor hundert Jahren schon. Wie blöde wird´s denn noch? Glaubt hier jemand ernsthaft, die Kanzlerin hätte sich in den Supermarkt begeben, weil sie gar keine andere Wahl hatte mitten in der Coronakrise? Weil sie schließlich etwas zu essen und zu trinken braucht? Daß sie deswegen mit „drei Flaschen Wein fürs Wochenende“ abgelichtet wurde, weil sie ohne diese drei Flaschen sonst auf dem Trockenen säße? Wenn Frau Merkel Wein haben will, dann bekommt sie ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit, ohne daß sie sich auch nur einen Meter selbst bewegen müsste! Fragt sich irgendwer, wie es kommt, daß auf den Fotos keiner ihrer Bodyguards zu sehen war? Fragt sich irgendwer, wie es kommt, daß die Kanzlerin wegen drei Flaschen Wein, Seife, Schattenmorellen und ein bißchen Krimskrams einkaufen geht? Fragt sich irgendwer, warum die „Bild“ ein Foto untertitelt mit: „Die Bundeskanzlerin ganz nahbar in einem Berliner Supermarkt„? Fragt sich irgendwer, wieso jemand Wind davon bekommen hat, daß die Kanzlerin einkaufen geht und dann auch gleich noch veröffentlichungsfähige Bilder davon anfertigt? Fragt sich irgendwer, wie es kommt, daß die „nahbare Kanzlerin“ von niemandem angesprochen worden ist beim Einkaufen? Immerhin trifft man seine Kanzlerin nicht alle Tage im Supermarkt, oder? Fragt sich irgendwer, ob das Foto von der Kanzlerin an der Kasse nachträglich so manipuliert worden ist, daß es aussieht, als sei es verstohlen mit einem Handyzoom angefertigt worden? Mit einem „lausigen Handy“, übrigens, wenn man bedenkt, um welche Entfernungen es sich in einem Supermarkt höchstens handeln kann.

Angst essen Seele auf: Fragt sich irgendwer?

Fragt sich irgendwer, was es mit der Bemerkung von John P.A. Iaonnidis auf sich hat, auf die der Arzt Gunter Frank als Gastautor bei „achgut“ hingewiesen hat, wohlwissend, daß er sich damit in der gefühligen Betroffenheitsmehrheit keine Freunde machen wird? John P.A. Iaonnidis, weltbekannter Epidemiologe von der Stanford University: „Das riesige Problem ist, dass wir nichts wissen. Die einzige geschlossene Population, in der sich die Zahl der wirklich Infizierten mit den Todesfällen vergleichen ließ, war die auf dem Kreuzfahrschiff Diamond Princess. Hier war die Sterberate 1.0%. Einer von hundert starb. Aber die Population war sehr alt und hatte Vorerkrankungen. Würde man diese Daten auf die USA übertragen, wäre die Sterberate 0,125%, etwas mehr als eine Person auf 1.000. Es gibt jedoch so viele Unsicherheiten bei dieser Berechnung, dass man eine Bandbreite von 0,05 bis 1% annehmen muss. Bei 0,05% läge sie niedriger als bei einer normalen Grippe, und das Blockieren des weltweiten öffentlichen Lebens wäre komplett irrational.“ – Fragt sich irgendwer, was das soll, daß ihm in deutschen Medien Infiziertenzahlen präsentiert werden, und daß die Anzahl der „Coronatoten“ in Prozent der angeblich bekannten Infektionen angegeben werden, was natürlich einen Horrorwert ergeben muß, weil realiter niemand wissen kann, wieviele Infizierte es tatsächlich gibt, solange nicht jeder Einzelne getestet worden ist – und daß selbst dann, wenn tatsächlich jeder einzelne Italiener getestet worden wäre, noch immer Zweifel angebracht wären angesichts der mangelnden Zuverlässigkeit des Covid-19-Tests? Was ist das, die Angabe der Totenzahlen in Prozent zu den „Infizierten“? – Volksverarsche? Muß man nicht eigentlich ein Idiot sein, um sich einen solchen Mist als „Information“ andrehen zu lassen? Kann es sein, daß sich die Meisten das alles nicht mehr fragen wollen? Fragt sich irgendwer, ob die erschreckende Zahl der Toten in Italien damit zusammenhängen könnte, daß es in Norditalien seit vielen Jahren die größte Luftverschmutzung in Westeuropa gibt mitsamt der entsprechenden Anzahl an Erkrankungen der Atemwege? Und daß das eine Gemeinsamkeit ist, die die Lombardei und Hubei haben? Fragt sich irgendwer, wie es statistisch bei den Asthmaerkrankungen in Mailand im Vergleich zu den etwa gleichgroßen Städten München und Hamburg aussieht? Fragt sich irgendwer, wie es mit dem MRSA-Virus-Problem in italienischen Krankenhäusern aussieht im Vergleich zu deutschen? Man munkelt von einem 1:26 Verhältnis. Man munkelt auch, daß in Italien seit Jahren sehr viel schneller Antiobiotika verschrieben worden seien als in Deutschland, so, wie man umgekehrt munkelt, in Deutschland werde schneller operiert als sonst irgendwo. Fragt sich angesichts der Bemerkung von Ioannidis, ob es sein kann, daß dann, wenn es wegen erwiesenen Nichtwissens komplett irrational wäre, weltweit das öffentliche Leben zu blockieren, sehr rational wäre, es aus ganz anderen Gründen zu blockieren? Fragt sich noch irgendwer, ob es sein kann, daß eine zweifellos vorhandene Epidemie aus einem ganz anderen Grund mit den hier skizzierten Mitteln medial zur Weltkatastrophe aufgeblasen wird? Könnte es sein, daß es einen Weltwirtschaftscrash samt seiner Verantwortlichkeiten zu kaschieren gilt? So ein Virus ist ganz unzweifelhaft dazu geeignet, Verantwortlichkeiten verschwinden zu lassen. Stirbt einer, der mit dem Auto gegen den Baum rast, eigentlich an einer Holzallergie oder an seiner Raserei?

Wohlgemerkt: Ich behaupte hier gar nichts. Alles, was ich hier schreibe, sind Fragen, die man sich zu stellen hätte, wenn man sich nicht lieber in seiner gefühligen Katastrophenstimmung suhlen würde, um zu vermeiden, von einer Mehrheit ausgeschlossen zu werden.

Die Gefühls-Reportage: „Hast du Angst? Ich habe auch Angst. Nehmen wir uns in die Arme und trösten wir uns. Diese Verharmloser sind ja nun wirklich keine Menschen mehr. Auf meinem Facebook-Profil habe ich schon welche entfreundet. Völlig verantwortungslose Subjekte sind das. Daß ich die jemals gemocht habe, kann ich heute gar nicht mehr glauben. Was bin ich enttäuscht von denen. Als ob der Virus nicht schon schlimm genug wäre für mich, nehmen die mich in meiner Panik nicht für voll, diese gefühllosen Brutalos. Solche Schweine, wuääähhh!“ – aaaalder ….

Das Gefühlsfernsehen

Die Art dieser Berichtertstattung in den Medien, dieses: „Wir-sehen-die-Welt-jetzt-mal-mit-den Augen-des-Betroffenen“, dieses unverschämte: „Erzählen-Sie-doch-einmal-wie-Sie-sich-jetzt-fühlen-so-kurz-vor-Ihrem-Tod“, dieses widerliche Voyeuristen-TV wird gerade jetzt zu einem echten Problem für „Demokratie & Freiheit“. Es scheint sich keiner mehr klar zu machen, daß er selbst nicht wirklich „fernsieht“, sondern bloß „nahsieht“. Und zwar genau bis zur Mattscheibe. Ab der Mattscheibe sieht nämlich jemand anderer für ihn fern. Ab der Mattscheibe sieht man die Welt nicht mehr mit seinen eigenen Augen, sondern mit den Augen desjenigen, der sie aufgenommen – und hinterher zusammenschneiden lassen hat.

Netzpolitik.org meldet: „Die öffentlich-rechtlichen Medien ernten gerade viel Lob für ihre Berichterstattung in Zeiten der Coronakrise. Die Debatte über Legitimität und Höhe des Rundfunkbeitrags damit als entschieden zu betrachten, wäre voreilig.“ – Als ob gerade der Rundfunkbeitrag von Interesse wäre. Von wem, verdammt nochmal, ernten die Öffentlich-Rechtlichen gerade viel Lob? Von den Informierten oder von den emotional Vollbefriedigten? Lob wofür? Als Anreiz, noch mehr Särge, noch mehr Tränen und noch mehr Familien zu zeigen, die nicht wissen, wie sie miteinander in einer Wohnung auskommen sollen? Sollen die Öffentlich-Rechtlichen noch viel mehr „Menschlichkeit“ herzeigen für die lieben „die Menschen“ in der „menschlichen Gesellschaft“, dieser emotionalistisch zerebralkastrierten Fühlgemeinschaft? Gäbe es vielleicht noch eine Reportage, in der man zeigen könnte, wie die liebe Frau Bundeskanzlerin Rotz und Wasser in ihren Einkaufswagen hineinheult? Wäre das dann menschlich besonders anrührend, ja? Wann hat das eigentlich angefangen, dieses penetrante, völlig schamlose und indiskrete Gefühlsfernsehen? War das etwa zur selben Zeit, als Mutter Beimer populär wurde? Ich glaube schon. Ob es gar etwas mit der seuchenartigen Anbetung derer mit der „höheren emotionalen Intelligenz“ zu tun hat, unter denen früher mysteriöserweise das „törichte Weib“ existierte, dieses hochoffiziell ausgestorbene Exemplar mit seinem sozial konstruierten Geschlecht?

Nein!

Wir wissen nicht, ob die Berichterstattung zur Corona-Pandemie, soweit es die Fakten angeht, zutreffend ist oder nicht. Daß soundsoviele Tote prozentual in ein Verhältnis zu „den Infizierten“ gesetzt werden, ist auf jeden Fall schon einmal absichtliche Panikmache. Das ist unzweifelhaft komnpletter Nonsens. Niemand käme auf die Idee, sich an den Strand zu setzen und die vier Gummibärchen in seiner Hand in ein prozentuales Verhältnis zur Anzahl der Sandkörner in seinem Bauchnabel zu setzen, um dann zu erzählen, in Bezug auf den gesamten Strand gebe es eine alarmierende Gummibärchenrate. Und gerade in einer solchen Situation wie der gegenwärtigen, ist der kleinste Nonsens ein Verbrechen. In dieser Situation den Bürger für blöd zu verkaufen, wäre ein Hammer. Deswegen kommt es gerade jetzt mehr denn je darauf an, sich seinen kritischen Verstand zu bewahren und alles zu unternehmen, um herauszufinden, was wirklich Sache ist. Kann schon sein, daß wirklich alles so schlimm ist, wie es kolportiert wird. Muß aber nicht. Und was die Erfahrungen der vergangenen Jahre angeht, gibt es heute nicht den geringsten Grund, dem Medien-Mainstream eine schlagartige Läuterung zu unterstellen. Man halte sich an alle Vorsichtsmaßnahmen, weil man eben nicht weiß, was wirklich gebacken ist, nicht deswegen, weil man sich dem gefühligen Irrsinn ergibt, daß man es wüßte. Allenfalls weiß man, wie man sich gerade fühlt. Erzählt es mir! Damit ich mich informiert fühlen darf und umso schöner betroffen sein kann. Geht´s noch?

Eine sehr gute Zusammenfassung zu den hauptsächlich medialen Aspekten der Corona-Krise gab es übrigens bei „Tichys Einblick“: „Corona: Horror oder Hoax?“ Dringende Leseempfehlung. Bleiben Sie gesund und bewahren Sie sich ums Himmels Willen Ihren kritischen Verstand, anstatt ihn in der medialen Gefühlssauce ersäufen zu lassen.

Keine Zensur: Folgt uns auf Telegram