Statt „Schwerter zu Pflugscharen“: Schnaps zu Desinfektionsmitteln

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Brennereien wollen Desinfektionsmittel herstellen; Foto: © jouwatch
Brennereien wollen Desinfektionsmittel herstellen; Foto: © jouwatch

Die Lieferengpässe bei Desinfektionsmitteln (die im Gegensatz zu WC-Papier nicht nur Hamster- und Panikkäufen zum Opfer fallen, sondern amoralischen Diebstählen und einer enorm gestiegenen medizinischen Nachfrage!) rufen kreative Maßnahmen auf den Plan – überall in Europa: In Liechtenstein ruft die Regierung die Gastronomen des Landes zu Alkoholspenden auf.

„Leute, wir haben ein Alkoholproblem!“ Mit diesem augenzwinkernd-galgenhumorigen Aufruf wandte sich der Gesundheitsminister des Fürstentums, Mauro Pedrazzini, an Privathaushalte und Gastronomen und forderte sie auf, ihre Schnapsvorräte zu spenden – um daraus Desinfektionsmittel zu machen. Tatsächlich haben auch schon europaweit diverse Schnapsdestillen ihre Produktion auf Desinfektionsmittel umgestellt.

Screenshot:Originalschreiben Regierung Liechtenstein

Die Gastronomen, die derzeit ohnehin nicht öffnen können, haben zwar Bestände – doch wie überall in Europa bangen sie um ihre Existenz. In dieser Lage noch Spendierfreudigkeit zu zeigen ist viel abverlangt. Anders sieht es bei Privatpersonen aus; dort könnte einer Hergabe der Spritvorräte allerdings die Sorge um die Dauer möglicher Quarantänen und Ausgangssperren entgegenwirken: Vielleicht braucht man den Alk selbst noch für viele einsame Stunden.

Deshalb schränkte Pedrazzini seinen launigen Aufruf entsprechend ein; wörtlich schreibt er: „Auch wenn in Krisenzeiten, besonders wenn die Gastronomie geschlossen ist, mehr zu Hause getrunken wird, habt ihr vielleicht noch ein paar Flaschen Schnaps im Keller, die ihr nicht einmal in der schlimmsten Krise trinken würdet. Diesen Fusel würdet ihr auch nie euren Gästen vorsetzen. Es war aber die richtige Entscheidung, diese Flaschen bis heute aufzubewahren, denn jetzt können sie nützlich sein.“

Eben dieser lustige Appell aus ernstem Anlass – selbst im winzigen, ländlichen Liechtenstein gibt es inzwischen bereits 28 Corona-Fälle – führte dazu, dass er im Netz für ein Fake gehalten wurde. Doch örtliche Twitter-User bestätigten die Echtheit sogleich, und auch die „Welt“ hat inzwischen darüber berichtet.

Screenshot:Twitter