Corona in Afrika: Horrorbilder spätestens im Sommer?

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Infektionsschutzvorkehrungen in Kenia (Foto:Imago/ZUMA)

Der renommierte Top-Virologe Christian Drosten malte gestern ein Schreckensszenario für Afrika: Was passieren kann, wenn sich das Virus in einem Land praktisch ungehemmt ausbreiten kann, ohne dass Maßnahmen zur Verfügung stehen, um die Ausbreitung einzudämmen, werde sich ab Sommer zeigen – denn dort, wo die Gesundheitssysteme dauerprekär bis gar nicht existent ist, schlägt eine Pandemie voll durch.

Es werde „Szenen geben, die wir uns heute noch nicht vorstellen können“, so Drosten, „und ich bin mir nicht sicher, was das dann in uns auslöst.“ Bislang war Afrika scheinbar kaum von Corona betroffen. 27 Länder meldeten dort bislang Erkrankungen – inklusive der Staaten Nordafrikas, wie „Focus“ schreibt; die jüngsten betroffenen Ländern waren Benin, Liberia, Somalia und Tansania. Südafrika ist stärker betroffen, dort sprach Präsident Cyril Ramaphosa schon von einer „nationalen Katastrophe“. Die Fallzahlen sind extrem gering – was jedoch vor allem am gänzlichen Fehlen von Testkapazitäten liegt.

Bis Mittwoch hatten sich laut der Weltgesundheitsorganisation WHO auf dem schwarzen Kontinent 417 Menschen infiziert, Sieben starben, bereits 42 haben sich wieder erholt. Unklar ist nach wie vor, welche Folgen die klimatischen Verhältnisse – Hitze plus hohe Luftfeuchtigkeit – auf die Expansion von Corona haben. Experten geben zu bedenken, es handele sich um eine Epidemie, „die ziemlich parallel läuft in allen Ländern der Welt“.

Vergleichbarkeit zur Ersten Welt ist fraglich

Aktuell breite sie sich Nahen Osten aus, von dort sei die „Konnektivität“ nach Afrika gegeben. Soziale Distanzierungsmaßnahmen seien in den dortigen Megapolen nicht zu gewährleisten. Man werde daher dort „Bilder sehen zwischen Juni und August, die wir nur aus Kinofilmen kennen“, so Drosten

In einem Punkt muss hier jedoch relativiert werden: In Afrika sind die Gesellschaften extrem jung, kaum überaltert – und die Lebenserwartung ist mit jener der Industriegesellschaften nicht annähernd vergleichbar. Somit ist auch die Zahl der Risikopatienten extrem reduziert. Weil das Virus dort vor allem auf nicht gefährdete Gruppen mit statistisch eher milden Verlaufsformen trifft, könnte es durchaus sein, dass Afrika und die Dritte Welt weit weniger betroffen werden.

Wo jährlich 1,2 Millionen Menschen an Malaria sterben (rund 220 Millionen weltweit sind damit infiziert), über 1 Million an HIV bei über 25 Millionen Infizierten und weit mehr Menschen an Mangelernährung und sonstigen Krankheiten sterben, wird Corona – so zynisch es klingt – noch weniger ins Gewicht fallen. (DM)