Gestern noch ein schlechter Witz, heute Realität: Afrika macht gegen Europa dicht, Europa macht gegen die Welt dicht

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Gesundheitsbeamter in Dakar/Senegal (Foto:Imago/Xinhua)

Verkehrte Welt: Inzwischen ist Europa zum absoluten Hotspot der globalen Europa-Pandemie geworden, mit extremen Auswirkungen aufs öffentliche Leben. Vom gestern noch fraglos gegebenen Nimbus des gelobten Lands, von der Sogwirkung auf Afrikaner bleibt da nichts übrig. Jetzt sind es die Staaten des Schwarzen Kontinents, die sich ihrerseits gegen die Alte Welt abschotten.

Noch vor wenigen Wochen wäre diese Meldung für einen schlechten Witz gehalten worden: Wegen des Coronavirus haben viele afrikanische Staaten strenge Reisebeschränkungen verhängt. „Europäer müssen draußen bleiben“, schreibt – nicht ohne insgeheime Befriedigung über die scheinbar gelungene Pointe infolge der kurzfristigen Wendung der Ereignisse – die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ).

Zwischen USA und Mexiko spielen sich ähnliche Szenen ab: Dort ist es nun Mexiko, das seine Grenzen gegen die Vereinigten Staaten mit Nachdruck schließt und dichtzuhalten versucht – etwas, wovon selbst leidenschaftlichste Trump-Anhänger noch vor kurzem nicht zu träumen gewagt hätten. Die Zweite und Dritte Welt will mit der versuchten Ersten möglicht nichts mehr zu tun haben.

Die schwache Verbreitung von Corona vor allem im bevölkerungsreichen Afrika ist bislang ein Phänomen; bislang, so die SZ, gibt es – jedenfalls offiziell – nur rund 350 Infizierte in rund 30 Ländern auf dem Kontinent – ein Bruchteil der Fallzahlen in europäischen Staaten; Unsicherheiten bei der Diagnose bestehen allerdings: Einmal aufgrund des desolaten Gesundheitssystems in den meisten afrikanischen Ländern (das im Falle eines wirklichen Ausbruchs dort verheerende Folgen mit sich bringen würde); zum anderen gibt es Symptomübereinstimmungen zwischen der saisonalen Malaria und Corona. (DM)

Aber auch umgekehrt funktioniert die Abschottung plötzlich doch reibungslos:

Die EU hat wegen der Corona-Krise einen kompletten Einreisestopp für Ausländer beschlossen. Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstagabend in Berlin nach einer Videokonferenz mit den EU-Staats und Regierungschefs. „Deutschland wird das sofort umsetzen“, sagte Merkel.

Die Regelung gelte zunächst für 30 Tage. Bereits am Vortag hatte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron angekündigt, dass die Schengen-Außengrenzen geschlossen werden. Zeitgleich mit der Erklärung der Bundeskanzlerin am Dienstagabend teilte das Innenministerium mit, dass Einreisen von Drittstaatsangehörigen „vorübergehend nur noch bei dringendem Reisegrund möglich“ seien.

Dies betreffe den internationalen Luft- und Seeverkehr bei Reiseverbindungen, die Ihren Ausgangspunkt außerhalb der Europäischen Union hätten. „Deutsche Staatsangehörige sind von dieser Regelung nicht betroffen“, hieß es. „Staatsangehörigen von EU-Staaten sowie deren Familienangehörigen und Staatsangehörigen aus Großbritannien, Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz sowie deren Familienangehörigen wird die Einreise zum Zwecke der Durchreise in den Heimatstaat gestattet.“

Gleiches gelte für Drittstaatsangehörige mit längerfristigem Aufenthaltsrecht in einem EU-Staat und den genannten Staaten. „Drittstaatsangehörige, die diese Voraussetzung nicht erfüllen, werden an der Grenze zurückgewiesen, wenn kein dringender Einreisegrund vorliegt“, so das Innenministerium.

Selbst Angela Merkel will diesen Einreisstopp sofort umsetzen lassen. Geht doch. (Quelle: dts)