Rechtsradikalismus, Corona & der Totengräber der Lauterkeit: Dr. Matthias Quent

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Matthias Quent - Foto: Imago

„Wie Rechtsradikale versuchen, die Corona -Pandemie für ihre Ziele zu nutzen“, erklärt in der „Zeit“ Matthias Quent vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena. Quent – schon mal gehört? Wenn nicht, dann wird´s Zeit im Jahre des Virus´ 2020. Dr. Quent wirkt nämlich vitalisierend in der allgemeinen Niedergeschlagenheit angesichts der gräßlichen Infektionsgefahr. Wer Quent kennt, weiß, warum er die Pandemie unbedingt überleben muß: Damit er dereinst noch mitbekommt, wie der zivilgesellschaftliche Demokratiedirektor zur Rechenschaft gezogen wird. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Es gibt Leute, die es für ein großes Unglück halten, daß Hans-Georg Maaßen als Chef des Bundesverfassungsschutzes geschasst wurde, um ihn durch Angela … Thomas Haldenwang zu ersetzen. Das beweist, daß solche Leute wenig Phantasie haben. Sie könnten nämlich auch gottfroh sein, daß Maaßens Nachfolger nicht Matthias Quent heißt. Vielleicht stand Quent nicht zur Verfügung, weil er schon ein Chef gewesen ist. Der Gründungsdirektor jenes zivilgesellschaftlich, außeruniversitär und total neutral forschenden Institütchens in Jena ist ein gern gesehener, gänzlich unideologischer Gast in den hochdemokratischen Sendungen der Öffentlich-Rechtlichen. Und weil man bei der „Zeit“ wahrscheinlich nicht dabei zusehen konnte, wie die Öffentlich-Rechtlichen die ganze Quentsche Neutraldemokratie bei sich versammeln, haben sie ihn überredet, einen Gastbeitrag für die die-di-di-di-Lorenzo-Postille zu verfassen. Wenn´s ganz dumm kommt, dann haben sie ihm auch noch Geld dafür bezahlt.

Wenn die Schlagzeile nicht so lang geworden wäre, hätte ich meine Medienkritik hier betitelt mit: „Wie Linksradikale versuchen, die Unterstellung für ihre Ziele zu nutzen, Rechtsradikale versuchten, die Corona-Panedemie für ihre Ziele zu nutzen“. Wie ich auf das Wort „Linksradikale“ komme im Zusammenhang mit einem zivilgesellschaftlich und außeruniversitär neutralforschenden Gründungsdemokratiedirektor? – Weil Quents Institütchen nicht nur außeruniversitär und ergebnisoffen neutralforscht, sondern auch noch in Trägerschaft der Amadeu-Antonio-Stiftung. Das ist bekanntlich die allerneutralste Stiftung von allen, und daß die Vorsitzende, Frau Anetta Kahane, zu DDR-Zeiten eine marxistisch gut integrierte Informantin des Ministeriums für Staatssicherheit gewesen ist, tut der Neutralität des jenensischen Institütchens ganz bestimmt keinen Abbruch. Auch, daß sowohl die SED (Die Linke) und der ultralinke Flügel der SPD große Kahane-Fans sind, ist keinesfalls geeignet, an der erzdemokratischen Grundhaltung des Matthias Quent auch nur ein Quäntchen Zweifel aufkommen zu lassen. Sowohl bei den Öffentlich-Rechtlichen als auch bei der „Zeit“ verzichtet man deshalb regelmäßig auf den überflüssigen Hinweis, woher Matthias Quent das Geld für seine roten Brötchen bekommt, von denen er sich ernährt. Er wird immer nur als Soziologe bezeichnet. So wurde er auch vor seinen gegenständlichen Gastbeitrag für die „Zeit“ gestellt. Demokratie, Zivilgesellschaft, Soziologe, Gründungsdirektor. Klingt gut, oder?

Und so liest sich das dann: „Matthias Quent ist Soziologe und Gründungsdirektor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Rechtsradikalismus, Radikalisierung und Hasskriminalität. In seinem Gastbeitrag analysiert er die Zusammenhänge zwischen Rechtsradikalismus und der Corona-Pandemie.“ – Nur im Kopfe des besonders Übelmeinenden würde dann, wenn immer dazugesagt oder dazugeschrieben werden würde, was für ein Soziologe Matthias Quent genau ist, das Bild jenes Hundes vor dem Grammophon entstehen, welcher aufmerksam lauschend „His Master´s Voice“ hört. Für die Jüngeren unter den Lesern: „His Master´s Voice“ ist ein weltberühmtes Schallplattenlabel gewesen, gegründet 1899 in London, wo auch Karl Marx von 1849 bis 1864 im Exil lebte. Der war bekanntlich der Erfinder der Demokratie. Was einem frei Assoziierenden eben so einfällt.

„His Master´s Voice“ – Foto: Imago

Die Rechtsradikalen und die Pandemie …

… in eindrucksvollen Worten erklärt vom Herrn Institutsdirektor: „Am Dienstagabend wurde in München eine 45-jährige Münchnerin mit chinesischen Wurzeln von einem Nachbarn angriffen und mit Desinfektionsmittel besprüht. Der Täter schrie laut Polizei das Wort „Corona“. Aus der ganzen Welt wird im Zusammenhang mit dem Virus über eine massive Zunahme von antiasiatischen Diskriminierungen berichtet. Das Netz ist voll mit Erfahrungsberichten, auch aus Deutschland, Menschen bringen anderen Ekel und Ablehnung entgegen – daraus spricht vor allem die Unfähigkeit, rational mit der Bedrohung umzugehen.“ – Wo sie diese Unfähigkeit wohl herhaben, die „die Menschen“? Die werden sie sich doch wohl nicht vom Umgang der Altparteien mit der AfD abgeschaut haben? Die Altparteien empfinden die AfD nämlich als Bedrohung. Und der ultralinke Teil der Altparteien empfindet Matthias Quent als Bereicherung. Man läge vermutlich nicht daneben, würde man unterstellen, daß der Mensch Quent dem alten, weißen jouwatch-Autorenmenschen mit Ekel und Ablehnung entgegentritt. Diese Haltung könnte er sich durchaus am Dienstagabend in München eingefangen haben.

Auch politisch funktioniert der Mechanismus. Die Konstruktion von Sündenböcken ist das wichtigste Werkzeug von reaktionären Radikalen„, weiß der junge Herr Demokratiedirektor und konstruiert deshalb gleich einmal einen solchen Sündenbock. „Häufig verlaufen diese Sündenbockkonstruktionen rassistisch, wie etwa in den zahlreichen berichteten Fällen, in denen als asiatisch identifizierte Personen diskriminiert und sogar angegriffen werden, weil ein unzulässiger Zusammenhang zwischen Aussehen und viraler Ansteckungsgefahr hergestellt wird.“ – Und schon haben wir den ersten zivilgesellschaftlichen Verstoß gegen die Lauterkeit in den Worten Quents. Da natürlich jeder Sündenbock irgendeiner Rasse angehört, auch wenn besonders rassige Grüne das Wort „Rasse“ aus dem Grundgesetz streichen wollen, treffen die Anschuldigungen gegen den Sündenbock natürlich immer einen Rassigen.

Theoretisch hätte die Corona-Pandemie auch in Kinshasa ihren Ursprung haben können, wenn sich das Virenlabor, statt gegenüber des Fischmarkts von Wuhan, schräg gegenüber der staatlichen Tanzschule von Zaire befunden hätte, dem heutigen Kongo. Dann würden an einem Dienstagabend in München andere als solche rassigen Menschen diskriminiert und angefeindet werden, die ein asiatisches Aussehen haben. Dann wären es eben solche, die nach afrikanischem Hintergrund aussehen, welche im Vordergrund diskriminiert werden.  Und überhaupt, Herr Quent: Was soll das sein, so ein „asiatisches Aussehen“? Es gibt niemanden, der asiatisch ausieht. Allenfalls menschlich sieht der Mensch aus. Alles andere ist Diskriminierung, weil „Diskriminierung“ nämlich „Unterscheidung“ heißt. In welchen Kategorien denkt der Demokratieforscher eigentlich außeruniversitär? Ob er wohl Rassist ist?

Schon jetzt versuchen Rechtsradikale, die Situation auszunutzen, und fordern zum Beispiel generelle Grenzschließungen.“ – Da ist er nicht ganz auf der Höhe der Zeit, der Herr Instütchensdirektor in Trägerschaft. Das wäre dramatischer gegangen. So zum Beispiel: „Die Radikalen unter den Rechtsradikalen haben die Situation schamlos ausgenutzt und generelle Grenzschließungen vorgenommen, anstatt nur welche zu fordern.“ – Die Radikalsten unter den Rechtsradikalen: Die österreichische Regierung, die tschechische, die polnische, die amerikanische, die griechische – und eiderdaus – seit heute, Montag den 16.03.2020 – 08:00 Uhr, auch noch die deutsche. Wer hätte je gedacht, daß selbst das  Merkelregime noch zu Radikalen innerhalb des globalen Rechtsradikalismus mutiert? Überraschung, Überraschung …

Ihr Interesse an der Schaffung eines Ausnahmezustands liegt nicht nur in der Sorge um die „Volksgesundheit“, von der etwa AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen spricht, begründet: Rechts-außen hofft, politisches Kapital aus der Angst und den besorgniserregenden Aussichten schlagen zu können.„, schreibt der Amadeus der zivilgesellschaftlichen Demokratieerforschung recht eindrucksvoll. Jörg Meuthen ist rechtsaußen. Für Quent siedelt meinereiner wahrscheinlich im Weltall ganz rechts außen. Oder radikal rechts von rechtsradikal außen. Hauptsache draußen. Und daß mir keiner auf die Idee kommt, die Linksaußen-Quents dieser Republik könnten hoffen, aus der Behauptung Kapital zu schlagen, die rechts von rechtsaußen frei im Weltall Marodierenden würden versuchen, die Volksgesundheit vorzuschieben, wo doch das Coronavirus gar keine gesundheitliche, sondern eine politische Bedrohung ist. Nicht ganz daneben liegt wahrscheinlich, wer Quent hier als den spezialisierten Linksaußenkämpfer der Heldeneinheit für Realitätsabwehr identifiziert, einen Marxismus-Marine sozusagen, der heroisch gegen die Einsichtswelle anstürmt, welche im Gefolge der Pandemie das Land zu fluten droht, und die dazu führen könnte, daß sich patschnasse „die Menschen“ sagen: „Potzdonner, ich glaube auf einmal, die Rechten haben schon immer recht gehabt. Da sollten wir womöglich auch einmal unsere anderen Gewißheiten auf den Prüfstand stellen.“ – Das wäre ganz schlecht für die außeruniversitäre Erforschung von Demokratie und Zivilgesellschaft in Trägerschaft. Womöglich käme noch jemand auf die Idee, sich zu fragen, weshalb beim Schiffbau die Schottwände im Rumpf populär geworden sind. Verhüte der heilige Global-Charlie, daß sie eine zutreffende Antwort darauf finden.

Der Demokratieforschungsdirektor deshalb unverdrossen: „Am Donnerstag verkündete das Bundesamt für Verfassungsschutz: Der völkisch-nationalistische „Flügel“ der AfD wird als „rechtsextremistisch“ eingestuft. Der Rechtsradikalismus und die Corona-Pandemie haben mittelbar mehr miteinander zu tun, als man denkt: Beides sind Gefahren, die frühzeitig einzudämmen sind.“ – Da kann man mal sehen, zu welchen intellektuellen Spitzenleistungen so ein zivilgesellschaftlicher Demokratierforscher außeruniversitär fähig ist. Ob er wohl schon entdeckt hat, was die Corona-Pandemie mit dem Spritmangel im Flugzeugtank zu tun hat? – Beides sind Gefahren, die frühzeitig einzudämmen sind. Es gibt wahnsinnig viele Gefahren, die dadurch, daß sie frühzeitig einzudämmen sind, mehr mittelbar miteinander zu tun haben, als man denkt. Die Frühbremsung statt der Notbremsung z.B. mit der Krebsfrüherkennung statt der Krebszuspäterkennung. Ob sich Quent das auch schon recht spitzfindig überlegt hat im Hinblick auf Dinge, die mehr miteinander zu tun haben, als man denkt? – Wahrscheinlich schon. Vielleicht auch nicht. Egal. Ein Quäntchen Glück braucht´s trotzdem beim Denken, bevor man für die „Zeit“ einen vor lauteren Absichten nur so strotzenden Gastbeitrag schreibt.

The Master Of Jenensian Democracy Research (MOJDR): „Dafür kommt die Beobachtung eines Teils der AfD durch den Verfassungsschutz – mal wieder – zu spät. Schnittstellen zwischen der Corona-Pandemie und der Gesellschaftspathologie des Rechtsradikalismus sind Untergangsdenken, Krisendynamik, Antisemitismus, Rassismus und Verschwörungslegenden.“ – Da hat man es mit den Schnittstellen zwischen der Schriftpandemie und der Gesellschaftspathologie des Linksradikalismus zugegebenermaßen einfacher, weil Linksradikale nicht so komplex denken, wenn man das Verb „denken“ schon unbedingt verwenden will: Es handelt sich um die Schnittstelle des Alphabets mit dem Schwachsinn. Leicht zu identifizieren, gesellschaftspathologisch so. Nebenbei: Was den jouwatch-Leser wohltuend vom „Zeit“-Leser unterscheidet, das ist der Realitätssinn des jouwatchers. Keiner unserer Leser würde mir irgendwelche Boni dafür rüberschieben, daß ich ihm mit der aufgeblasenen, inhaltslosen Phrase von der „Gesellschaftspathologie des Linksextremismus“ käme. Daß sich „Pathologie“ mit „Lehre von den Krankheiten“ übersetzt, ist ihnen längst klar. Wer die gesellschaftlich Krank-*Innen oder Krankenden in Wahrheit sind, wissen sie ebenso. Quent schreibt also von der Gesellschaftslehre der politischen Krankheit. Und das ist ungefähr so, als würde der Corona-Infizierte recht schnittstellenmäßig von der Krankheit seiner behandelnden Ärzte schreiben. Diese Medienkritik stellt aber die Dinge wieder vom Kopf auf die Füße: Ich Arzt, Quent Patient. Vorteil für alle: Der Arzt ist nicht linkssoziologisch infiziert und deshalb bei seiner Darstellung der „Gesellschaftspathologie des Linksextremsimus“ sehr viel glaubwürdiger, als umgekehrt der Soziologie-Infizierte mit seiner Darstellung der „Gesellschaftspathologie des Rechtsextremismus“.

Abgesehen davon: Wenn einer schon im schönen Jena die Demokratie und die Zivilgesellschaft recht unideologisch-soziologisch zu erforschen vorgibt, dann hätte er ja in seinem Gastbeitrag mal Bezug nehmen können auf die mahnenden Worte eines ehemals vorsitzenden Richters am Bundesverfassungsgericht. Hans-Jürgen Papier kommt mir da in den Sinn, der jüngst erst von einer gräßlichen Erosion des Rechtsstaats hierzulande gesprochen hat. In dem Zusammenhang hätte man als außeruniversitär Forschender in Trägerschaft auch einmal die Werthaltigkeit des Begriffs „Bundesamt für den Verfassungsschutz“ unter die Lupe nehmen können, sowie Betrachtungen darüber anstellen, wie die sich unter Einbeziehung des Namens „Haldenwang“ in die Überlegungen verändert haben könnte, sowie, ob das Ganze etwas mit einer Pervertierung des Wortes „Verfassungsschutz“ zu tun haben könnte. Den „Zeit“-Leser hätte das ganz bestimmt interessiert, besonders unter dem Schnittstellengesichtspunkt, welcher der Gesellschaftspathologie in so vielfältiger Weise inhärent ist. Es ist direkt ein eklatanter Mangel an Lauterkeit und Aufrichtigkeit, den Terminus „Bundesamt für den Verfassungsschutz“ einfach so in den Raum zu stellen, als hätte er den ewigen Qualitätsgehalt von „Toastbrot“.

Rechtsradikale sind der Überzeugung, die moderne westliche, liberale und industrielle Welt sei durch „Dekadenz“, Feminismus, Migration und Vielfalt dem Untergang geweiht.“ – Das hätte sich auch anders ausdrücken lassen, so etwa: Linksradikalen ist es nicht gelungen, moderne westliche „die Menschen“ davon zu überzeugen, daß ihre Welt durch Dekadenz, Feminismus, Migration und Vielfalt nicht dem Untergang geweiht sein soll. Damit sich nun der Linksradikale die Vergeblichkeit seiner utopistischen Absichten und sein völliges Versagen nicht eingestehen- und arbeitslos werden muß, nimmt er eine Verantwortlichkeitsverschiebung vor, um dem zu entgehen, wofür er als Medien- und Volksvertreter in den vergangenen Jahrzehnten endlich geradezustehen hätte: Er bezeichnet den modernen westlichen, liberalen Menschen als Rechtsextremisten, weil der den behaupteten Liberalismus des Linksextremen zunehmend identifiziert als das, was er in Wahrheit ist: Der Versuch, erneut ein totalitäres Regime unter einer gesinnungsterroristischen Linkenherrschaft zu errichten.

Wer soziologisch neutral und absolut zivilgesellschaftlich in Trägerschaft der hochdemokratischen Amadeu-Antonio-Stiftrung solche Phänome erforscht, kann zu gar keinem anderen Schluß kommen. Quent soll sich aber nicht verrückt machen lassen. Erstens wäre das überflüssig, und zweitens sind ideologieinduzierte Fehlschlüsse eine Konstante in der Wissenschaftsgeschichte, wie man spätestens seit den favorisierten Disziplinen der nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik weiß. Womit wir wieder bei den gesellschaftspathologischen Schnittmengen wären, hier bei derjenigen von Politik und Wissenschaft, gern auch außeruniversitär und in Trägerschaft.

Einige Rechtsradikale (und auch Islamisten) wollen den von ihnen diagnostizierten Niedergang der demokratischen Welt akzelerieren, also beschleunigen.“ – Das ist ein schönes Beispiel für das logische Problem, das der Linksextreme hat. Vielen Dank übrigens für die Übersetzung des Verbs „akzelerieren“. Das Vertrauen in den Bildungsstand des „Zeit“-Lesers scheint bei Quent nicht mehr allzu groß zu sein.

Also die Logik: Es waren in den vergangenen Jahrzehnten evident nicht die von Linksradikalen so titulierten Rechtsradikalen, die politische Verantwortung getragen haben. Wenn Quent also die Diagnose eines Niedergangs konstatiert, der nur noch beschleunigt werden soll, dann hat er vorher entweder schon unbeschleunigt stattgefunden, oder aber es gibt in Quents Augen keinen. In dem Falle gäbe es dann eine ganze Menge ausgewiesener Demokraten, die im Gegensatz zu Quent stockblind sein müssen. Thilo Sarrazin, Hans Herbert von Arnim, Udo di Fabio, Hans-Jürgen Papier, Wolfgang Bosbach und Rupert Scholz, um nur sechs zu nennen. Da böte sich dann die Wahrscheinlichkeitsrechnung an. Wie wahrscheinlich ist es, daß einem im Leben sieben Personen (inklusive Quent) begegnen, von denen sechs blind sind – und wie wahrscheinlich ist es, daß in der Siebenergruppe höchstens einer blind ist, nämlich Quent? – Aha, hätten wir das also auch wieder.

Der Rechtsradikalismus ist auch in den Parlamenten eine Krisenideologie, die darauf abzielt, gesellschaftliche Krisen zu beschleunigen und auszubeuten – so wie die AfD in Thüringen eine Regierungskrise ausgelöst hat, um die Demokratie zu schwächen.“ – Tja, und so sehen sie aus, die Resultate der außeruniversitär-zivilgesellschaftlichen Demokratieforschung eines Soziologen: Infantil, um nicht sagen zu müssen „verschwörungstheoretisch“. Wer das glaubt, was Quent hier vom Stapel läßt, der hält es wahrscheinlich auch für ausgeschlossen, daß der völlig legale Kemmerich-Trick bei der Wahl des thüringischen Ministerpräsidenten angewandt worden ist, um eine zutiefst undemokratische R2G-Minderheitsregierung gemäß dem eigenen Wählerauftrag zu verhindern. Der glaubt dann wahrscheinlich auch, daß eine regelkonform abgelaufene, demokratische Wahl eine undemokratische sei, und daß es einwandfrei demokratisch gewesen sein muß, daß die Bundeskanzlerin dazu aufgefordert hat, eine demokratische Wahl wieder rückgängig zu machen. Womit Quent dann wieder einmal bewiesen hätte, worum es bei ihm und Seinesgleichen geht, um die Orwellsche Verwandlung nämlich: „Lüge ist Wahrheit! Frieden ist Krieg! Sklaverei ist Freiheit! Unwissenheit ist Stärke!“

Matthias Quent wurde 1986 geboren, ist also 34 Jahre alt. Wenn ihn kein Virus tödlich erwischt, was in seinen Augen wohl eher ein politisches als ein medizinisch-gesundheitliches Problem wäre, dann hat er noch einige Jahrzehnte vor sich. Und meinereiner fragt sich ernsthaft, woher er die Gewißheit nimmt, daß er nicht eines Tages unter den peinlichsten äußeren Umständen noch einmal wird Stellung beziehen müssen zu dem, was er als junger Mann und Direktor des jenensisch-außeruniversitären „Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Trägerschaft“ vom Stapel gelassen hat. Genau genommen ist eine meiner größten Sorgen, daß er es dereinst nicht tun müssen könnte. Das gilt auch für diejenigen, die ihm rückblickend eine Plattform für seine Einlassungen zur Verfügung gestellt hatten. Die Wahrheit wird siegen, Quent wird verlieren.