Nicht nur Viren verbreiten sich unkontrolliert: Fake-News in Zeiten von Corona

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(Symbolbild:Shutterstock/GeorgejMclittle)

Meldungen über coronainfizierte Flüchtlinge, die vorsätzlich Menschen anstecken oder infektiös amoklaufen; Horrormeldungen über kerngesunde Sterbende; gefälschte amtliche Bekanntmachungen: Die Fakenews und Hysteriemeldungen, die die ohnehin schon verstörend genug daherkommenden regulären Nachrichten um angebliche geheimen oder exklusiv-vorabverkündeten „Insider“-Informationen ergänzen, verunsichern die Bevölkerung unnötig zusätzlich.

Man muss sich wirklich in diesen Tagen die Frage stellen, was das für Menschen sind, die die sozialen Netze und vor allem die Messengerdienste – allen voran Whatsapp – mit dubiosen Pseudo-News fluten, die möglichst viel Panik und Emotionalität generieren sollen – und daher schneller buchstäblich „viral“ gehen, als es Corona selbst ohne Gegenmaßnahmen je könnte. Sind diese Zeitgenossen geisteskrank? Haben sie eine morbide Lust am Chaos? Oder verfolgen sie politische Zwecke?

Sofern es sich dabei um den Versuch handelt, vorhandene Vorurteile und Stimmungen der Bevölkerung anzuheizen – etwa wenn es um das unbestreitbare Problem erkrankter oder möglicherweise infizierter Flüchtlinge geht -, muss man sich inzwischen die Frage stellen, ob hier nicht False-Flag-Aktionen von Linken und Befürwortern der Flüchtlingspolitik gezielt gestreut werden, um Kritiker und politische Gegner zu diskreditieren – denn so plump sind die Darstellungen und Hinzudichtungen, dass die ohnehin folgende Richtigstellung letztlich nur den Effekt hat, die Glaubwürdigkeit von „Einzelfall-„Schilderungen insgesamt zu ramponieren.

Sogenannte Flüchtlinge als Virenschleudern – Vorsicht vor „Breaking News“

Seit gestern zirkuliert etwa ein Video von einem Polizeieinsatz in der Karlsruher Postgalerie, das die Festnahme eines angeblichen Syrers zeigt, der zuvor geschrieen hatte, er habe Corona. Eine begleitend mitverschickte Sprachnachricht erklärt dazu, der Mann habe Passanten angespuckt und sei mittlerweile positiv auf Corona getestet worden. Angeblich müssten daher alle, die sich in der Postgalerie aufhielten, sofort in Quarantäne. In einem folgenden zweiten Video sind dann Männer mit Schutzanzügen in der menschenleeren Galerie zu sehen.

Tatsächlich stellt sich der Fall völlig anders dar, wie die „Badener Neuesten Nachrichten“ nach Rücksprache mit der Polizei berichten: Weil ein 46-jähriger Mann (der angebliche Syrer, wobei die Nationalität nirgends genannt wurde) auf Hausverbot in einem Supermarkt erhielt, ging er auf Sicherheitsleute los und musste schließlich von der Polizei in Gewahrsam genommen werden; bei seiner Verhaftung schrie er die Beamten an, er wäre am Coronavirus erkrankt. Der Rettungsdienst wurde daher gerufen, doch nachdem sich der Mann beruhigte, gab er an, lediglich „Angst vor dem Virus“ zu haben. Der Test verlief negativ, „eine Erkrankung war bei den folgenden Ermittlungen nicht zu verifizieren“, so der Rettungsdienst. Ob die dazu gezeigten Videos echt oder gestellt sind und mit dem Fall überhaupt etwas zu tun haben, ist unbekannt.

Andere Fake-Memes oder kursierende Halbwahrheiten beinhalteten Ankündigungen von Geschäften oder Supermarktketten – gestern etwa „Kaufland“ – die in täuschend echt nachgeahmten, angeblichen Firmenrundschreiben eine komplette Schließung aller Filialen aufgrund drohender Millionenverluste mitteilen:

(Screenshot:Netzfund)

Eine ähnliche Meldung geht per Whatsapp-Sprachnachricht herum, wonach angeblich Aldi am Montag schließen soll. Es sind schon deshalb durchschaubar schwachsinnige „News“, weil Supermarktketten aktuell zu den einzigen boomenden Handelszweigen zählen und zudem diese zur Sicherstellung der Grundversorgung in jedem Fall geöffnet bleiben werden.

Es geht hier stets darum, eine bereits vorhandene Panikstimmung weiter zu vergrößern und eine gefühlte Torschluß- oder Engpasssituation zu erzeugen, aus der heraus die Menschen dann zu Hamsterkäufen, zum irrationalen Run auf die Läden getrieben werden sollen.

In dieselbe Kategorie stieß gestern früh auch die Meldung, die Regierung werde Samstag um 13 Uhr bekanntgeben, ab Montag würden – nach österreichischem Vorbild – fast alle Geschäfte schließen. Hierauf reagierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sofort mit einem empörten Dementi – und widerrief die Meldung als „Fake-News“. Allerdings, wie so oft, war hierbei nur der Zeitpunkt der Nachricht gefaked – denn genau das, was diese Falschmeldung besagte, wird nun morgen tatsächlich Realität – vorerst in Bayern, absehbar über die Woche dann auch im Rest der Republik. Bars und Kneipen sind bereits in einigen Ländern dicht, übrige Gastronomie und dann auch der Einzelhandel werden folgen. Die Politik beschwichtigt heute und weist Szenarien zurück, die sie morgen in die Tat umsetzt.

Von diesen im persönlichen Bereich, graswurzelhaft verbreiteten News noch einmal zu unterscheiden sind echte Fake-News, die von Medien oder halboffiziellen Stellen ausgehen und durch Fehlinterpretation oder Verkürzung ihres eigentlichen Sinngehalts eigentlich zu neuen Sensationsmeldungen hochgeschrieben werden. So war es gestern mit der These von einer angeblichen Risikosteigerung des Verlaufs von Covid-19-Erkrankungen durch Ibuprofen-Tropfen, welche angeblich eine Studie der Uni Wien ergeben hätte. Diese wies die Quellenzuweisung umgehend zurück.

Zweifelhafte Ibuprofen-Verdachtsmomente und Horrormeldungen aus dem Iran

Allerdings hatte – so der „Deutschlandfunk“ – zuvor sogar der französische Gesundheitsminister über die fatale Ibu-Wirkung berichtet, und auch ein Forscher des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin habe die These „in den Raum gestellt“, dass Ibuprofen theoretisch ungünstig wirken könnte – jedoch bei bereits ausgebrochenen Covid-19-Krankheitsfällen. Hierzu fehlen jegliche wissenschaftliche Beweise, und auf das Infektionsrisiko hat Ibuprofen überhaupt keinen Einfluss.

Ein ähnliches Beispiel für voreilige Desinformatio ist die Meldung von angeblich 175.000 Corona-positiven Iranern, die im Zuge eines von der Regierung an 7,5 Millionen Menschen durchgeführten Massentests ermittelt worden seien. Die Meldung schaffte es sogar kurzzeitig auf den Corona-Liveticker von bild.de, nachdem die ARD-Iran-Korrespondentin Natalie Amiri sie auf Twitter verbreitet hatte:

Screenshot:Twitter

Immerhin schrieb Amiri hier, obwohl sie „offizielle Quellen“ nennt, von „gescreenten“, nicht „getesteten“ Personen – ein erheblicher Unterschied Wie dieses „Screening“ aussah, musste sie dann einige Stunden später in einem weiteren Tweet einräumen, wie das kritische Portal „bildblog.de“ schrieb: Auf der Website des iranischen Gesundheitsministeriums hatten Menschen selbst Daten über sich eintragen können und wurden dann gegebenenfalls zurückgerufen. Diese Selbstauskunft nahmen 7,5 Millionen Iranerinnen und Iraner vor; 175.000 von ihnen sollen dabei Symptome genannt haben, die auf eine Erkrankung durch das Coronavirus hinweisen können – aber ebenso auch auf eine normale Influenza oder sonstige Erkältung; ein durchaus demographisch normaler Wert, der nichts über eine Ansteckung mit dem Coronavirus aussagt.

Auch dieser Fall zeigt: Zumindest sollte bei jeder Meldung zunächst abgewartet und dann eine Zweit- oder Drittmeldung abgewartet werden, gegebenfalls Quellen nachgegoogelt werden. Und auf keinen Fall sollte man den dubiosen Input, der gerade auf Whatsapp und in Facebook über uns massenweise hereinschwappt, prompt für bare Münze nehmen und gedankenlos weiterverbreiten. (DM)

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