Wie die „WELT“ mich zum Radikalen erklärte

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WELT-Autor Sebastian Stolz wirft seinen "Freund" dem Mainstream zum Fraß vor und fühlt sich danach viel besser

„Radikalisierung, rechtsextrem – welch Diffamierung und Phrasendrescherei. Weiß er eigentlich, was diese Begriffe bedeuten?!“ Ein türkischstämmiger, homosexueller Freund von mir ist merklich erstaunt: Er hat gerade einen Artikel in der „Welt“ gelesen, den ein ehemaliger Freund über mich geschrieben hatte. In dem Text beschreibt der Verfasser, wie er „einen Freund an die AfD verlor“.

von Tim Krause

Das Leid des bekennend links-grünen, zeitgeistkonform gendersprechenden Ich-Erzählers erklärt sich aus der Wahrnehmung der AfD als einem Horrorereignis wie dem Angriff eines tentakelreichen außerirdischen Monsters: Ein Ereignis, das in seiner Gänze apokalyptisch und unverständlich scheint. Das Unvermögen, die erlernten, vorgegebenen Meinungsschnellstraßen auch mal an der nächsten Ausfahrt zu verlassen oder wenigstens kurz einen Rastplatz aufzusuchen, ist dem Text deutlich anzulesen. Dabei tritt die dahinterstehende Zielsetzung zutage: Das Monster muss totgeschlagen werden, koste es, was es wolle. Die gesellschaftliche Ächtung und wirtschaftliche Vernichtung von AfD-Politikern ist ohnehin beschlossene Sache. Der physischen Vernichtung wird in vielen Publikationen indirekt Vorschub geleistet. Überall im Land tritt der moralische Bessermensch dieser Tage aus dem Lichtkegel seiner Schreibtischlampen hervor, die allzu häufig seinen Denkhorizont bilden, um koffeingeladen den Kampf der Schreibtischtäter gegen Andersdenkende zu führen.

Als OB-Kandidat der AfD im niederbayerischen Deggendorf erlebt man beispielsweise die stets gut gebückte, willfährige Hofberichterstattung der CSU in Höchstform: Bei einer Podiumsdiskussion tut sich eine Lehrerin aus dem großen und lautstarken CSU-Block mit der Frage an mich hervor, wie ich denn zur Inklusion im Allgemeinen und zum Ausbau ihrer Schule zur behindertengerechten, also barrierefreien Bildungseinrichtung stünde.

Ich sage klar und deutlich: Von meiner Seite erhält sie volle Unterstützung, ungeachtet dessen, was im Parteiprogramm steht; wobei aber bei Inklusion zwischen den verschiedenen Graden an Beeinträchtigung zu unterscheiden sei. Voll-Inklusion aller Kinder mit Beeinträchtigungen hielte ich für ein rot-grünes Ideologieprojekt, da es nun mal Kinder mit entsprechend anspruchsvollen Pflegestufen gebe, die nicht ohne weiteres in Regelschulen mitbeschult werden könnten. Diese Kinder benötigen unsere volle Fürsorge und demensprechend auch angemessene Förderschulen. Der Deggendorf-Teil der PNP – ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, das Kürzel steht für „Passauer Neue Prawda“ – schreibt danach, dass AfD-Mann Krause Inklusion zum linksgrünen Ideologieprojekt erkläre – aber kein Wort darüber, dass ich der CSU-getreuen Lehrerin die volle Unterstützung bei ihrer barrierefreien Schule zugesagt habe.

Dieses kleine Beispiel spricht Bände: Meine Kernaussage wurde durch ideologisch gesetzte Auslassungen ins Gegenteil verkehrt. Damit hat die Autorin des betreffenden Artikels exakt das getan, was brav-devote Regierungstreue im Journalistengewand mit Blick auf die AfD fast immer tun. Es ist ein Rezept, ein Fahrplan, der einfach, aber wirkungsvoll ist:

Es werden Aussagen verfälscht, verkürzt und durch die Herauslösung aus dem Kontext semantisch ins Gegenteil verkehrt, manchmal einfach schlicht gelogen. Es werden Behauptungen aufgestellt und ohne jeden unterliegenden Beweis behandelt wie Tatsachen. Es werden auch noch so kleine Einzelphänomene innerhalb einer politischen Partei pars pro toto zu deren genereller Charakterisierung herangezogen. Es wird eine politische Ausgangshaltung in Form einer Vorverurteilung eingenommen und dann ausschließlich jene Ereignisse oder Aussagen herangezogen, die zum „Beweis“ der Ausgangsthese geeignet sind; andere werden ignoriert. Einem Wissenschaftler würde man eine derartige Realitätsbeugung um die Ohren hauen. Nun sind Journalisten keine Wissenschaftler. Sie sind Berichterstatter.

Ein seriöser Berichterstatter beobachtet ein Phänomen von gesellschaftlichem Interesse und erstattet Bericht darüber, indem er es in seiner Gesamtheit, unter Berücksichtigung aller relevanten Wertigkeiten, möglichst wirklichkeitsnah abzubilden versucht. Eine Betrachtung beispielsweise des Phänomens „Rakete“ ermöglicht dem Leser eben nur dann eine substantiierte Meinungsbildung, wenn er nicht nur erfährt, dass mit einer Rakete Sprengköpfe auf militärische oder zivile Ziele abgefeuert, sondern auch Wissenschaftler und Satelliten ins All gebracht werden können, die unser Leben deutlich verbessern.

Der Verfasser des erwähnten „Welt“-Artikels gibt allenthalben zu erkennen, dass er kein Berichterstatter ist – sondern Propagandist: Wenig überraschend rückt er die AfD einmal mehr in die Ecke des Rechtsextremismus und des Antisemitismus. Dabei wird eine Aussage des Zentralrats der Juden in Deutschland zitiert, der zufolge die AfD „eine Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland“ darstelle. Ich habe mit dem Autor des Textes im Vorfeld über diese haltlose Behauptung gesprochen. Er hätte wissen können, dass die AfD in ihrer Plattform JAfD – Juden in der AfD mittlerweile hunderten unserer jüdischen Mitbürger eine politische Heimat gibt; dass die Partei sich leidenschaftlich und – anders als die Linken – kompromisslos für das Existenzrecht Israels einsetzt; dass sie die mit Abstand größte Quelle des modernen Antisemitismus, nämlich den muslimischen, immer wieder thematisiert und mit Nachdruck auf die politische Agenda setzt. Doch das alles interessierte den Welt-Reporter nicht, weil es nicht in seinen brav erlernten und geistig ausgehärteten Meinungsbeton passte.

Die Basler Zeitung zitiert 2018 eine dänische Studie mit einem eindeutigen Ergebnis: „Am häufigsten stehen die Journalisten grünen Ideologien nahe, gefolgt vom Feminismus. Es gibt in den Redaktionen durchschnittlich drei Mal so viele Grüne und Feministen wie im Rest der Bevölkerung. Auf Platz drei liegt der Sozialliberalismus, gefolgt von Kommunismus und einer pro-europäischen Haltung. Diese drei Einstellungen sind bei den Medien doppelt so häufig vertreten wie in der Bevölkerung. Am seltensten ist eine nationalkonservative Haltung. Sie ist in der Bevölkerung rund sechs Mal häufiger vertreten als bei den Journalisten.“

Dies beweist den massiven Linksdrall einer Zunft, welche eine Bedingung ihrer eigenen Existenz, nämlich die Trennung zwischen Meldung und Meinung, allzu oft bereits aufgegeben hat. Die linksgrüne Meinungsbildung des Jahres 2020 erreicht nun aber eine neue Qualität. Alle Gesellschaften und die von ihnen hervorgebrachten Herrschaftsformen erzeugen phasenweise Machtverdichtungen, die einer fast vollständigen Homogenisierung von Meinungsbild und Darstellungsformen bedürfen. Abweichler werden denunziert, diffamiert, schließlich ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche Existenz der Zerstörung preisgegeben. Eine Meldung zu schreiben ist eben etwas anderes, als „Meldung zu machen“. Jeder Meinungstotalitarismus bedarf seiner herrschaftsstabilisierenden Selbstreinigungskräfte, der Informanten, Melder und willfährigen Denunzianten, denen vorher durch ständige Wiederholung beigebracht wurde, wo der Feind steht und ohne die der Machterhalt nicht möglich wäre. Die IMs der Stasi sind hierfür historisches Paradebeispiel.

Im Merkelstaat der Gegenwart, in dem selbst Regierungspartei und Behörden von Querdenkern gereinigt, Wahlen „korrigiert“, Bürger totalüberwacht und Meinungen zensiert werden, sind gerade die „Meldungen“ jener Melder unerlässlich für die Selbstlegitimation der Regierenden, deren Handeln bereits jede faktische Grundlage verlassen zu haben scheint. Daher ist es auch kein Wunder, dass ein Artikel wie der erwähnte wenige Tage vor einer wichtigen Kommunalwahl erscheint – wie auch die Meldung, dass Teile der Bundespartei nun vom Verfassungsschutz überwacht werden sollen. Wer darin den Versuch einer Wählermanipulation erkennen möchte, ist vermutlich nur ein Verschwörungstheoretiker.

Tim Krause ist Bürgermeisterkandidat der AfD Deggendorf. Er arbeitete zuvor als Autor und Unternehmer in der Medienbranche  für mehrere Radio- und Fernsehsender.

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