Tugendterror: Rowohlt-Autoren torpedieren Veröffentlichung von Woody Allens Memoiren

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Woody Allen - Foto: Imago

Nachdem Woody Allens Verlag „Hachette“ in den USA auf Druck aus dem juste milieu reagierte und die Rechte an Allens Autobiographie an den weltberühmten Schauspieler und Regisseur zurückgegeben hat, seine Memoiren also nicht veröffentlicht, sieht sich nun auch der Rowohlt-Verlag wegen der geplanten Veröffentlichung einer deutschen Fassung dem Tugendterror selbsternannter Moralwächter ausgesetzt. Fünfzehn Minusnazis, die für Rowohlt schreiben, forderten den Verlag auf, Allens Buch ebenfalls nicht herauszubringen.

von Max Erdinger

Begriffsklärung

Was ist ein „Minusnazi“? Der „Minusnazi“ geriert sich als „Antifaschist“, ist aber durch und durch ein „achsengespiegelter Faschist“. Die heutige SA nennt sich Antifa. Es gibt auch die „Minusnationalisten“ im Gegensatz zu den „Antinationalisten“. Der „Minusnationalist“ befürwortet zwar die „Überwindung der Nation“, ist aber, wenn es um die historische Schuld der Nation geht, zur selben Zeit ein absoluter Nationalist. Der „Antinationalist“ hingegen ist in jeder Hinsicht gegen die Nation, egal gegen welche. Der „Minusnazi“ verabscheut zwar die nationalsozialistische Ideologie und die Verbrechen der Nazis, ist dabei aber in seinen Denkmustern und in seiner Radikalität ein systematischer Nazi, ein „Minusnazi“ eben. Die Unterscheidung zwischen „Anti“ und „Minus“ ist gerade zur Zeit eminent wichtig geworden. Der inzwischen epidemisch gewordene Gesinnungs- und Tugendterror von Minusnazis und Minusnationalisten muß dringend gebrochen werden, wenn freiheitlich demokratische Grundordnung und Rechtsstaat nicht auf dem Müll landen sollen.

Analog zur Entnazifizierung nach dem Krieg wird es Zeit für eine „Entgrünifizierung“ im weitesten Sinne. Die müßte freilich auch das juste milieu der linken und evangelisch-moralistischen Hetzer umfassen. Dort sind nämlich auch die Feministen zuhause, eine der übelsten Gattungen unter den subjektivistisch-moralisierenden Geiferern, jener mißratenen Unterart des Menschengeschlechts, die man ein paar glückliche Jahre lang für ausgestorben halten durfte. Heute nicht mehr. Und um genau diese degenerierte Unterart des zivilisierten Menschen geht es hier.

Woody Allen

Woody Allens (*1935) Lebensgeschichte ist neben einer von viel Ruhm und Ehrung u.a. auch eine von Heirat, Scheidung und Rosenkrieg. Drei Ehefrauen und eine Lebensgefährtin, Diane Keaton, gab es, eine vierte Ehefrau, Soon-Yi Previn, gibt es – und zahlreiche eigene, ein untergeschobenes und adoptierte Kinder. Die gefährlichste Ehefrau von Woody Allen scheint Mia Farrow gewesen zu sein. Seit dem Anfang der achtziger Jahre ist sie mit Woody Allen liiert gewesen und dennoch hält sie es noch heute für möglich, daß der Vater ihres 1987 geborenen Sohnes Ronan Farrow nicht Woody Allen, sondern Frank Sinatra sein könnte, einer ihrer früheren Ehemänner. Aus der Ecke Farrow kommt auch das ganze Ungemach, mit dem Woody Allen jahrelang zu kämpfen hatte. Es ging um Vorwürfe des sexuellen Mißbrauchs der damals siebenjährigen Dylan Farrow, Jahre später erhoben von ihrer Mutter Mia Farrow in einem 1992 laufenden Sorgerechtsstreit nach der Scheidung von Woody Allen. Der weltberühmte Regisseur, Drehbuchautor und Filmschauspieler hat die Vorwürfe immer bestritten. Auch diesbezügliche Ermittlungen gegen ihn endeten mit dem Hinweis der Staatsanwaltschaft, daß der Verdacht gegen Allen zwar bestehe, daß ein Prozeß aber aus Sorge um das psychische Wohlergehen des angeblichen Opfers Dylan Farrow unterbleibe. In den Jahren 2013 und 2014 kochten die Vorwürfe gegen Allen wieder hoch, als sich Dylan Farrow zunächst bei „Vanity Fair“ und später in der „New York Times“ über ihre Erfahrungen als Mißbrauchsopfer äußerte. Ihren Einlassungen widersprach damals Moses, der gemeinsame Adoptivsohn von Allen und Farrow. Er bezeichnete die Darstellung seiner Schwester als Produkt einer von Mia Farrow betriebenen Rache- und Entfremdungskampagne gegen Allen. Moses Farrows Darstellung bekräftigte Woody Allen wenige Tage später ebenfalls in der „New York Times“. Zugleich erhob er nun selbst Vorwürfe gegen Mia Farrow. Tatsache ist bis heute: Woody Allen wurde nie verurteilt für das, was ihm vorgeworfen worden war, weshalb nach Recht und Gesetz von seiner Unschuld auszugehen ist. Ein Motiv für die Anschuldigungen gegen ihn scheint aber plausibel. Mia Farrow war im Jahr 1990 dahintergekommen, daß wohl schon seit einiger Zeit ein intimes Verhältnis zwischen Woody Allen und ihrer Adoptivtochter Soon-Yi Previn bestanden hatte. Soon-Yi Previn war damals zwischen 18 und 20 Jahren alt und ist nun bereits seit bald dreißig Jahren Woody Allens vierte Ehefrau. Adoptiert worden war sie als Kind von Mia Farrow und einem ihrer früheren Ehemänner, André Previn. Ein Motiv für die Anschuldigungen gegen Allen dürfte auch in Mia Farrows Einlassung versteckt sein, es gebe eine grundsätzlich mangelnde Unterstützung für Opfer sexuellen Missbrauchs.

Feministische Hexerjagden

Es ist nun ein alter Hut – und auch in Deutschland haben wir viele Fälle kennengelernt, für die das zutrifft – daß ein allgemein aufgeheiztes, hysterisches Klima gern von egozentrischen Hysterikerinnen dazu genutzt wird, sich als besonders vorbildlich zu inszenieren, indem sie persönlich einen „Täter“ präsentieren, der es in der Folge unglaublich schwer hat, sich im öffentlich angeheizten Meinungsklima zum Thema generell zur Wehr zu setzen und seine Unschuld zu beweisen. In Deutschland haben die Fälle Kachelmann, Wörtz und Arnold größere Kreise gezogen, wobei der Fall Arnold wirklich tragisch mit dem Tod eines zu Unrecht Beschuldigten endete. Aber wie es so ist in einem Land, in dem „das bessere Geschlecht“ seinen Opferstatus auf alle Zeiten gepachtet zu haben scheint, während das andere aus „Schweinen“ besteht: Falschbeschuldigungen rachsüchtiger Frauen gegen unliebsame und abgeliebte Männer sind selbst an einem Internationalen Frauentag nirgendwo ein Thema. Dabei gibt es diese Fälle recht zahlreich.

Dem Liebhaber der deutschen Sprache sollte in dem Zusammenhang auch auffallen, wie ausdrucksarm sie nach einem halben Jahrhundert feministischer Indoktrination und der Installierung eines Staatsfeminismus´ geworden ist. Wo sind sie hingekommen, alle die Luder, die Besen, die Hexen, die Schlampen und Xanthippen, die Klatsch- und Tratschtanten, die Plappermäuler, die Waschweiber, die Matratzenkasper und Intrigantinnen? – Sie sind weg, einfach weg. Unterschiedslos sind sie zu „die Frauen“ geworden. Ausgestorben sind sie deswegen aber nicht. Noch nicht einmal das Fräulein darf es mehr geben. Das ist also grob umrissen das ungeistige Klima, in welchem fünfzehn Rowohlt-Autoren dafür plädieren, Woody Allens Autobiographie nicht herauszubringen. Habe ich irgendwo ein Hinweisschild gesehen, auf dem zu lesen stand: „zur Bücherverbrennung hier entlang –>“ – oder habe ich das vorerst nur geträumt? Weit davon entfernt sind wir jedenfalls nicht mehr. Asterix & Obelix gelten heute als nationalistische Chauvinisten, als engstirnige Radaubrüder. Pippi Langstrumpfs Vater, im Original noch „Negerkönig in der Südsee“ von Beruf, wurde zum „Südseekönig“. „Lustig ist das Zigeunerleben“ wird nirgendwo mehr gesungen, Karl May wurde zum Rassisten usw.usf. – der Tugendterror der selbsternannten Moral-, Sprach- und Gesinnungswächter von links nimmt immer groteskere Ausmaße an.

Die Würfel sind gefallen

Inzwischen ist dieser vor Selbstgerechtigkeit stinkende Tugendterror schon so ungeheuerlich, daß den hypermoralisierenden Gesinnungswächtern selbst klar sein dürfte, wer ihnen dereinst noch gnaden wird: Allenfalls der liebe Gott, sonst niemand mehr. Das heißt, daß sie unter Zugzwang stehen. Entweder den Kreuzzug gegen die geistige Freiheit des Europäers verschärfen und am Ende gewinnen – oder aber verlieren, und dann alles. Dazwischen ist eigentlich kaum noch etwas anderes denkbar. Und so schlagen sie also, wild entschlossen, ihre eigene Haut zu retten, wie die Furien um sich.

Die „Welt“ meldet: „Wir sind enttäuscht über die Entscheidung des Rowohlt-Verlags, die Autobiografie von Woody Allen zu veröffentlichen“, teilten 15 Schriftsteller am Montag in einem offenen Brief mit. Unter den Autoren sind Sascha Lobo, Kathrin Passig, Margarete Stokowski, Giulia Becker, Kirsten Fuchs, Till Raether und Sven Stricker.“ – Das Problem: Die Rowohlt-Verlage gehören seit bald vierzig Jahren zur Verlagsgruppe Georg von Holztbrink. Verlagsgründer Ernst Rowohlt hätte sich mit einem solchen offenen Brief vermutlich den Allerwertesten abgewischt. Und der letzte Rowohlt, dem Verlagsgeschäft leider abhold, verstarb vor fünf Jahren. Harry Rowohlt wäre der Typ gewesen, der es dem Verlagsgründer wahrscheinlich gleichgetan hätte. Von ihm stammt die folgende wundervolle Bemerkung: “ … wenn man als junger Mensch so aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen selbst treu geblieben ist, sieht man als alter Sack aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer.“ Harry Rowohlt sah zuletzt aus wie ein Penner. Ihm hätte niemand mit einem solchen offenen Brief zu kommen brauchen. Aber wie gesagt: Das Verlagsgeschäft war ohnehin nicht sein Bier. Er war selbst Schriftsteller und Kolumnist. Wäre das Verlagsgeschäft aber sein Metier gewesen, so bin ich mir sicher, hätte er von diesen 15 Selbstgerechten nicht auch nur einen Buchstaben weiterhin angenommen, und stattdessen Woody Allens Autobiographie veröffentlicht.

Nach dem Rückzug des US-Verlages „Hachette“ zaudert nun auch der Rowohlt-Verlag und argumentiert mit der unklaren Rechtslage. Noch vergangenen Freitag hieß es dort, die Vorwürfe gegen Woody Allen seien umfassend untersucht- und schließlich entkräftet worden, weshalb man auch am Erscheinungstermin 7. April festhalte.

Aus dem offenen Brief

«Das Buch eines Mannes, der sich nie überzeugend mit den Vorwürfen seiner Tochter auseinandergesetzt hat, und der öffentliche Auseinandersetzungen über sexuelle Gewalt als Hexenjagd heruntergespielt hat, sollte keinen Platz in einem Verlag haben, für den wir gerne und mit großem Engagement schreiben», hieß es in dem Schreiben weiter. Die Autoren kritisieren unter anderem, dass «nach gängiger Praxis» die Fakten des Buches wahrscheinlich nicht vor Veröffentlichung geprüft wurden. Sie sind der Ansicht, dass «dieses Vorgehen unethisch ist und einen Mangel an Interesse für die Belange der Opfer sexueller Übergriffe zeigt».

So klingt das heute wieder, wenn von ihrem eigenen Edelmut besoffene, zu jeder kritischen Selbstreflexion unfähige, vor Selbstgerechtigkeit stinkende Minusnazis anderen Leuten ihr eigenes „Bessermenschsein“ reindrücken wollen. „Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.„, ist ein Zitat, das Kurt Tuchosky zugeschrieben wird, wahrscheinlich aber von Max Liebermann stammt. Es soll dem Maler über die Lippen gekommen sein, als er den Sieges-Fackelzug der (Plus)- Nazis am 30. Januar 1933 in Berlin miterleben mußte. Mir geht es bei den heutigen „Minusnazis“ kein Stück anders. Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte. Mit diesen Leuten gibt es nichts mehr zu bereden.

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