AfD zerrt Märchen-Medien vor den Kadi

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Foto: Von Berke/Shutterstock

Diese Meldung erinnert stark an eine gewisse Person, die für einen Skandal bei einem ehemaligen Nachrichtenmagazin sorgte. Auf unterschiedlichen Nachrichtenseiten hieß es, dass der anhaltinische AfD-Fraktionsvorsitzende Oliver Kirchner und der Blogger Oliver Flesch auf Lesbos mit Linken aneinander geraten seien.

Von Nils Kröger

So meldete z.B. der MDR „AfD-Fraktionschef Kirchner gerät auf Lesbos mit Linken aneinander“. Als Quellen wurden u.a. die DPA und die Inselzeitung Sto Nisi genannt. Für Teile der deutschen Presse war dies wohl so verlockend, dass journalistische Selbstverständlichkeiten wie z.B. Recherche hinter anstehen mussten.

Denn der betroffene Kirchner war überhaupt nicht auf Lesbos. Statt dessen war er sowohl Sonnabend als auch Sonntag in seinem Landtagsbüro in Magdeburg, wie er auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT berichtet. Er gab an, dass seine Frau anrief und ihn über die Nachrichten informierte. Ich konnte das erst gar nicht glauben, so Kirchner. Er habe dann den MDR kontaktiert und bekannt gegeben, dass er nicht auf Lesbos war. Weiterhin erklärte Kirchner, daß er im Laufe des Wochenendes E-Mails und Nachrichten erhielt, in denen beschimpft und bedroht wurde.

Selbst Oliver Flesch, auf den das Ereignis tatsächlich zutraf, stellte nach Bekanntwerden der Meldungen schnell klar, dass Kirchner auf gar keinen Fall in die Angelegenheit involviert war und er den AfD-Politiker auch gar nicht kenne. Die DPA korrigierte die Meldung und der MDR löschte sie. Doch selbst zum jetzigen Zeitpunkt scheint dies noch nicht bei allen Medien durchgedrungen zu sein (siehe hier) und bei der Recherche auf einer bestimmten Suchmaschine finden sich zumindest noch die Schlagzeilen.

Den Vogel schießt dabei die taz ab. Diese gesteht zwar die Falschmeldung ein aber die „Korrektur“ spricht Bände. So heißt es nun „Kirchner will zu Hause gewesen sein“ und weiter „Auch ein AfD-Politiker soll dort gewesen sein. Der streitet nun jedoch ab,“. Um sich nun die Hände in Unschuld zu waschen, schieben die Autoren der DPA die Schuld in die Schuhe (In einem früheren Artikel hat die taz aufgrund von dpa-Informationen geschrieben, dass Kirchner auf Lesbos gewesen sei. Diese Information lässt sich nicht bestätigen.).

Hätten die Betroffenen nicht nur abgeschrieben sondern einfach ihre Arbeit gemacht, wäre ihnen eine Blamage erspart geblieben. Aber vermutlich gilt auch hier der Spruch: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt´s sich gänzlich ungeniert.“ Der AfD-Politiker Kirchner behält sich rechtliche Schritte vor und hat die Angelegenheit seinem Anwalt übergeben.