Höcke-Buch von 2018 soll indiziert werden: Wann kommen die ersten Bücherverbrennungen?

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Moderne Bücherverbrennung - Jagd auf das Buch von Björn Höcke; © jouwatch Collage
Moderne Bücherverbrennung - Jagd auf das Buch von Björn Höcke; © jouwatch Collage

Im Zuge der politisch gewollten Neubewertung der gesamten AfD als inzwischen „faschistische“ Partei werden nun auch retrospektiv politische Hygienemaßnahmen gefordert, die auf frappierende Weise an die NS-Repressionen in den Anfangszeiten des Dritten Reiches erinnern. Jetzt wird sogar vor virtuellen „Bücherverbrennungen“ nicht mehr haltgemacht: Das bereits 2018 (!) erschienene Buch „Nie zweimal in denselben Fluss“ von Björn Hoecke soll verboten werden.

Ausgerechnet der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker (CDU) spielt sich als oberster Gralshüter der Toleranzgrenzen auf – und will Höckes Buch als „jugendgefährdend“ indizieren lassen, wie „n-tv“ berichtet. Dass die AfD wie keine andere deutsche Partei für den Schutz jüdischen Lebens in Deutschland eintritt und die bedingungslose Solidarität mit Israel verteidigt, passt dem neuen Narrativ der Staatspropaganda von der angeblich flächendeckend rechtsextremen, revisionistischen „Nazi-Partei“ natürlich so gar nicht ins Bild.

Deshalb versucht Becker nun, über die Klammer Faschismus – Antisemitismus einen solchen Kontext herzustellen – obwohl beide Begriffe im Kontext der AfD grotesk verbogen und fehlangewendet erscheinen, ganz im Sinne des hysterischen Sprachgebrauchs dieser Tage: Höckes 300 Seiten dickes Buch, so Becker, „atmet den Faschismus aus“, es sei „durchzogen von völkischem und rassistischem Denken und gehöre „auf keinen Fall in die Hände von jungen Menschen.“

Keinen einzigen Beleg, nicht einmal eine Passageninterpretation liefert Becker für diese haarsträubenden Behauptunge nach. Doch wozu auch? Wer wiederholt, was jeder schon zu wissen meint, vergeudet notwendige Ressourcen für die weitere Hexenjagd.

Sonderbar: Als Höckes Werk bereits vorletztes Jahr im „Weltbild“-Verlag erschien, war sein Autor zwar ebenfalls schon verpönt und galt als unappetitlicher Rechtsausleger der AfD; doch damals markierte der Vorwurf des Rechtspopulismus noch die äußersten Peaks des öffentlichen Empörungsvokabulars gegen die Partei. Seit aber mit dem Thüringen-Ministerpräsidentenwahl-Zirkus eine beispiellose Begriffsverschiebung und Sprachinflation Einzug hielt und inzwischen gedankenlos Begriffe für die AfD angewendet werden, wird der Verfolgungswahn der Etablierten gewissermaßen selbstreferenziell: Weil heute plötzlich „Faschist“ ist, muss alles, was er bisher gesagt und publiziert hat, ebenfalls faschistisch sein.

Schmähungen und Unterstellungen ohne den geringsten Beleg

Daher geht Hobby-Wächter Becker & Konsorten die Begründung ihrer Zensurforderungen so locker-flockig wie nie zuvor über die Lippen: Höckes Buch, so Becker, diffamiere „die freiheitlich demokratische Ordnung in unserem Land und atmet von der ersten bis zur letzten Seite den Faschismus aus“. Es fördere „den Rassismus und kann dadurch gerade junge Menschen verstören und sie auf neo-faschistische Irrwege leiten“.

Es ist die lückenlos wiedergegebene Phraseologie der Staatspropaganda, die Becker hier bedient: Höckes „pseudointellektuell gehaltenes Buch“ formuliere „klar faschistisches Gedankengut, relativiert dabei den Faschismus und strebt eine verfassungsfeindliche Politik an, die die ‚Voraussetzungen für ein konsequentes Durchregieren‘ schaffen soll“. Man wundert sich, wie dieses Regal nunmehr fast zwei Jahre in den Buchhandlungen stehen konnte, ohne dass diese schröcklichen Inhalte irgendwo Anstoß erregten.

Natürlich darf auch die – eigentlich strafrechtlich relevante – Unterstellung nicht fehlen, es bestünde ein Zusammenhang zwischen AfD und rassistisch motivierten Gewaltverbrechen der jüngsten Zeit: „Es führt eine klare Spur von Worten zu Taten von Höcke über Halle nach Hanau.“ So etwas darf man im Jahr 2020 in Deutschland behaupten, ohne dafür auch nur den kleinsten Beweis vorlegen zu müssen. (DM)