„Wort zum Sonntag“ im Ersten: Pastorale Schlepperpropaganda und Aufwiegelung zum Parlamentssturm

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Pastorin Annette Behnken beim "Wort zum Sonntag" (Screenshot:Youtube)

Beim gestrigen „Wort zum Sonntag“ im Ersten drehte die diensthabende Gutmenschin auf der ARD-Mattscheibe, Pastorin Annette Behnken, so richtig frei – und ruft zum Sturm auf Parlamente, also zum Umsturz der öffentlichen Ordnung auf. Europäische Außengrenzen, geordnetes Asylrecht, staatliche Souveranität und Grenzschutz sind für Medien-Evangelisten allenfalls störendes Beiwerk – was zählt, ist ihre Kamikaze-Moral: Jeden retten, bis man selbst nicht mehr zu retten ist.

Dass Europa und speziell Deutschland über alle ökonomische und gesellschaftliche Kapazitäten hinaus bereits Millionen Menschen aufgenommen hat (und die täglichen Einzelfallnachrichten beweisen, welche Prachstücke, welche aberwitzigen Fälle ausgenutzter Hilfsbereitschaft darunter waren) – in der Wahnwelt dieser Pastorin ist dies schlicht nicht enthalten. Sie fordert wörtlich: „Jedes einzelne Kind, jede einzelne Frau jeder einzelne Mann muss in Sicherheit gebracht werden“.

Es gäbe, so Behnken, „viele, die helfen wollen“ (heißt: sich über Recht und Gesetz wie gesunden Menschenverstand unter Zwangsbeanspruchung der Solidargemeinschaft und Steuerzahler hinwegsetzen wollen), „Bürgermeister, Städte und Gemeinden“, doch sie alle würden „ausgebremst von politischen Strukturen“. Was die Pfarrerin damit meint: von den demokratischen Gremien – vor allem dem Bundestag, der diese Woche mehrheitlich und aus guten Gründen gegen jede weitere „Flüchtlings-„Aufnahme votierte. Behnken weiß, wie mit lästigen Mehrheitsentscheidungen von Volksvertretern zu verfahren ist, die anders abstimmen als von Aufwiegelungspredigerinnen verlangt: Die Hilfswilligen müssten „auf die Straße gehen“ und „die Parlamente stürmen, in denen Neofaschisten sitzen“. „Neofaschisten“, das sind demnach alle parteiübergreifenden Parlamentarier, die sich dem türkischen Erpressungsversuch verweigern. So etwas strahlt das ARD als kirchliches Sonntagswort im vorgesehenen Sendeslot aus.

Aufruf zum Parlamentssturm – ein Fall für den Verfassungsschutz

Dass für den europäischen Grenzschutz 700 Millionen Euro aufgewendet werden (dies übrigens tatsächlich ein – wenn auch unzulänglicher – Akt innereuropäischer Solidarität) kommentiert die Pfaffin so: „Mit Verlaub, ich könnte kotzen!“ An Europas Grenzen, so Behnken, zeige sich „die Grenze unserer Menschlichkeit… und Europa zeigt sein hässliches Gesicht.“ Weil nicht jeder Jung-Araber, Pakistani/Afghane oder juvenile Afrikaner (die „Frauen und Kinder“ muss man sich bei den ungeschönten Bildern von der griechisch-türkischen Grenze nach wie vor überwiegend dazudenken) sofort von den Griechen mit Blumensträußen und Kusshand über die Grenze geleitet und nach „Germany-Alemania-Hello-Merkel!-Land“ weitergefahren wird, sieht die Pastorin einen Abgrund von Unchristlichkeit: „Europa verkauft an der Grenze zwischen Griechenland und der Türkei unsere grundlegenden Werte – Menschlichkeit und Menschenrechte!!!“ Damit nicht genug: Zwischen Türkei und EU werde „geschachert um Menschenleben“.

Jedem striefen Clemens-Bittlinger-Fan geht da glatt das Herz auf. Doch es gibt ein winziges Problem: Was Behnken hier mit betroffenen Timbre vorträgt, ist blühender Blödsinn. Niemand auf europäischer Seite „verkauft“ hier Werte oder Menschen – das ist die Türkei. Vielleicht sollte dieser treuherzig dreinblickenden Gesinnungspfaffin dringend jemand erklären: Nicht die EU „schachert“ – sondern alleine der islamistische Diktator Erdogan. Er ist es, der Menschen missbraucht und mit sogenannten Flüchtlingen einen faktischen Krieg führt (nur ein paar Prozent von ihnen übrigens echte Kriegsflüchtlinge, die übergroße Mehrheit Glücksritter und Wirtschaftsmigranten), um wahlweise politisch Geld von Europa zu erpressen oder sich zumindest eine innenpolitische Hypothek vom Hals zu schaffen, weil er nach seinem gefloppten Eroberungskrieg mit dem Rücken zur Wand steht und niemand in der Türkei mehr Lust auf vier Millionen Refugees innerhalb der eigenen Grenzen hat.

Ganz so wie die Schlepper Nordafrikas und des Mittleren Ostens, die sich schon gierig die Hände reiben, spekuliert daher auch Erdogan erfolgreich auf die grenzenlose Naivität und Verblödung deutscher Moralisten, die sein Geschäft besorgen – indem sie den Druck auf Staat und Gesellschaft erhöhen, ihm entweder die Menschenlast abzunehmen oder ihn finanziell dafür zu entschädigen. Ob EKD, Vertreter der „Seenotrettung“ oder ÖR-Gebührenfernsehen: Sie säuseln ihre Verslein von „Nächstenliebe“ und „Humanität“ herunter, ohne je zu kapieren, dass sie mit ihrer permanenten Forderung nach übergesetzlicher „Soforthilfe“, nach Aufnahme von noch mehr Menschen nicht nur die hiesige Rechtsordnung mit Füßen treten, sondern eine perverse Asyl- und Migrationsindustrie erst am Laufen halten.

Auch die Seenotrettung wird an passender Stelle thematisiert

Wie auf Stichwort folgte in Behnkens „Wort zum Sonntag“ dann noch eine schwärmerische Lobpreisung auf das von EKD gekaufte Schlepperschiff, das „die Finger so richtig in die Wunde legt“ und „zeigen“ werde: „Das Selbstverständliche ist eben nicht selbstverständlich!“. Für Behnken ist quasi die Öffnung der griechischen Grenze eine Art Seenotrettung an Land; so schließt sich der Kreis. Hypermoral, komplexe weltpolitische Fragen heruntergebrochen auf den Tiefgang einfältiger Debattenrunden auf Konfirmationsfreizeiten: Das ist das Niveau dieser TV-Predigt – ausgestrahlt im zwangsgebührenfinanzierten ÖRR und offenkundig gedacht zur Berieselung eines Publikums, das meist zu alt ist, um es rechtzeitig zur Fernbedienung zu schaffen.

Es gab mal eine Zeit, in der es beim „Wort zu Sonntag“ nicht um Politik und Propaganda ging, sondern um religiöse, seelsorgerische oder lebenspraktische Orientierungshilfe. Eine Kirche, die sich völlig in den Dienst des Herbeirufens – und jetzt sogar aktiven Herbeischleppens – von „Neubürgern“ (nicht zufällig überwiegend muslimischen Glaubens, ohne jeden christlich-europäischen Wertebezug) stellt, verdient es, dass ihr die Mitglieder entweder weglaufen oder wegsterben. Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber. (DM)