Über 500 bestätigte Coronavirus-Infektionen in Deutschland – Jens Spahn immer beliebter

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Jens Spahn, der Mann der Stunde (Foto: Imago)

Berlin – Die absurdeste Meldung zum Thema „Coronavirus“ gleich zum Anfang:

Mehr als jeder zweite Deutsche ist mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zufrieden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von Infratest-Dimap im Auftrag des ARD-Deutschlandtrends, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Unter den abgefragten Politikern legt Spahn gegenüber Februar um sieben Prozentpunkte zu und erreicht 51 Prozent Zufriedenheit.

Das ist ungefähr so einzuschätzen wie die Beliebtheit der Verteidigungsministerin im Kriegsfall.

Doch hat Jens Spahn wirklich alles im Griff?

Die Zahl der offiziell bestätigten Coronavirus-Infektionen in Deutschland schnellt weiter scheinbar ungebremst in die Höhe. Bis Donnerstagabend wurden mindestens 548 Fälle bestätigt, so eine Abfrage der dts Nachrichtenagentur bei den Landesgesundheitsministerien und den Gesundheitsämtern der Städte und Landkreise. Das Robert-Koch-Institut hatte bis zum Nachmittag 400 Bestätigungsmeldungen.

Mit 195 bestätigten Infektionen ist weiterhin der Kreis Heinsberg in NRW die am stärksten betroffene Region. Dort bleiben Schulen, Kindergärten, sowie städtische Einrichtungen wie Hallenbäder oder Bibliotheken bis mindestens 15. März geschlossen. Einen Todesfall wegen des Coronavirus gibt es in ganz Deutschland bislang weiterhin nicht, trotz einer Mortalitätsrate von – je nach Statistik – einem bis vier Prozent in anderen betroffenen Ländern.

Hier weitere Meldungen zu diesem Thema:

In Italien ist die Zahl der Virus-Toten innerhalb von 24 Stunden um 41 auf 148 Fälle gestiegen. Das ist die höchste Opferzahl innerhalb eines Tages. Die Behörden teilen weiter mit, eine Abschwächung der Epidemie sei noch nicht erkennbar. (Quelle: Welt)

Die US-Börsen haben am Donnerstag angesichts anhaltender Sorgen um die Folgen des Coronavirus weiter kräftig nachgelassen. Zu Handelsende in New York wurde der Dow mit 26.121,28 Punkten berechnet, ein Minus in Höhe von 3,58 Prozent im Vergleich zum vorherigen Handelstag. Wenige Minuten zuvor war der breiter gefasste S&P 500 mit rund 3.020 Punkten im Minus gewesen (-3,29 Prozent), die Technologiebörse Nasdaq berechnete den Nasdaq 100 zu diesem Zeitpunkt mit rund 8.650 Punkten (-3,30 Prozent).

Auch in Übersee reagieren immer mehr Investoren panisch, der Bundesstaat Kalifornien rief nach weiteren Infektionen und einem ersten Todesfall den Notstand aus. Die europäische Gemeinschaftswährung tendierte am Donnerstagabend stärker. Ein Euro kostete 1,1227 US-Dollar (+0,84 Prozent).

Der Goldpreis verzeichnete starke Zuwächse, am Abend wurden für eine Feinunze 1.673,59 US-Dollar gezahlt (+2,24 Prozent). Das entspricht einem Preis von 47,93 Euro pro Gramm.

Der Wirtschaftsweise Volker Wieland hat sich gegen ein umfassendes Konjunkturprogramm zur Bekämpfung negativer Folgen des Coronavirus auf die Wirtschaft ausgesprochen. „Jetzt ein großes Konjunkturpaket loszutreten, ist nicht notwendig und nicht unbedingt zielführend“, sagte Wieland am Donnerstag dem Nachrichtenportal T-Online. „Besser ist es, erst etwas mehr Klarheit darüber zu bekommen, welche einschränkenden Maßnahmen in Deutschland aufgrund des Coronavirus umgesetzt werden müssen.“

Zuletzt hatten mehrere Wirtschaftsverbände ein solches Hilfsprogramm für die Wirtschaft ins Gespräch gebracht, auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte dazu seine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert. Über die Gefahr des Coronavirus für die deutsche Wirtschaft sagte Wieland dem Nachrichtenportal T-Online: „Unser Tourismussektor ist jetzt schon sehr negativ getroffen. Eine starke Ausbreitung in Deutschland könnte den Dienstleistungssektor generell treffen.“ Am sinnvollsten seien derzeit „ganz gezielte Maßnahmen“, so Wieland.

Beispielsweise könne das Kurzarbeitergeld verhindern, „dass Firmen Entlassungen vornehmen oder in Kreditschwierigkeiten geraten.“

Die für kommende Woche geplante EU-Parlamentssitzung wird wegen Sorge um das Coronavirus von Straßburg nach Brüssel verlegt. Das teilte EU-Parlamentspräsident David Sassoli am Donnerstagabend mit. Der Gesundheitsdienst des EU-Parlaments habe ihm mitgeteilt, dass das Gesundheitsrisiko in Straßburg „signifikant“ höher sei als in Brüssel, so Sassoli.

Zum Ausgleich soll zu einem späteren Zeitpunkt eine Parlamentswoche von Brüssel nach Straßburg verlegt werden. In Belgien gab es bis Donnerstag mindestens 50 bestätigte Infektionen, in Frankreich 423 Fälle. Frankreich hat allerdings auch rund sechs mal so viele Einwohner wie Belgien.

Israels Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, hat das Einreiseverbot für Personen aus Deutschland, Frankreich, Spanien, Österreich und der Schweiz wegen des Coronavirus verteidigt. „Israel ist ein kleines und dicht besiedeltes Land, das die notwendigen Maßnahmen ergreift, um die Ausbreitung des Coronavirus innerhalb seiner Grenzen zu verhindern“, sagte Botschafter Jeremy Issacharoff der „Bild“ (Freitagausgabe). Es sei eine „nicht leichtfertig getroffene Entscheidung“, die auf der „Einschätzung der zuständigen Gesundheitsbehörden in Israel“ beruhe.

Ihr Ziel sei die „Verhinderung und Eindämmung der Ausbreitung des Virus“ in Israel. Am Mittwoch hatte die israelische Regierung erklärt, dass Touristen aus den betroffenen Ländern nicht nach Israel einreisen können, wenn sie nicht belegen können, eine 14-tägige häusliche Quarantäne anzutreten. Daraufhin strichen mehrere Airlines, darunter auch Lufthansa, ihre Flüge nach Israel.

Zehntausende Israelis befinden sich in häuslicher Quarantäne. Das Land zählt du den westlichen Ländern mit den strengsten Maßnahmen gegen das Coronavirus.

Der großen Mehrheit der Deutschen bereitet das neue Coronavirus nach wie vor keine Angst. Bei 76 Prozent der Bevölkerung ist die Sorge, dass sie oder Familienmitglieder sich mit dem Virus anstecken, weniger groß bzw. klein, so eine Umfrage von Infratest-Dimap am Montag und Dienstag für den ARD-„Deutschlandtrend“. Im Vormonat waren noch 89 Prozent kaum besorgt.

Bei knapp einem Viertel ist die Sorge aktuell entweder groß (17 Prozent; +10 im Vergleich zu Februar) oder sehr groß (6 Prozent; +3 im Vergleich zum Vormonat). Das Vertrauen der Bürger in die Behörden und Gesundheitseinrichtungen ist zwar immer noch hoch, hat im Vergleich zum Vormonat jedoch abgenommen. 66 Prozent (-16 Punkte im Vergleich zu Februar) sind der Meinung, diese hätten die Situation alles in allem unter Kontrolle.

28 Prozent (+14) sehen das anders: Sie meinen, die Behörden und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland hätten die Situation nicht unter Kontrolle. Mit der Arbeit von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist jeder zweite Bürger sehr zufrieden oder zufrieden. Im Vergleich zum Vormonat legte Spahns Zufriedenheitswert um 7 Prozentpunkte auf 51 Prozent zu.

Seine Bekanntheit in der deutschen Bevölkerung stieg im selben Zeitraum ebenfalls um 7 Punkte von 83 Prozent auf 90 Prozent. Danach gefragt, welche Maßnahmen sie ergriffen hätten, um einer Infektion vorzubeugen, geben 75 Prozent an, sich häufiger die Hände gewaschen zu haben. 54 Prozent geben an, auf Aktivitäten wie Reisen oder den Besuch von größeren Veranstaltungen nicht verzichtet zu haben.

Größere Vorräte an Lebensmitteln eingekauft zu haben, geben 11 Prozent der Befragten an. 89 Prozent sagen, sie hätten in den letzten Tagen keine größeren Lebensmittelvorräte angelegt. Für die Erhebung wurden 1.002 Personen vom 2. bis 3. März befragt.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, fordert eine flächendeckende Ausweitung zentraler Zentren für Tests auf das Coronavirus. „Ein Vertragsarzt ist zuständig für die Regelversorgung, nicht für die Vorbereitung oder Versorgung während einer Pandemie“, sagte Gassen der „Welt“ (Freitagausgabe). „Die Hausärzte, Kinderärzte, HNO- oder Lungenfachärzte springen ja derzeit in die Bresche.“

Derzeit gibt es in einigen Städten bereits zentrale Testzentren jenseits der Hausarztpraxen. Ziel sei, so Gassen: „Die zentralen Testzentren flächendeckend auszudehnen – damit die Hausärzte sich weiter um die Regelversorgung kümmern können.“ Wegen mangelhafter Ausrüstung oder wegen Verdachts auf Ansteckung mit dem Coronavirus seien bereits Praxen geschlossen worden.

„Es muss verhindert werden, dass Praxen in größerer Zahl geschlossen werden, denn die Versorgung aller anderen, insbesondere chronisch Kranker, darf nicht leiden“, sagte Gassen. Einige Ärzte fühlten sich von der Politik im Stich gelassen. Es mangele an Ausstattung wie Masken und Schutzanzügen oder Desinfektionsmitteln.

„Uns erreichen hierzu einige Beschwerden“, sagte Gassen. „Jede ist eine zuviel. Ärzte müssen in der Lage sein, sich mit Schutzbekleidung auszustatten.“

Die herkömmliche Grippe schätzt Gassen dennoch bei weitem gefährlicher ein als das Coronavirus. „Wir haben 650 Millionen Influenza Fälle jedes Jahr weltweit und derzeit rund 90.000 Coronafälle“, sagte Gassen. Die Zahl der Corona-Infizierten in China flaue zudem bereits wieder ab. „Die Dimensionen sind überhaupt nicht zu vergleichen.“

Am Donnerstag hat der DAX nach zwei freundlichen Tagen im Folge wieder deutliche Verluste verzeichnet. Zum Xetra-Handelsschluss wurde der Index mit 11.944,72 Punkten berechnet, ein Minus in Höhe von 1,51 Prozent im Vergleich zum Vortagesschluss. Aktien von Continental verloren bis kurz vor Handelsende über zwölf Prozent, nachdem der Autozulieferer am Donnerstag einen Milliardenverlust für 2019 gemeldet und einen pessimistischen Ausblick gegeben hatte.

Auch Infineon und Henkel waren zu diesem Zeitpunkt über fünf Prozent im Minus. Zu den wenigen Kursgewinnern gehörten Anteilsscheine der Deutschen Börse, die sich im Zuge des Corona-Crashs über besonders regen Aktienhandel freuen kann. Deutsche Anleger sind verunsichert, welche Auswirkungen die Krise rund um das Virus haben könnte.

Während das Robert-Koch-Institut bis zum Nachmittag von 349 Infizierten in Deutschland spricht, ergab eine Erhebung der dts Nachrichtenagentur unter den regionalen und lokalen Behörden bereits mindestens 454 bestätigte Fälle. Negative Vorgaben aus den USA taten ihr Übriges, der Dow stürzte zu Handelsbeginn am Nachmittag deutscher Zeit über zwei Prozent ab. Die europäische Gemeinschaftswährung tendierte am Donnerstagnachmittag stärker.

Ein Euro kostete 1,1187 US-Dollar (+0,49 Prozent).

Die Lufthansa-Gruppe streicht rund 7.100 Europa-Flüge im März. Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus und des damit verbundenen Nachfragerückgangs findee eine Kapazitätsreduktion von bis zu 25 Prozent statt, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Die Streckenstreichungen und Frequenzanpassungen entsprächen rechnerisch einer Kapazität von 150 Flugzeugen, davon 125 Kurz- und Mittelstrecken- sowie 25 Langstreckenflugzeugen, hieß es weiter.

Die Flotte der Lufthansa Group umfasst aktuell rund 770 Flugzeuge, darunter rund 180 Langstreckenflugzeuge. Ab Frankfurt werden 3.750 Flüge zu 75 Flughäfen abgesagt, ab München 3.350 Flüge zu 65 Flughäfen. Schwerpunkt bilden innerdeutsche Flüge aus dem Hub Frankfurt nach Berlin, München, Hamburg sowie von München nach Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Bremen und Hannover.

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf Italien mit den Zielen Mailand, Venedig, Rom, Turin, Verona, Bologna, Ancona und Pisa. Weitere Flüge nach Skandinavien, Großbritannien, ins Baltikum, nach Polen, Russland, Frankreich, Spanien, Portugal, Großbritannien sind ebenfalls betroffen. Wegen der Einreiseverbote der israelischen Behörden werden alle Flüge nach Tel Aviv und Eilat ab Sonntag für den verbleibenden Winterflugplan bis zum 28. März storniert.

Alle anderen europäischen Ziele sollen aber auch weiterhin erreichbar bleiben. Die Airline hatte bereits in der letzten Woche entschieden, die Flüge aus Deutschland zum chinesischen Festland bis einschließlich 24. April auszusetzen. Die Verbindung nach Teheran bleibt bis zum 30. April gestrichen.

Zudem reduziert Lufthansa Frequenzen in ihrem Streckennetz unter anderem von und nach Hongkong und Seoul (Korea). Die Flüge zwischen München und Hongkong werden zwischen dem 6. März und dem 24. April ausgesetzt. Zwischen dem 5. März und dem 24. April werden auch auf den Routen von Frankfurt und München nach Seoul einige Frequenzen gestrichen. Darüber hinaus hat die Lufthansa Group weitere Sparmaßnahmen im Personalbereich sowie bei Sachkosten und Projektbudgets angekündigt. Die aus den aktuellen Entwicklungen zu erwartende Ergebnisbelastung sei derzeit noch nicht abschätzbar, so die Lufthansa. Im Rahmen der Jahrespressekonferenz am 19. März sollen Finanzkennzahlen veröffentlicht werden.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hält die Auswirkungen der Corana-Krise auf den Arbeitsmarkt in Deutschland für beherrschbar. „Wir sind gut aufgestellt und behalten die Entwicklung aufmerksam im Blick. Mit dem Kurzarbeitergeld haben wir ein starkes Instrument, das sich bewährt hat“, sagte Heil dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Freitagausgaben).

„Wenn es zu Lieferengpässen infolge des Corona-Virus kommt, die zu Arbeitsausfällen führen, kommt für die Beschäftigten ein Anspruch auf Kurzarbeitergeld in Betracht. Auch wenn ein Betrieb auf behördliche Anordnung schließen muss, kann Kurzarbeit greifen.“ Die Bundesagentur für Arbeit sei „personell und finanziell“ gut aufgestellt.

(Quelle: dts)

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