Rassist beim Handelsblatt: Kann „der Afrikaner“ seine Zukunft selbst gestalten?

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Diana zur Löwen interviewte Wolfgang Drechsler - Foto: Imago

Die existentiell von ihren diversen Ersatzproletariaten Abhängigen (Frauen, Minderheiten, andere Kulturen) aus dem linken Spektrum haben wieder einmal einen widerwärtigen Rassisten identifiziert, einen ethnisch-ethisch Skrupellosen, der von einer ihrer schutzwürdigen Gruppen Eigenverantwortlichkeit einfordert. Groß ist die Empörung über den Handelsblatt-Journalisten Wolfgang Drechsler. Der Mann hat der Influencerin Diana zur Löwen in Kapstadt ein Interview gegeben, in welchem er die Zukunftsfähigkeit „des Afrikaners“ stark anzweifelt. Schnappatmung bei den Viktimisten der Linken ist die Folge. Zu schön, um es unkommentiert zu lassen. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Wolfgang Drechsler ist Korrespondent des Handelsblattes in Südafrika und lebt seit 1995 gefährlich in Kapstadt. Die hübsche Instagram-Influencerin Diana zur Löwen (1,5 Millionen Follower) hat ihn dort interviewt, um ihre Fans nicht nur mit erbaulichen Bikiniclips zu erquicken, sondern um zu unterstreichen, daß sie nicht nur etwas im Körbchen, sondern auch im Köpfchen hat. Herausgekommen ist dabei, daß es sich Beiden um schäbige Rassisten handelt, sowohl bei Wolfgang Drechsler als auch bei Diana zur Löwen. Moment: Letztere wäre nicht Rassist, sondern Rassistin, um genau zu sein. Das tugendterroristische Großreinemachen in der „taz“ folgte auf dem Fuße. Unter der Schlagzeile „Koloniales Fachgespräch“ ist die Rede vom „Rassismus unter Medienschaffenden“. Das stimmt insofern, als daß bei der „taz“ wirklich üble Rassisten als Medienschaffende beschäftigt sind. Daß sie das nicht wahrhaben wollen, stimmt ebenfalls. Mit der Selbstreflexion haben es die Linken bekanntlich nicht so. Sie haben schon allein deswegen immer recht, weil sie Linke sind, die zivilreligöse Glaubenskongregation der Politik, sozusagen.

Wolfgang Drechsler hat sich die Ungeheuerlichkeit erlaubt, auf Unterschiede zwischen den Mentalitäten in Afrika und Europa hinzuweisen. Dabei hat er, vielleicht, weil er „der Neger“ nicht sagen wollte, verallgemeinernd von „der Afrikaner“ gesprochen. Das war leider ein Kapitalverbrechen, weil man auf den ollen Max Weber nichts zu geben braucht, der die Dreistigkeit besaß, zu behaupten, wir würden immer Begriffe gebrauchen, die mit Idealtypen operieren, daher notwenigerweise zugespitzt seien und bewußt auf Differenzierungen verzichteten. Mir wird fehlende Differenzierung ebenfalls oft vorgeworfen. Meine Standardantwort ist immer, die Leute sollen selbst differenzieren, weil ich ihnen schließlich auch ihr Schnitzel nicht vorkaue. Außerdem ist es so: Wer alles bis ins letzte Detail ausdifferenziert, macht letztlich keine Aussage mehr.
Für Wolfgang Drechsler gilt, daß er Afrika sehr viel besser kennt als seine Kritiker, weswegen man ihm getrost zugestehen darf, daß er sich der Differenzierungwürdigkeit bei „den Afrikanern“ bewußt ist. Die Linken können sich ein solches Zugeständnis aber nicht leisten, weil sie sich sonst eine Chance zur Eigenprofilierung entgehen lassen würden. Bei allen „Klassen“, „Gruppen“ und „alten, weißen Männern“, die sie ansonsten problemlos identifizieren können.

Nicht ausreichend differenziert zu haben, war aber nicht Drechslers einziges Verbrechen. Kackendreist hat er nämlich außerdem noch behauptet, Afrika müsse endlich mit dem selbstexkulpatorischen Kolonialismusschnack aufhören, der nichts weiter als die eigene Unfähigkeit kaschiere. Afrika, so Drechsler wortwörtlich, müsse „aus den Puschen kommen“. Nicht gesagt hat er, daß „der Afrikaner“ die Puschen offenbar mit „dem Chinesen“ verwechselt, weil es sehr wesentlich „der Chinese“ ist, der heutzutage für „den Afrikaner“ in die Puschen kommt, sofern er nicht tatsächlich für China in die afrikanischen Puschen kommt.

Warum die Linke in der „taz“ schnappatmet, ist natürlich klar. Wenn „der Afrikaner“ auf dem – sorry – schwarzen Kontinent tatsächlich selbst umherpuschen würde, nähme das für die Linken überaus nützliche, europäische Selbsthass-Narrativ erheblichen Schaden. Der Linke lebt ja zu einem Teil davon, daß der Kolonialismus bis zum St. Nimmerleinstag an wirklich jedem Übel dieser Welt schuld ist. Folglich liest sich die Anklage in der „taz“ gegen den Zivilhäretiker Drechsler wie folgt: „Von der ausbeuterischen Kolonialherrschaft der Deutschen auf dem afrikanischen Kontinent schweigt Drechsler. Dabei ist die maßgeblich für die heutige politische und wirtschaftliche Situation eben dieser Staaten mitverantwortlich.“ Der letzte Satz in der Anklage ist natürlich nichts als eine bewußtseinsbewahrende Maßnahme, die jeglicher Plausibilität entbehrt. Der „ausbeuterischen Kolonialherrschaft“ hat Afrika nämlich auch eine erhebliche Ausbeute zu verdanken. Bahnlinien, Straßen, Staudämme, Elektrizität, Krankenhäuser und alles das, was man unter „Infrastruktur“ zusammenfaßt. Welchen Weg beispielsweise das ehemalige Rhodesien genommen hat, nachdem es 1980 von seinen kolonialistischen Ausbeutern aufgegeben – und in die Unabhängkeit entlassen wurde, läßt sich einwandfrei studieren. Von der Kornkammer Rhodesien zum „Shithole-country“ Zimbabwe. Vom Himmel names Salisbury in die Hölle namens Harare. Von Ian Smith zu Robert Mugabe.

Nicht ganz so dramatisch wie im Fall Rhodesien verlief es in Angola oder in Mosambik. Sobald die Kolonialherren weggewesen sind, setzte der Verfall ein. „Der Afrikaner“ ist oft nicht einmal dazu in der Lage, die Infrastruktur intakt zu halten, die ihm die Ausbeuter hinterlassen haben. Und wenn es irgendwo aufwärts geht, dann sorgen meist Chinesen dafür, daß es aufwärts geht. In einer Reportage aus Afrika war unlängst ein chinesischer Ingenieur zu sehen, der seinem afrikanischen Mitarbeiter ein eigenartiges Phänomen vor Augen stellte, nämlich folgendes: Als es zu Kolonialzeiten in Afrika bereits Eisenbahnen gegeben hat, gab es die in China noch nicht. Heute hat China den schnellsten Zug der Welt, während in Afrika die Bahnstrecken aus der Kolonialzeit verfallen. Man konnte sehen, daß „dem Afrikaner“ die Ausführungen des Chinesen nicht gefallen haben. Widersprechen konnte er allerdings auch nicht. Oder die innere Sicherheit: 150 Morde in Südafrika landesweit im Jahre 1967. Heute, unter der Regierung des ANC: 25.000. Wenn man es so rechnen will: Schon wieder 24.850 Mordopfer auf dem Konto der linken Egalitaristenideologie. Zu den 100 Millionen obendrauf, die es seit 1917 vorher schon gegeben hat. Und da sind die Millionen der Braunlinken noch gar nicht mit eingerechnet.

„Beim Afrikaner“ gibt es auch – ist es die Möglichkeit? – Intellektuelle. Von denen ist heutzutage zu hören, daß sich die Afrikaner ihrer eigenen Agenda bewußt werden müssten und daß sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen – und vor allem erst einmal ihre korrupten Eliten zum Teufel jagen sollten. Diese korrupten Eliten wiederum darf man getrost als „Fluchtursache“ begreifen. Doch unsere brillante Bundeskanzlerin fliegt gern zu den Fluchtursachen, um mit den Fluchtursachen über die Beseitigung der Fluchtursachen zu debattieren. Auf Augenhöhe, konstruktiv, gemeinsam & zusammen. In einem Dialog. Oh heilige Einfalt. Als ein Intellektueller aus Togo vor kurzem die Sache mit der eigenen afrikanischen Agenda im antikolonialistischen Bremen äußerte, schnitt Radio Bremen die entsprechende Passage einfach aus dem Interview heraus. Das spricht für die Richtigkeit der Theorie, daß es ausgerechnet die westlichen Gutmenschen von links sind, die sich ihr afrikanisches Ersatzproletariat nicht klauen lassen wollen, welches sich so vortrefflich betüddeln läßt. Unter diesem Gesichtspunkt ist die immerwährende europäische Kolonialistenschuld natürlich sehr nützlich.

Das folgt einem altbekannten linken Muster: Der Linken kommt es nie auf die Opfer egal welcher Umstände an, sondern immer darauf, daß die Täter die richtigen sind. Das zieht sich durch wie der sprichwörtliche rote Faden. „Richtige Täter“ sind immer solche, gegen die der linke Maulheld bequem „kämpfen“ kann. Die „falschen Täter“ gehören immer einer paternalistisch zu betüddelnden Minderheit an oder sind selbst Linke. Während beispielsweise der im sechsten Wahldurchgang endlich „gewählte“ Ministerpräsident von Thüringen, Bodo Ramelow von der SED (Die Linke), keine Gelegenheit ausläßt, bald jeden Nichtlinken einen Faschisten oder einen Nazi zu schimpfen, scherzt er, er sei mit dem Genossen Stalin in Uljanowsk gewesen. Florian Pronold, vor einigen Jahren kurzzeitig als Shootingstar der bayerischen SPD gehandelt, verkleidete sich im Fasching als Che Guevara. Der hat während der kubanischen Revolution 200 wehrlose Gefangene seiner Revolutionstruppen eigenhändig erschossen. Er hatte auch allerhand „Vorurteile“ gegen „den Afrikaner“ und gegen Schwule. Einem linken Pronold ist das egal. Hauptsache, Che Guevara ist kein Rechter gewesen, weil die Rechten nämlich die allerschlimmsten sind. Als Joschka Fischer, der frühere RAF-Sympathisant und spätere Außenminister sein Amt in der rotgrünen Koalition ab 1998 angetreten hatte, ließ er Porträts in der Galerie seiner Amtsvorgänger abhängen, wenn die irgendetwas mit dem Nationalsozialismus zu tun gehabt hatten – und verschaffte gleichzeitig dem früheren Zentralkomittee-Sekretär des Kommunistischen Bundes Westdeutschlands (KBW), Joscha Schmierer, eine Stelle im Rang eines Staatssekretärs als Beauftragter des Außenministeriums für Europafragen. Schmierer war ein enger Freund des kambodschanischen Massenmörders PolPot, der Mitte der Siebziger Jahre etwa ein Drittel seines eigenen Volks hat umbringen lassen („Killing Fields“). Solidaritätsadressen erhielt das kambodschanische Mörderregime selbst nach 1975 noch von Schmierer, als die Massaker am kambodschanischen Volk international ruchbar geworden waren.

Im Februar 2020 entblödet sich eine linke Zeit(un)geistige nicht, anläßlich einer öffentlichen Strategiediskussion der SED (Die Linke) zur Energie- und Verkehrswende, die Frage zu stellen, wie es denn weitergehen soll, wenn man „das eine Prozent Reiche“ erst einmal „erschossen“ habe. Parteichef Riexinger: Wir erschießen sie nicht, sondern führen sie nützlicher Arbeit zu. Wie gesagt: Ramelow war mit dem Genossen Stalin in Uljanowsk, was er so berückend fand, daß er ein Foto des Mördergenossen von dort bei Twitter mit einem fetten Smilie garnierte. Vorher schon verstieg er sich zu der Behauptung, er habe bereits viel durchgemacht in seinem Leben, auch den Amoklauf an einer thüringischen Schule während seiner Zeit als Ministerpräsident. Aber alles das sei nichts gewesen gegen den Tort, den er und seine Familie samt „Hundi Attila“ seit seiner gescheiterten MP-Wahl am 5. Februar hätten durchmachen müssen. Und das alles in einem Land, in dem der Bundespräsident einer ist, der zu Studentenzeiten für die komplett von der DDR finanzierte Zeitschrift „Demokratie & Recht“ geschrieben hat, und in dem eine ehemalige FDJ-Funktionärin Bundeskanzlerin ist.

Steinmeier dann konsequenterweise zum internationalen Frauentag am 8. März: 70 Jahre nach dem Inkrafttreten des Grundgesetzes sei der „Auftrag zur Gleichberechtigung“ noch immer nicht zufriedenstellend umgesetzt. „Der Auftrag zur Gleichberechtigung“ – Wahnsinn. Als ob es im Grundgesetz einen dementsprechenden Auftrag gäbe. Gibt es aber nicht. Es gibt keinen Auftrag zur Gleichberechtigung und es kann auch gar keinen geben, da die Gleichberechtigung Chancengleichheit festschreibt, nicht eine im Auftrag herzustellende Ergebnisgleichheit. Ob jemand die Chancen durch die Gleichberechtigung wahrnimmt oder nicht, ist ganz alleine sein bzw. ihr Bier, nicht das des Staates, der Parteien oder des Bundespräsidenten. Gleichberechtigung, Gleichstellung – was weiß der deutsche Michel schon, was da der Unterschied sein soll. Dem kann man locker einen präsidialen Stuss unter die Nase reiben, wenn man es nur salbungsvoll genug daherbringt im Tonfall und mit einer Mimik, die recht nach „Würde des Amtes“ aussieht.

Völlig klar: Solche Leute werden schnell nissig, wenn man sich anheischig macht, einer Abteilung ihres zusammengestöpselten Ersatzproletariats den Dummerchenfaktor abzuerkennen, etwa, indem man behauptet, „der Afrikaner“ sollte durchaus in der Lage sein, sein künftiges Schicksal selbst zu bestimmen, weil die Kolonialzeit ja nun schon ein paar Tage zurückliegt. Faustregel: Sobald ein Linker den Mund aufmacht, sagt er nur das, von dem er glaubt, daß es ihm in seinem infantilen Subjektivismus nützt, nie das, was nach objektiven Maßstäben wahr wäre. Auf daß er damit auch in Zukunft noch durchkomme, muß er möglichst das ganze Volk verblöden, was er dann vermittels diverser „Bildungsreformen“ auch versucht und den Medien-Mainstream unter seine Knute bekommt. „Nicht ohne Erfolg“, wie Franz Josef Strauß konzediert hätte. Und in der „taz“ steht dann das, von dem die Linke annimmt, daß es die Verblödeten vielleicht gerade noch begreifen könnten. „Rassismus unter Medienschaffenden“ … „koloniales Fachgespräch“ … – ausgerechnet in einer rotlinksrassistischen Tageszeitung. Es sieht ganz danach aus, als müßte das deutsche Volk wieder einmal „befreit“ werden. Zum Schluß aber ein ganz anderes Thema: Die USA sollen ihr Truppenkontingent für das europäische Manöver „Defender 2020“ dem Vernehmen nach von ursprünglich geplanten 20.000 Mann auf 40.000 verdoppelt haben. Das muß natürlich nichts bedeuten.