„Liberalkommunismus“: Slavoj Žižeks groteske Märchenstunde

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Zeigt "uns" Slavoj Zizek, wo es bei ihm fehlt? - Foto: Imago

Wir leben in merkwürdigen Zeiten. Mehr Balla-Balla war seit Jahrzehnten nicht. Eine Parteigenossin der SED-Rechtsnachfolgerin „Die Linke“ will bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung das eine Prozent wohlhabender „die Unmenschen“ in Deutschland erschießen, Parteichef Riexinger erwidert recht menschenrechtlich, Zwangsarbeit statt Erschießung sei ausreichend, – und in der „Welt“ erklärt Slavoj Žižek, warum eine Verbindung aus Liberalismus und Kommunismus unsere letzte Hoffnung ist. Das ganze Balla-Balla beleuchtet anhand einer Medienkritik.

von Max Erdinger

Wenn Ihnen jemand, der schon die Vorzüge der Essiggurke auf der Schwarzwälder Kirschtorte gepriesen hat, sich auch noch anschickt, Ihnen die Geschichte vom winzigen Riesen zu erzählen, der sie verspeist – was würden Sie tun? Ihm interessiert zuhören? – Nicht? Das sollten Sie aber. In Balla-Balla-Germany gibt es nämlich mehr solcher Geschichtenerzähler, als man gemeinhin annimmt, und sie erhalten einflußreichen Raum zur Publikation ihrer phantastischen Geschichten. Slavoj Žižek ist einer dieser bemerkenswerten Märchenonkels. In der „Welt“ fabuliert er vom „Ende der Welt, wie wir sie kennen“. Das Corona-Virus wird es herbeiführen, meint er. Aber er kennt auch die Rettung aus der größten Weltnot, und er hat sie sich ganz allein ausgedacht: Der Liberalkommunismus wird es richten. Was „Liberalkommunismus“ sein soll, fragen Sie sich? Das ist die politische Version jener Schwarzwälder Kirschtorte mit Essiggurke, die sich der winzige Riese munden läßt.

Wer ist der Märchenonkel?

Slavoj Žižek ist ein aus Slowenien stammender Philosoph, Kulturkritiker und Theoretiker der lacanianischen Psychoanalyse. Žižek ist einer der populärsten Philosophen der Gegenwart, der weltweit rezipiert wird. Er hat über 60 Bücher verfasst, die in über 40 Sprachen übersetzt worden sind.„, heißt es bei Wikipedia. „Sein Werk steht in der Tradition von Hegel, Marx und Lacan.“ Mir waren zwar Marx und Hegel ein Begriff, aber Žižek nicht. Jacques Lacan wiederum war ein französischer Psychiater und Psychoanalytiker, der sich durch seine Neuinterpretation von Sigmund Freuds Werk einen solchen Namen gemacht hat, daß ihn sich kaum jemand gemerkt hat. Slavoj Žižek ist Professor am philosophischen Institut der Universät von Ljubljana und außerdem Direktor des Birbeck Institute For The Humanities an der Universität von London. Daher weht also der Wind.

Mit den Interpretationen ist es übrigens so eine Sache. Interpretationsfähig wird etwas entweder erst durch fehlende Eindeutigkeit oder durch die Behauptung, es fehle die Eindeutigkeit. Kleriker sind große Meister im Bestreiten der Eindeutigkeit. Die bringen es fertig, einen unmißverständlichen, völlig eindeutigen Satz in einen anderen Satz umzuinterpretieren. „Liebe deinen Nächsten“ ist so ein eindeutiger Satz. Der Kleriker schafft es, den Nächsten in einen „Übernächsten“ umzudefinieren, und in einem nächsten Schritt dann den Übernächsten zu „Alle“. Am Schluß steht dann der Satz: „Alle Diemenschen sind Dein Nächster.“ Und nicht wenige fallen darauf herein, ziehen den Hut vorm Herrn Pfarrer und sagen: „Toll, was Sie alles wissen, Hochwürden.“

Aber gut, was schreibt er jetzt, der philosophische Interpretationsonkel in der Tradition von Hegel, Marx und Lacan?

Das allmächtige Corona-Virus

Slavoj Žižek: „Das Coronavirus könnte Chinas Regime zu Fall bringen. Aber was geschieht, wenn es auch den globalen Kapitalismus in die Knie zwingt? Warum eine Verbindung aus Liberalismus und Kommunismus unsere letzte Hoffnung ist.“ – Was haben „wir jouwatcher“ da also? Zunächst einmal haben wir „global“. Klingt ziemlich nach „alle“, also „wir alle“. Das heißt, Slavoj Žižek will nicht nur mit von der Partie sein, sondern er will uns allen auch gleich erklären, was unsere letzte Hoffnung zu sein habe. Ich sage es lieber gleich: Slavoj Žižek hat schon deswegen unrecht, weil ich, – und er meint mich ja bei „global alle“ mit -, eine völlig andere Hoffnung habe. Von der erzähle ich aber erst gegen Ende dieses Artikels.

Libertarismus vs. Liberalismus

Zunächst einmal tut der slowenische Traumdeuter das, was man seit Jahren von den Humanitären gewöhnt ist. Er versucht zu betrügen. Carl Schmitt ist es gewesen, der einmal gesagt hat: „Wer Menschheit sagt, der will betrügen.“ Ob jemand „Menschheit“ sagt, oder „global“ und „wir“ in einem Satz, macht keinen Unterschied. Die Übersetzung von „global wir“ ist „Menschheit“. Und eine Übersetzung ist auch etwas anderes als eine Interpretation. Das war aber nur der erste Betrugsversuch Žižeks. Der zweite folgt auf dem Fuß. „Liberalismus“ hat mit persönlicher Freiheit in der Realität nichts zu tun, mit einer zusammengedachten Freiheit in der Irrationalität aber alles. Es gibt keinen Liberalismus, der noch realitätstreu wäre, sobald er zur Ideologie geronnen ist. Wer z.B. behauptet, es gebe angesichts der demografischen Katastrophe in Deutschland ein „liberales Abtreibungsrecht“, der verwechselt „liberal“ mit „suizidal“. Realität ist nämlich, daß ausstirbt, wer sich nicht fortpflanzt. Wer nicht existiert, vertritt auch keine liberalen Ansichten.

Realistisch liberal war Ayn Rand. Von ihr stammt die bemerkenswert nüchterne Beobachtung, daß man zwar die Realität ignorieren könne, nicht aber die Folgen, die das hat. Nein, eine möglichst liberale Haltung ist Ausfluß von Konservatismus, Betonung auf „möglichst“. Der „Liberalismus“ lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht schafft. Der Konservative ist nicht prinzipiell veränderungsresistent, sondern er will nur bewahren, was immer gilt. Was immer gilt, ist, daß die Dinge sind, wie sie sind. Die Frage lautet nicht: „Was denkst du, wie die Dinge wohl sind?“, sondern: „Wie sind die Dinge?“. Wenn wenigstens feststeht, wie sie auf jeden Fall nicht sind, kann man sich dem Gedanken an Liberalität zuwenden. Im Gegensatz zum realitätsfernen Liberalismus gibt es den Libertarismus. Der erkundet das freiheitliche Potential innerhalb des konservativen Rahmens. Ayn Rand ist keine Vertreterin des fälschlich so bezeichneten „Liberalismus“ gewesen, sondern eine Libertäre. Mit Slavoj Žižeks Liberalismusbegriff läßt sich also nichts anfangen. Und weil das so ist, ist auch das, was er „uns“ als „unsere letzte Hoffnung“ andienen will, nichts weiter als eine der üblichen linken Sprechblasen, die von außen gut gefüllt aussehen, denen aber nichts als heiße Luft entweicht, wenn man sie ansticht.

Die Epidemie ideologischer Viren

Der slowenisch-utilitaristische Denksimulationsonkel: „Die anhaltende Verbreitung der Coronavirus-Epidemie hat auch eine gewaltige Epidemie ideologischer Viren ausgelöst, die in unserer Gesellschaft schlummerten: Fake News, paranoide Verschwörungstheorien, rassistische Explosionen. Der begründete medizinische Bedarf an Quarantänen fand ein Echo in dem ideologischen Druck, klare Grenzen zu ziehen und Feinde, die eine Bedrohung unserer Identität darstellen, unter Quarantäne zu stellen.“ – So. Jetzt lachen „wir jouwatcher“ erst einmal herzhaft – und dann hauen „wir“ ihm sein Geschmarre um die Ohren. Erstens: „Gesellschaft“. Kann man zugunsten von „Volk“ ablehnen, weil selbst ein Žižek nicht von „Gesellschaftenverständigung“ reden würde, sondern von „Völkerverständigung“. Es gibt auch keine slowenische „Gesellschaftsmusik“, sondern eine „Volksmusik“, zum Beispiel von den „Alpenoberkrainern„. Humpa-humpa …

Der Corona-Virus wiederum ist so etwas wie der mediale Nachfolge-Virus des „Anthropogener-Klimawandel-Virus“, eine viral gewordene Medienkampagne zur Angstinfektion ganzer Volksgesellschaften mit dem Kalkül, daß die Verzagten ihre Beschützer suchen und auch identifizieren werden, welchselbige sie dann als „meine geliebte Regierung“ bezeichnen. Der Corona-Virus ist ein weiterer Grippevirus inmitten einer Vielzahl verschiedener Grippeviren, wenn stimmt, was ich bisher dazu herausgefunden habe. Gefährlich ist er allem Anschein nach für Vorerkrankte, so, wie andere Grippeviren auch. Der Corona-Virus wäre also nach meinem Kenntnisstand, und seiner anscheinend aufgeblasenen Relevanzdimension nach, in erster Linie ein Medienvirus, aufgeblasen, um ihn zweckentfremdet zu nutzen. Er wird wieder verschwinden, so, wie das Waldsterben, die drohende Eiszeit, das Ozonloch und derlei Medienviren mehr. Man muß immer bedenken: Die Realität der Irrealität ist ein Medienprodukt, auf dessen Existenz Politiker reagieren müssen. Die Medien haben in der Medien- und Massendemokratie indirekt die Macht über den Medienkonsumenten. Gewählt werden müssen die, denen gar nichts anderes mehr übrig bleibt, als auf das zu reagieren, was die Massen, medial verarscht, für die Realität halten. Die größten Fake-News-Produzenten sind die Mainstream-Medien in den sog. „westlichen Demokratien“. Und das ist keine paranoide Verschwörungstheorie, sondern plausibel, wenn man weiß, wer am ehesten an der traumtänzerischen „Verbindung von Liberalismus und Kommunismus“ interessiert ist. Das sind die Ideologen und ihre berufliche Nachwuchsbrut, die seit dem Marsch durch- und an den Institutionen vorbei die Redaktionen der Mainstream-Medien infiltriert haben und seither ihr Ideologengift unter dem Deckmäntelchen der neutralen Berichterstattung -, realiter aber im Dienste der allgemeinen Volksverblödung versprühen.

Was Žižeks „rassistische Explosionen“ angeht – oh heiliges Drama – muß er sich wohl zu lange in Südafrika aufgehalten haben. Dort gibt es noch am ehesten das, was man dramatisch als „Explosionen“ bezeichnen könnte. In Europa gibt es höchstens mal ein Explosiönchen, gern geduldet, wenn es eines gegen die „Autochthonen in der Gesellschaft“ ist, also eines gegen die Leute, die man früher noch „das Volk“ genannt hätte.

Des Populärphilosophen-Žižis Traum: „Aber vielleicht wird sich ein anderes, viel segensreicheres ideologisches Virus ausbreiten und uns hoffentlich auch anstecken: das Virus, eine alternative Gesellschaft zu denken, eine Gesellschaft jenseits der Nationalstaaten, eine Gesellschaft, die sich in globaler Solidarität und Kooperation verwirklicht.“ – Yeah, Žiži, erzähl´ „uns jouwatchern“ etwas vom Segensreichtum. Wir haben ja so absolut gar keine Ahnung, was man als einen solchen begreifen dürfte. – („Mogsd a Schelln?“ – Wer war das? Ich dulde hier keine ungeziemlichen Züchtigungsangebote an den verehrten Herrn Großphilosophen! Will ich nicht nochmal hören, solche Fragen, gell?) Entschuldigung, soll nicht wieder vorkommen, Herr Žižek. Weiter im Text. – Herrgott nochmal, durch diesen Zwischenruf bin ich jetzt völlig aus dem Konzept geraten. Ah ja, Žižeks „positiver Virus“ ist es gewesen, hier: „ … eine Gesellschaft jenseits der Nationalstaaten, eine Gesellschaft, die sich in globaler Solidarität und Kooperation verwirklicht.„. Jessers, was für ein gräßlicher Virus. Er scheint das Gehirn anzugreifen. Gibt´s weitere Zwischenrufe? Ja bitte, da hinten? Ob sich der Herr Žižek den Begriff „Nächster“ vom Herrn Pfarrer zu lange vorinterpretieren lassen hat? In der Tat, das ist eine sehr gute Frage.

Der slowenische Großphilosoph jedoch unverdrossen in der „Welt“: „Heute hört man oft Spekulationen, dass das Coronavirus zum Sturz der kommunistischen Herrschaft in China führen könnte, in der gleichen Art, in der (wie Gorbatschow selbst zugab) die Katastrophe in Tschernobyl das Ereignis war, das das Ende des sowjetischen Kommunismus herbeiführte. Aber hier gibt es ein Paradox: Das Coronavirus wird uns auch dazu zwingen, den Kommunismus neu zu erfinden, basierend auf dem Vertrauen in die Menschen und in die Wissenschaft.“ – Meine Güte, dieser Žižek mit seiner verlogenen Utilitaristenphilosophie. Hat der Herr Gorbatschow tatsächlich etwas „zugegeben“? Etwas zugeben, Herr Žižek, bedeutet, die Behauptung eines Dritten zu bestätigen. Wer hat also behauptet, Tschernobyl habe das Ende des sowjetischen Kommunismus herbeigeführt? – Fritze Doofmann? Da gibt es noch andere, sehr viel plausiblere Erklärungen, was den Zusammenbruch des sowjetischen Kommunismus´angeht. Eine stammt vom ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. Der behauptete, man könne die Sowjetunion ganz leicht in Grund und Boden wettrüsten, wenn man sie nur zwingt, mehr Geld für Raketen-Krimskrams auszugeben, als sie sich leisten kann. Das hat funktioniert. Völlig unplausibel ist, daß sich eine Sowjetunion mit ihrer jahrzehntelangen Tradition aus Realitätsverweigerung, Gulag, Bespitzelung, Holodomor, Massenmord, „Säuberungen“, Mangelwirtschaft und einem gottgleichen Zentralkommitee von so einem Pipifax wie Tschernobyl aus der Ruhe hätte bringen lassen. Gorbatschow wollte wahrscheinlich nicht „zugeben“, daß er reformerischer Präsident (Glasnost & Perestrojka) eines traditionellen Verbrecherregimes gewesen ist.

Meine letzte Hoffnung

Meine letzte Hoffnung ist, das sich die Deutschen auf den Konservatismus als einer sicheren Burg besinnen, mit dem Unfug aufhören, der sich in Phrasen wie „gesellschaftlicher Fortschritt“ und „Teilhabe an der sozialen Gerechtigkeit“ oder der vom „sozial konstruierten Geschlecht“ zeigt, daß die relativistische Geistesverwirrung abheilt, was sich darin zeigen würde, daß der von den Medien in die Irrealität geschickte Deutsche aufhört, „gerecht“, „aktuell“, „freiheitlich“ und „demokratisch“ zu steigern, respektive damit aufhört, die Gerechtigkeit zu unterteilen in subjektivistisch-ideologische „Untergerechtigkeiten“, daß er endlich begreift, daß „Freiheiten“ nicht der Plural von Freiheit sind, sondern ihr exaktes Gegenteil, nämlich Gestattungen, Konzessionen, Erlaubnisse und Berechtigungen, daß es für letztere jemanden geben muß, der sie erteilt usw.usf. – und vor allem, daß sich endlich die Einsicht durchsetzt, wie begrenzt die Handlungsmöglichkeiten sind, wenn man den Frieden bewahren will. Meine letzte Hoffnung ist, daß sich die Einsicht durchsetzt, wie verschieden Menschen und Kulturen sind, wie segensreich daher ihre räumliche Trennung ist, und wie weise es wäre, sich dann, wenn man den Frieden bewahren will, unangreifbar zu machen. Meine letzte Hoffnung ist, daß endlich begriffen wird, was man als deutsches Volk an Segensreichtum generieren kann: Möglichst monoethnisch zu bleiben, seine Sitten, Gebräuche und Traditionen zu pflegen, sich fortzupflanzen, sich dadurch Kulturkämpfe und womöglich einen Bürgerkrieg zu ersparen, seinen eigenen Laden in Ordnung zu halten und der Welt ein Beispiel zu geben, dem sie nacheifern kann, wenn sie will. Wenn nicht, dann eben nicht. Andere Länder, andere Sitten. Andere Sitten, andere Prioritäten. Sozialistisches Anspruchsdenken (Forderungsberechtigungen) sind zu ersetzen durch die Kategorien der Mitmenschlichkeit, der Barmherzigkeit und der Achtung vor dem Leben als solchem. Sie gelten dem „Nächsten“. Und nicht der perversen Interpretation eines eindeutigen Wortes. Der Nächste ist der Nächste und nicht der Übernächste oder gar „Alle“. Andere Leute in anderen Ländern und Erdteilen dürfen sich gern selbst ihren Kopf darüber zerbrechen, wie sie ihre Leben gestalten wollen. Wir Deutschen sind nicht deren Vormund – und vor allem sind wir nicht die Moralweltmeister, selbst dann nicht, wenn wir uns einen slowenischen Großphilosophen als Kronzeugen in die „Welt“ der hypermoralistischen, linken Großsprecher holen. Letztlich ist es die Hoffnung, daß die Linke endlich vom Blitz erschlagen wird. Bleibe er Slavoj Žižek mir mit seiner utopistischen Philosophie vom Leibe. „Liberalkommunismus“ – wohl einen slowenischen Kasper gefrühstückt?