Erdoğan macht Drohung wahr: Der Weg ist frei – Schon mehr als 75.000 auf dem Weg nach „Germoney“

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Einwanderer an der Türkisch/griechischen Grenze (screenshot YouTube)

„Die Tore sind offen“, bestätigte der türkische Despot Recep Erdoğan (66). Mehr als 75.000 Migranten sind bis heute morgen aus der Türkei ausgereist, so der türkische Innenminister Süleyman Soylu via Twitter. Das vielgelobte und sechs milliardenschwere Merkelsche „Flüchtlingsabkommen“ ist Vergangenheit. Nicht nur österreichische Kanzler Sebastian Kurz sichert die Landesgrenze. Die deutsche Presse gibt sich noch verhalten angesichts eines zweiten 2015-Szenarios. Ob in Berlin über weitere Maßnahmen beraten wird – keiner weiß es. Die Kanzlerin ist mit Corona beschäftigt und schweigt. 

„Eine Situation wie 2015 darf sich keinesfalls wiederholen. Unser Ziel muss es sein, die EU-Außengrenzen ordentlich zu schützen, illegale Migranten dort zu stoppen und nicht weiterzuwinken“, heißt es aus Österreich von Kanzler Sebastian Kurz auf Twitter. Man sei auch bereit, die Länder an der Außengrenze mit zusätzlichen Polizisten zu unterstützen. „Wenn der Schutz der EU-Außengrenze nicht gelingen sollte, dann wird Österreich seine Grenzen schützen“, erklärt der 33-jährige FPÖ-Politiker angesichts der Massen, die sich nun in Richtung Europa in Bewegung setzen. 

Unterdessen sollen laut France 24 bereits 13.000 „syrische Flüchtlinge“, unter ihnen Afghanen, Afrikaner und Iraner, die griechisch-türkische Grenze erreicht haben. Dort ist für die meisten von ihnen erstmal Schluß. Die Griechen haben sich an der Grenze zur der nordwestlichen türkischen Provinz Edirne hinter meterhohem Stacheldraht verschanzt. Die Stimmung am Grenzübergang Kastanies/Pazarkule ist offenbar mehr als gereizt: Von Seiten der künftigen EU-Zuwanderer flogen die ersten Steine. Einige bewaffneten sich nach Angaben von Daily Sabah mit Holzknüppeln, andere versuchten den Zaun zu durchtrennen. Die griechische Polizei antwortete am Sonnabendmorgen mit Tränengas und Leuchtmunition.

Ein paar Kilometer von den angespannten Szenen in Kastanies entfernt gelang es Hunderten von Migranten, nach Nordgriechenland einzureisen und den Evros-Fluss zu überqueren, der 200 km entlang der Grenze fließt.

„Sind wir in Griechenland?“ fragt ein junger Afghane, als er in einer Gruppe von 20 Personen eine Provinzstraße in der Nähe der Stadt Orestiada entlang geht und fügt hinzu: „Wo können wir ein Taxi oder einen Zug finden, um nach Athen zu fahren?“

Die griechische Polizei habe „die ganze Zeit von früh morgens an Menschen festgenommen“, erklärte ein Beamter. Die meisten der jungen Männer kommen „hauptsächlich aus Afghanistan“ und sind nach Angaben von Daily Sabah ohne Gepäck unterwegs.

In Kastanies, auf türkischer Seite als Pazarkule bekannt, haben sich nach Angaben der griechischen Polizei rund 4.000 Migranten hinter den Zäunen versammelt. Vierundzwanzig Stunden zuvor waren es noch 1.200. Einige klettern auf Bäume, um die Lage besser einschätzen zu können, andere werfen Betonbrocken auf die griechische Seite.

Auf Nebenstraßen entlang der Grenze ziehen die „Flüchtlings“-Gruppen, die es geschafft haben, ohne Pause weiter. Schlammbedeckt, ohne Schuhe und erschöpft sind sie auf dem Weg ins drei Stunden entfernte Thessaloniki und nach Athen, wo sie versuchen wollen, Hilfe von UN-Vertretern zu bekommen.

„Wir sind seit vier Tagen unterwegs“, sagte der 36-jährige Shadi aus dem Iran. „Wir haben den Fluss überquert … ich möchte Albanien erreichen und von dort nach Europa“, fügt er hinzu, als er in der Nähe des Dorfes Neo Cheimonio marschiert, etwa 5 km westlich der türkischen Grenze. Er reiste mit einer Gruppe afghanischer und afrikanischer Männer.

Im griechischen Dorf Marassia in der Nähe des Flusses hat der Cafébesitzer Popi Katrivezi so etwas noch nie gesehen: „Wir sind in den vergangenen Jahren immer wieder solchen Situationen ausgesetzt, aber das was seit Freitag passiert haben wir noch nie erlebt. Es scheint, es sind Tausende, die aus der Türkei kommen,“ so Katrivezi gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.  Nur wenige Meter entfernt haben einige afghanische Familien, darunter fünf Kinder, in einer Kapelle Schutz gefunden. Erschöpft und hungrig bitten sie um Nahrung und Wasser und flehen Reporter um Hilfe an.

Noch vermittelt die griechische Regierung den Eindruck, die Lage sei unter Kontrolle. „Griechenland war gestern einem organisierten, massenhaften, illegalen Angriff auf unsere Grenze ausgesetzt und hat standgehalten“, sagte Regierungssprecher Stelios Petsas am Samstag nach dem Treffen mit dem griechischen Premierminister Kyriakos Mitsotakis. „Wir haben mehr als 4.000 Versuche des illegalen Zugangs an unseren Landesgrenzen abgewendet.“ Drohnen zur Grenzüberwachung seien im Einsatz, berichtet France 24.

Bewaffnete Polizisten und Soldaten patrouillieren am Ufer des Evros – einem gemeinsamen Grenzübergang – und warnen mit Lautsprechern davor, griechisches Territorium zu betreten. Wie lange die Drohkulisse hält, bleibt abzuwarten. Der türkische Präsident hält den Druck jedenfalls Richtung Europa aufrecht. Noch an diesem Wochenende werde die Zahl der sogenannten Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen auf 30.000 anwachsen, frohlockt Erdoğan.

Die Teddybärchenwerfer und Gutmeinenden sind jedenfalls bereit für einen neuen „Hilfseinsatz“: „Polizisten gegen Flüchtlinge? Vielleicht auch noch mit Waffen? Soll man auf Kinder schießen? Das sind Menschen, die Hilfe brauchen, keine Krieger, die angreifen. Ihre Aussage ist eine Schande für jeden halbwegs empathischen Menschen.“, „Polizisten sind das Einzige was Ihnen einfällt? Wie wäre es mit gut organisierte Hilfe? Ja wir können Menschen aufnehmen, wir haben leer stehende Häuser,das Know-how und Menschen die sofort helfen können.“, „Werden sie dann auf Kinder, Frauen, Männer schießen lassen?“, antworten besorgte (meist weibliche) Twitternutzer dem österreichischen Kanzler Kurz auf seine Ankündigung. Ein paar (meist männliche) haben dagegen den vollen Durchblick: „Leere Worte! Sie und ihre #Grünen Freunde werden die Grenze nicht schützen, das wissen Sie so gut wie ich!“, „Keine Sorge – Wenn es eng wird holt #Merkel einfach alle nach Deutschland #refugeeswelcome“, prophezeit ein anderer.

In rotrotgrünen Berlin bereitet man sich jedenfalls schon eifrig auf eine neue „Flüchtlingswelle“ vor. Der Senat habe laut Tagesspiegel aus den Jahren 2015 und 2016 gelernt. Für die Berliner Grünen sei es „oberste Priorität“, dass „die Stadt bei einer ähnlichen Lage Humanität, aber auch Ordnung garantieren könne…Die rot-rot-grüne Koalition habe seither Vorsorge getroffen, die Infrastruktur verbessert, die Kapazitäten erhöht und ein Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten geschaffen“, berichtet das Blatt erwartungsvoll. (MS)

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