Sargnagel Christian Lindner läutet das letzte Kapitel der FDP ein – als Fünftes Rad am Wagen der Nazi-Jäger

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Lindner auf seinem wohl letzten Holzweg (Foto:Shutterstuck)

Als ultimative politische Enttäuschung des Jahrzehnts hat sich nun definitiv FDP-Chef Christian Lindner entpuppt, der manchen noch vage als insgeheime letzte bürgerliche Hoffnung zwischen linksgespülter Union und AfD galt. Das ist spätestens seit Thüringen Geschichte. Lindner ist zum Sargnagel seiner eigenen Partei geworden, der Liberalismus ist in Deutschland tot.

In einer Zeit, da der Linksblock die politische Mitte vorsätzlich zerstört, indem eine beispiellose Hexenjagd und Hysterie unterscheidungslos gegen jeden Bürgerlichen und Konservativen als Rechtsextremer, Faschist, Nazi oder Steigbügelhalter veranstaltet wird, hätte die FDP die historische Chance gehabt, Augenmaß und Sachlichkeit in der Politik zu verkörpern. Sie tut stattdessen das Gegenteil und versucht, sogar SPD und Grüne mit ihrem nunmehr umso panischeren, übereifrigen Distanzierungskurs gegen die AfD links zu überholen.

Anscheinend hat Lindner mit seinem unerträglichen Eiertanz nach der Wahl seines Parteifreundes Thomas Kemmerich, mit seinem wankelmütigen Hü-Hott-Kurs mehr als nur das eigene Rückgrat und das Vertrauen der Wähler gebrochen: Er hat auch das Versprechen gebrochen, nach dem Profilverlust und Totalabsturz unter seinem Vorgänger Philipp Rösler der FDP ein eigenes Profil zu geben. Lindner und seine Mitstreiter glauben ernsthaft, den „Fehler“ der Kemmerich-Wahl, für den die Parteispitze seit zwei Wochen in reumütiger Wiederholung der propagandistischen Vorwürfe ihrer Gegner zu Kreuze kriecht, wettzumachen, indem sie sich jetzt besonders „antifaschistisch“ gerieren.

Devise nach Hanau: Sogar die Linke im AfD-Bashing überholen

So versuchen sich FDP-Politiker – aktuell nach Hanau – besonders flamboyant hervorzutun, der AfD und den politischen Rechten die eigentliche Verantwortung für die Horrortat anzulasten. Christian Lindner persönlich tönte heute laut „n-tv„, der „Verfassungsschutz muss handeln“; konkret bezog er sich auf die letzte Pegida-Kundgebung und stellte erneut die These auf, „Hassreden wie von Björn Höcke“ würden „den Boden für Radikalisierung und Gewalt bereiten“.

Damit nicht genug: Lindner verlangte laut“ dts Nachrichtenagetur“ überdies einen „Runden Tisch gegen Rechtsterrorismus“, also ein parteiübergreifendes Vorgehen gegen den „wachsenden Rechtsterrorismus“. Was dieser FDP-Chef hier absondert, könnte so Eins zu Eins auch von Habeck, Polenz oder Esken stammen: „Wir sollten sofort alle Maßnahmen gegen den Rechtsterrorismus überprüfen und zwar in Form eines Runden Tisches aller Parteien des demokratischen Zentrums… gerade weil sich rechte Gewalttaten wie die in Hanau in Wahrheit gegen uns alle richten“, so Lindner, müsse es „eine entschlossene gemeinsame Reaktion geben“.

Hierzu sei sei „die FDP sofort bereit, sich mit Union, SPD, Grünen und Linken auf ein Aktionspaket zu verständigen und dieses auch im Bundestag mitzutragen“. Die FDP, für einen Moment lang von den Etablierten als rechter Paria ausgestoßen, will zeigen: Wir haben den heilsamen Schock verarbeitet und die Lektion gelernt. Jetzt will Klein-Christian unbedingt wieder bei den Großen mitspielen dürfen – und fordert unverblümt, beim linken Einheitsblock mitmischen zu dürfen.

Gegenüber den Twitter-Einlassungen seines Parteifreundes Konstantin Kuhle wirkten Lindners Forderungen, die Diffamierungshülsen gegen AfD und Rechts allerdings fast freundlich; Kuhle ging soweit, das Pamphlet des psychisch schwer gestörten Hanau-Killer Tobias Rathjen mit den Redebeiträgen des AfD-Abgeordneten Gottfried Curio gleichzusetzen:

Screenshot:Twitter

Damit bestätigt Kuhle wahlweise, dass er keine Curio-Rede je gehört hat, die in Tiefgang, sprachlicher Brillanz und Eloquenz des Vortrags zum besten zählen, was im deutschen Plenum zu vernehmen ist – oder dass er selbst geistig zu beschränkt ist, um zwischen anspruchsvollen, gehaltvollen und elaborierten Redebeiträgen und den Ausdünstungen eines psychopathischen Paranoikers zu unterscheiden.

Neben diesen Anbiederungsversuchen an die linken Hetzer, deren bornierte Denkmuster führende Liberale hier übernehmen, ist es vor allem der staatstragende, tiefbesorgte, politische Verantwortung heuchelnde Unterton im Auftreten der Parteiführung, mit denen Lindner & Co. das Geschäft der Sozialisten und Etatisten besorgen – also der natürlichen Feinde des Liberalismus. Stimmen wird ihnen dies keine bringen; im Gegenteil, es brüskiert höchstens jene des bisherigen eigenen Lagerns, die mit der AfD aus wirtschaftspolitischen Gründen sympathisieren und die sich nun von Lindners Bande pauschal als Helfer des „Rechtsterrorismus“ mitstigmatisiert sehen. Die Partei dürfte damit endgültig in die politische Bedeutungslosigkeit absinken.

Welche Blüten der Versuch treibt, politische Absolution des Mainstreams für den „Sündenfall“ von Erfurt zu erlangen, stellte eindrucksvoll der FDP-Bundestagsabgeordnete Benjamin Strasser unter Beweis, der Leiter einer neu geschaffenen „Expertengruppe“ der Liberalen zur AfD. Dieser übt sich in bester maoistischer Tradition ganz nach den Übungen der Großen Kulturrevolution in „Kritik“ und übernimmt die wahnhaften Vorhaltungen des Linksblocks als tatsächliche Befunde: So gäbe es in seiner Partei eine „neue Strategie der Selbstverharmlosung“. Diese zeige sich am Sprachgebrauch seiner Parteikollegen: Seit den Landtagswahlen in Ostdeutschland hätten sich „Strategie und Wording“ geändert; „die AfD“, so Strasser in der „Welt„, „bezeichnet sich plötzlich selbst als bürgerliche Partei und als Teil des bürgerlichen Lagers – die vorherige Abgrenzung fällt weg“. Früher habe die AfD „stark mit dem Modell ‚Altparteien‘ gearbeitet, einem Kampfbegriff“ und damit versucht, Parteien des demokratischen Zentrums verächtlich zu machen und sie „als nicht unterscheidbares Kartell“ darzustellen. Dieser Vorgehensweise liege jedoch, so Strasser ein Konzept des Verlegers Götz Kubitschek zugrunde, „dem neurechten Vordenker der AfD“. In den kommenden Monaten plane die FDP-Expertengruppe unter Leitung von Strasser daher „das politische Agieren der AfD zu durchleuchten“. Dieser „Lernprozess“ sei die Partei nach Thüringen ihren Wählern schuldig – inklusive Beratung und Diskussion „mit Wissenschaftlern und Rechtsexperten“. „Denn die vergangenen zwei Jahre zeigen: Bisher hat die Abwehrstrategie keiner Fraktion im Bundestag dazu getaugt, die AfD kleiner zu machen“, sagte Strasser der „Welt“.

„Strategie der Selbstverharmlosung“

Diese wird es auch nicht; denn der offensichtlich restverwirrte Strasser treibt damit das bei Linken beliebte Nazi-Spiel in neue Sphären: Denn egal wie die AfD agiert, mit welchem Personal sie zu Wahlen antritt – sie ist und bleibt nach dieser Logik eine „Nazi-Partei“, ein Wolf im Schafspelz, der den Umsturz plant. Neue Parteimitglieder können davon bereits ein Lied singen – zum Beispiel Hadi Al-Wehaily: „Ich wurde auf der Straße angepöbelt und beleidigt. Beim Flyer verteilen zum Beispiel und am Infostand. Die Leute haben gesagt: ‚Ich rede mit Faschisten wie Dir nicht. Nur mein Anstand hält mich davon ab, Dir vor die Füße zu spucken.‘ Shit happens, möchte man da sagen!

Was diese angepasstesten, opportunitischten Liberalen aller Zeiten nämlich nicht checken, aber schmerzlich (dann wohl bereits im politische Nirwana) lernen werden: Wenn man einmal von den Linken als rechtsextreme oder Nazi-sympathisierende Kraft gebrandmarkt wurde – und dies sind gefühlt ja mittlerweile rund 70 Prozent der Bürger – gibt es kein Entrinnen mehr. Dieses Kainsmal „begleitet“ den, der einmal so gezeichnet ist, für den Rest des Lebens. Man kann hundertmal seine „Unschuld“ beteuern, in Sack und Asche gehen und versuchen, den „braunen Peter“ an andere weiterzureichen – es wird nichts helfen, es gibt keine Rettung. Die FDP als jüngstes Opfer dieser Mechanismen ist nach Thüringen in dieser Falle, und wenn sie sich jetzt durch bis zur Unkenntlichkeit verbiegen – es verschont sie vielleicht vor weiteren Prügeln mit der roten Keule, doch das Misstrauen bleibt erhalten. Play stupid games, win stupid prizes. (DM)