Reaktionen auf Hanau: Der zweite Amoklauf der Medien

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Screenshot:Youtube

Nicht, dass die politische Ausschlachtung des 11fachen Mordes von Hanau verwunderlich wäre – doch was sich seit gestern früh in diesem Land abspielt, ist ein Musterbeispiel für perfideste politische Instrumentalisierung, für Propaganda und Projektion – von Politikern wie von Journalisten.

Der seit Monaten postulierten, bislang eher abstrakten Dauerbedrohungslage durch angeblich flächendeckende „rechte Hetze“ und „Rechtsterrorismus“ konnte nun erstmals, so scheint es, ein geeigneter Folgennachweis zugeordnet werden als Höcke-Reden, aus dem Zusammenhang gerissene Tweets oder „undemokratisches“ Abstimmungsverhalten zugunsten eines FDP-Ministerpräsidentenkandidaten. Bisher schrammten alle Versuche, die politische Rechte (und damit die einzige Realopposition im Land) zu dämonisieren, scharf an der Grenze zur Lächerlichkeit entlang, weil insgeheim niemand so wirklich bereit war, in den bürgerlichen Anzugträgern, und promovierten Akademikern der AfD die behaupteten Wiedergänger von Braunhemd- und Fackelträgern, von Neonazi-Glatzen und KZ-Rampenselektierern zu sehen. Nun aber, nach neun ermordeten Migranten, scheint endlich die ersehnte Kontinuität zu NSU, zum Lübcke-Mord, zu Halle gefunden.

Jetzt muss nur noch das Kunststück vollbracht werden, das Junktim zwischen einem offensichtlich psychisch schwerst gestörten, aufgrund seines „Manifests“ eben gerade nicht auf allein rechtsextremistische Motive zu reduzierenden Amoktäters und der AfD herzustellen. Das ist die große Aufgabe der Stunde – und die Propagandisten des neuen Linksstaats widmen sich ihr mit einer famosen Inbrunst. Diesmal darf nichts schiefgehen; Tobias Rathjen, der an unterirdische Labore, Teufelsrituale und Gedanken-Fernsteuerung glaubte, soll im Kampf gegen die unter dem Rubrum „rechter Hass“ subsumierte Kritik am Merkel-Staat in etwa die Rolle spielen, die die NS-Propaganda vor genau 87 Jahren Marinus von der Lubbe zuschob. Seine aus einer lupenreinen Psychose geborene Gewaltorgie soll den Vorwand zum Losschlagen liefern und längst gefasste Schubladenpläne gegen den politischen Gegner in die Tat umzusetzen.

Wohin die Reise geht, das forderte mit reichlich Schaum vor den Lefzen gestern gleich mal der gerne als „Experte“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eingeladene ehemalige Bundesvorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz, der seine Vorstellungen vom adäquaten Umgang mit der Opposition wie folgt formulierte:

Screenshot:Twitter

Hier wird sich gar nicht mehr erst die Mühe gemacht zu erklären, was denn die AfD mit einem wirren, stimmenhörenden Paranoiker zu tun hat, dessen Vater bei den Hanauer „Grünen“ kandidierte (nicht das Geringste übrigens); die Verhetzungsthese wird zur Gewissheit erhoben.

An dem waren die Vertreter des politischen Establishments schon angelangt, seit sie gestern früh hocherregt die Bestätigung erhielten, dass es sich doch nicht um innermigrantische Konflikte, um ein Banden- oder Milieudelikt handelte, sondern um das Werk eines deutschen Einzeltäters handelte – und sie folglich ihre Relativierungsadressen zum Glück wieder einmotten durften. Stattdessen hieß es Feuer frei gegen den längst erklärten Feind. Dass nun möglichst schon im „Vorfeld“ alles getan werden muss, um die Gefahr dort unschädlich zu machen, so sie gerade erkannt wird, brachte etwa Bayerns Ober-Grüne Katharina Schulze auf den Punkt:

Screenshot: Twitter

Um bei den Grünen zu bleiben: Auf deren unerträgliche Doppelmoral im Umgang mit Terroranschlägen machte gestern der Alexander Wendt auf „Publico“ deutlich, der die Tweets von Katrin Göring-Eckarts nach dem Berliner Breitscheidtplatz-Anschlag 2016 und gestern nach Hanau gegenüberstellte:

Screenshot:Publico

Richtig auf drehten die journalistischen Hilfstruppen der auf Staatsumbau getrimmten Altparteienkampagne. Bei ihnen geht es nicht nur gegen die AfD (Ulf Poschardt: „Es gibt keine gemäßigten Kräfte in der AfD. Es ist eine Partei der Niedertracht“) , sondern gegen das gesamte „toxische“ Meinungsspektrum der Andersdenkenden, von freien Medien bis Netzöffentlichkeit, die die Niedertracht besitzen, Merkeldeutschland mit seiner Zuwanderungs-, Identitätsabbau- und Islamisierungspolitik zu kritisieren. An vorderster Front dabei: ZDF-Oberhetzer Jan Böhmermann, der sich auf Twitter die Ehre gab:

Screenshots:Twitter

Ausgerechnet Tichy und Broder als „neurechte Plattformen“ zu bezeichnen und ihnen auch noch „Hetze“ und „Falschbehauptungen“ anzudichten – darauf muss man erstmal kommen. Es ist Böhmermanns bewährte Taktik, auf all jene mit Dreck zu werfen, die außerhalb seiner präpotenten verengten Gesinnung stehen – in der Hoffnung, irgendwas bleibt schon hängen.

Ihm kaum in etwas nach steht ihm „Freitag“-Herausgeber Jakob Augstein, der alle Reizfiguren der linken Propagandapresse gleich mal zu den geistigen Urhebern des Attentats erklärte und selbst diesen Wahnsinnstweet absetzte:

Screenshot:Twitter

Und dann durfte natürlich auch wieder „Monitor“-Stimmungsmacher Georg Restle nicht fehlen. Der identifizierte die Verächtlichmachung von Shisha-Bars (mutmaßlich stellvertretend für pejorative Berichterstattung zur laufenden Orientalisierung) indirekt als ursächlich für die Hanauer Anschläge und betrieb sogleich Kollegenschelte; Tenor: Weil ihr verantwortungslos über Wasserpfeifen berichtet habt, schnappt sich ein rechter Sportschütze Waffen und ballert in zwei Shisha-Bars um sich; das kommt in Deutschland ja bekanntlich täglich mehrfach vor.

Screenshot:Twitter

Den vorläufigen Abschluss all der Instrumentalisierungen, dieses ganzen medialen Amoklaufs nach dem realen Amoklauf bildete dann noch die gestrigen Markus-Lanz-Sendung im ZDF, die sich wieder einmal durch ihre monolithische „Meinungsvielfalt“ durchweg Gleichgesinnter auszeichnete, die sich in gegenseitiger Selbstbefruchtung über das leibhaftig gewordene Phantom der existenziellen rechtsterroristischen Bedrohung ausmährten. Eine Plattitüde nach der anderen wurde hier mal wieder ausgespuckt über das Wesen von Rassismus, Hetze, Hass – zu den betroffenen Blicken von Moderator und Publikum.

Schaulaufen der Empörungs-Experten bei Lanz

Gäste waren „Investigativ-Journalist und Extremismus-Experte“ Olaf Sundermeyer, den die besorgte Lanz-Redaktion kurz vor Weihnachten schon aus Gründen des Kräftegleichgewichts neben dem damaligen Stargast Hans-Georg Maaßen eingeladen hatte, sowie zwei weitere „Experten“: einer „für Rechtsextremismus und Fake News“, der an Tendenziosität kaum zu toppende „Faktenfinder“-Chef des „Fagesschau“-Faktenfinders; eine „für Tatmotive bei Amokläufen“, die Psychiaterin und Forensikerin Nahlah Saimeh – die sich so gut wie gar nicht mit medizinischen oder psychologischen Erkenntnissen aufhielt, sondern schon hunderttausendfach gehörte Allgemeinplätze über Radikalisierung im Netz und das ausgrenzende Wesen des Rassismus wiederholte. Die Runde komplett machte Sebastian Fiedler, Nachfolger des oben zitierten André Schulz als Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter. Ihnen gelang es, die deutsche Gesellschaft als einen Abgrund zügellosen Hasses und zunehmender politischer Radikalität zu zeichnen, dessen Ausmaße lediglich noch nicht verstanden seien – ohne eine einzige Frage zu stellen geschweige denn zu beantworten, worin genau denn die Verbindung der Hanauer Bluttat zu all diesen weisen Erkenntnissen bestehen soll, die in identischer Form ebenso gut schon vor drei Tagen oder einem Jahr hätten geäußert werden können. Beachtlich für eine Sendung, in der es laut Titel um „Hanau und die Hintergründe des Anschlags“ gehen sollte.

Heute widmet sich dann Maybritt Illner demselben Thema. Es dürfte kaum besser werden. (DM)

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