Angebliche BER-Eröffnung im Herbst: Droht die nächste Totalblamage?

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BER-Boss Daldrup beim Pressetermin in seinem halbfertigen Terminal letzten Monat (Foto:Imago/Zeitz)

Berlin – Fast schon wie ein Triumph klang es, als in Berlin Anfang des Jahres große Töne gespuckt wurden, Deutschlands blamabelstes Infrastrukturprojekt, der Hauptstadtflughafen BER, könne nun endlich zum 31. Oktober 2020 seinen Betrieb aufnehmen. Doch auch hinter dieses Datum müssen wohl etliche Fragezeichen gesetzt werden: Mehr als 5.000 Baumängel weist Deutschlands prominentester Fall von Dauerpfusch am Bau derzeit noch auf.

Das berichtet gestern „Business Insider“ unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht. Besonders brisant: Darin werden geheime Bauprotokolle zitiert, nach denen der Terminplan mehr als wackelig ist. Das Terminal müsste zur Einhaltung des Zeitplans etwa bis Ende April fertig werden; misslingt dies, klappt die Deadline nur noch mit eilig ausgestellten Sondergenehmigungen nach der Devise „Hoppladihopp“ – doch gerade das sollte eigentlich nach neunjähriger Verzögerung eigentlich nicht geschehen.

Anscheinend setzt aber Flughafen-Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup alles daran, den Termin einzuhalten – denn zufällig ist der 31. Oktober sein 64. Geburtstag, und da möchte er mit prominenten Gästen sein „Luftschloss BER“ (so „Business-Insider“) endlich in Betrieb nehmen.

Ein Mammutprojekt alleine für den TÜV

Allein, der tatsächliche Bau- bzw. Ausbesserungsfortschritt auf der Großbaustelle wird „wohl doch nicht so schnell abgearbeitet sein“, unkt das Blatt: Die von Daldrup für das erste Quartal 2020 prognostizierte „Mängelfreiheit“ ist ein frommer Wunsch. Ein Hauptproblem stellen die Kabelarbeiten dar, bei denen der Ist-Stand dem Plansoll deutlich hinterherhinkt. Nicht weniger als 5.000 „wesentliche Mängel“, so „Business Insider“, bestünden den internen Unterlagen zufolge derzeit noch, die nicht beim TÜV abgemeldet werden konnten, und 1000 von ihnen sind „noch gar nicht“ gelöst. Bei 3300 Mängeln prüft der TÜV noch, ob das Problem beseitigt wurde, in 700 Mängeln haben die Sachverständigen die angebliche Lösung zurückgewiesen.

Und: Es kommen ständig neue Unwägbarkeiten hinzu. Zwar sieht man das Ende der Straße und scheint den Peak der Schwierigkeiten überwunden zu haben – doch ob das euphorisch ins Auge gefasste Eröffnungsdatum im Herbst wirklich zu halten ist, steht noch in den Sternen. (DM)

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