„Kiffen gegen Rechts“ in Gießen: Strafbare Handlungen für die gute Sache

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Angeknallt demonstriert es sich leichter (Symbolfoto: Von SasinTipchai/Shutterstock)

Im Rahmen des auch im hessischen Gießen – unter dem irrsinnig kreativen Motto „Gießen bleibt bunt“ – pflichtschuldig absolvierten Haltungs-Schaulaufens gegen Rechts lief dort am Samstag auch eine bizarre Trittbrettfahrer-Veranstaltung über die Bühne: „Kiffen gegen Rechts“.

Weil inzwischen jede Aktion – selbst illegale, moralisch fragwürdige Spinnereien – ihre Daseinsberechtigung erfährt, wird sie nur mit der adäquaten „guten Sache“ konnotiert, entblödete sich die Stadt Gießen nicht, der Kiffer-Demo ihren Segen zu geben. Allerdings erst nach einigen Mühen: Erst am Freitag zog die Stadt ihr ursprüngliches Verbot zurück, nachdem die Veranstalter einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Gießen angekündigt hatten.

Während am Samstag dann laut „Gießener Allgemeine Zeitung“ rund rund 800 Menschen auf dem Uni-Vorplatz „gemeinsam ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzten“ und die üblichen Parolen abseierten („angesichts der Thüringer Ereignisse“, „Faschisten“ usw. usf.), nachdem zuvor bereits 250 lautstark brüllende Unruhestifter durch die Innenstadt gezogen waren – da gesellten sich auch breite, zufrieden grinsende jugendliche Kiffergesichter unter die „couragierten Antifaschisten“. Problem: Wer echtes Cannabis raucht, braucht dazu in Deutschland ein ärztliches Attest, ansonsten begeht er eine Straftat. Doch wenn es zur Verteidigung der Demokratie gegen faschistische Steigbügelhalter in Gestalt von FDP-Ministerpräsidenten geht – wer schert sich da noch um Gesetze?

Die Kiffer-Aktion im Namen der korrekten Weltanschauung ist zwar ebenso schwachsinnig wie die einstige feministische Antifa-Aktion „Ficken gegen Faschismus“ oder Nonsens-Facebookaufrufe wie „Ficken fürs Klima“ – doch für Gegen-Rechts-Aktivisten gilt inzwischen dieselbe Narrenfreiheit wie für Klimaschulschwänzer.

Auf Twitter waren manche Kommentatoren allerdings doch schwer genervt von der Anmaßung, inzwischen jedes Gesetz, jede geltende Ordnungsregel unter dem Schutzbrief der noblen Gesinnung außer Kraft setzen zu lassen:

Screenshot:Twitter

Was kommt dann als nächstes? Das fragte sich gestern nicht nur Kolumnist Boris Reitschuster auf Twitter: „Fenster einschlagen gegen rechts? Brandanschläge gegen rechts? Körperverletzungen gegen rechts?“ Die Antwort gab sich Reitschuster selbst: „Ups…hatten wir alles schon!“. (DM)