Statt Spott und Witz: Regierungspropaganda in Pappmaché beim Kölner Karneval

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Auch 2019 schon gehörte der Klimawahn zu den Leitmotiven, wie hier in Düsseldorf (Foto:Imago)

Einst war Karneval dafür da, dass sich das Volk über die Obrigkeit lustig macht – heute werden dort die Regierung und der offizielle Staatskurs verteidigt. Damit gilt für die Fünfte Jahreszeit allmählich dasselbe, was bereits für das deutsche Kabarett seit Gerhard Schröder gilt: die zu verspotten ziemt sich nicht, an deren Seite man denselben geistig-moralischen Kampf führt. Motivwagen des diesjährigen Kölner Rosenmontagszugs zeugen von der Staatsergebenheit der heutigen „Narren“ (im doppelten Sinne).

Einige der sogenannten „Persiflagewagen“ nehmen, man ahnt es bereits, Bezug auf aktuelle politische Themen. Obwohl die Vorbereitungen bereits abgeschlossen waren, durfte natürlich ein kurzfristig ergänztes Motiv nicht fehlen: Dieses zeigt eine angebliche „Karikatur“ zur antidemokratischen Farce um die Ministerpräsidenten-Wahl in Thüringen. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ schreibt, war dieser erst „in der Nacht auf Freitag“, auf dem Höhepunkt der in Erfurt ausgelösten Krise, entstanden.

Linke Vorurteile und Phrasen als Faschingsmotive

Gezeigt wird dort, wie „originell“ die AfD „am Grundgesetz rüttelt“, während Alexander Gauland und Björn Höcke hinter zwei Würsten, beschriftet mit „Hass“ und „Hetze“, nachhecheln –  überthront von Thomas Kemmerich. Auf die fast schon tadelnde Frage des Stadt-Anzeigers „Gehört da nicht auch noch die CDU mit dazu?“ antwortet Zugleiter Holger Kirsch: „Warten wir mal ab… Ich glaube, dieser Wagen ist noch lange nicht fertig!“. Man versteht sich, Presse und „Kulturschaffende“.

Thüringen ist natürlich nicht das einzige Thema: Auch der Klimawandel muss natürlich transportiert werden – auf Rot-Grün-Groko- und Friday-for-Future-Kurs versteht sich: „Uns Pänz, die spille nit im Jras“; der Stadt-Anzeiger jubelt: „Vielleicht sollte man doch auf den Nachwuchs hören, der schließlich den Dom vor dem Absaufen retten möchte!“. Auch der WDR-Oma-Umweltsau-Skandal wird auf einem Motivwagen aufgegriffen – natürlich ganz im Sinne des Staatsfunks: Gezeigt wird eine Mücke, die zum Elefanten wird.

Doch es gibt nicht nur Kritisches, sondern auch Positives – nämlich zu den Grünen und ihren Vorsitzenden Robert Habeck. Dieser bekommt nicht etwa sein Fett weg – sondern er wird gezeigt, wie er auf einer Erfolgswelle surft. Heldenverehrung zum Karneval – für linksgrüne Aktivisten des im Herzen immerzu roten Köln ist das vielleicht konsequent. Für wachgebliebene Gemüter in diesem Land ist es vor allem peinlich. (DM)